"V wie Vendetta" (USA 2006) Kritik – Der etwas andere Comic

„Eine gute Regierung ist wie eine geregelte Verdauung; solange sie funktioniert, merkt man von ihr kaum etwas.“

Oben stehendes Zitat stammt von Erskine Caldwell. Wichtige Frage: Was passiert, wenn sie nicht mehr funktioniert, wenn sie eigenständig wird, das Volk unterdrückt und ihre ganz eigenen Vorstellungen durchsetzt? Und ich rede nicht von der Verdauung.

„Ein Volk sollte keine Angst vor der Regierung haben. Die Regierung sollte Angst vor ihrem Volk haben!“. Das ist der Grundsatz, unter dem „V for Vendetta“ funktioniert. Bis heute hat dieser Film nichts von seiner Aktualität verloren und ist anwendbar auf jedes politische System eines Landes. Er ist eindeutig nicht das, was man von einer Comicverfilmung erwartet. Zwischendurch zieht er mit brillanter Action und 1a Atmosphäre scharf in die Kurve, doch die meiste Zeit geht es um die politischen Machtverhältnisse des Landes und die Frage, wer dieser V nun eigentlich ist. Der Mann aus Zelle fünf. Eine polizeiliche Ermittlung, die langsam vonstatten geht, wodurch nur allmählich Licht in die Sache kommt. Das dauert stellenweise wirklich lange und man muss schon aufpassen, um zu begreifen, wie alles zusammenhängen soll, aber irgendwie kommt man dann doch mit. Geheimnistuerei, immer neue Fragen und über allem dieses eine Ungeklärte: Wer zum Henker ist dieser V denn nun? Natalie Portman ist mir persönlich sowieso immens sympathisch und es sind diese Momente, die „V for Vendetta“ so ansprechend machen. Ein lupenreines Schauspiel ohne Fauxpas, das ist es. Hugo Weaving hat hinter seiner weißen Maske einen schweren Job, denn er muss Emotion verkaufen, ohne Mimik benutzen zu dürfen und das meistert er mit Bravur. Seine Figur ist vielschichtig, äußerst mysteriös, clever und etwas Besonderes. Die intelligente Gespräche in diesem Film finden ausschließlich mit ihm statt, er drückt sich so aus, wie es seine Art ist und das alles macht ihn als Charakter einzigartig. Alle anderen im Cast leisten ebenfalls gute Arbeit und man wird niemals aus der Atmosphäre gerissen. Einige Momente, die zu verraten hier unfair wäre (Stichwort Zelle fünf), sowie das absolut grandiose Ende mit einer Szene, die ich hier ebenfalls nicht verraten kann (Stichwort „wir alle“, falls man damit was anfangen kann), entschädigen für die etwas diffuse Handlung, die sich auch im Nachhinein nicht vollständig erschließt.

Alles in allem ist „V for Vendetta“ kein typischer Comic, er durchbricht Klischees, arbeitet ausschließlich mit der Realität und entwickelt sich, wie man es nicht erwarten würde. Durch sein politisch höchst brisantes Thema ist er viel mehr als nur ein Actionfilm. Er ist aktuell, lebensnah und vor allem: wichtig.

8.5/10 Sternen