"Vicky Cristina Barcelona" (2008) Kritik – Allen schwächelt

„Seit dem Studium waren die beiden beste Freundinnen und hatten in den meisten Dingen den gleichen Geschmack und die gleiche Auffassung. Nur beim Thema Liebe hätten ihre Ansichten kaum unterschiedlicher sein können.“

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Bei weitem nicht schlecht, jedoch teils sehr belanglos. „Vicky Cristina Barcelona“ ist einerseits ein typischer Woody Allen, doch vermisst man seine typischen, schlagfertigen Dialoge. Auch gibt es nicht wirklich etwas zum Nachdenken. Stattdessen bekommt der Zuschauer eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art zu sehen. Spanische Mentalität trifft auf tolle Aufnahmen. Es ist offensichtlich, dass Allen die spanische Kultur sehr schätzt. In den Hauptrollen zu sehen sind Javier Bardem, Scarlett Johansson, Rebecca Hall und Penélope Cruz, die allesamt ein tolle Figur machen, dem Film sehr viel Charme und Tempo verleihen und die Zeit somit im Nu verstreichen lassen.

Drei Damen, allesamt verliebt in den Spanier Juan Antonio. Eine Vierecksbeziehung, die allerlei Romantik und genauso viel Ärger verspricht. Die eine ist verheiratet, die andere glaubt nicht an die wahre Liebe und Antonios Ex ist selbstmordgefährdet. Allens Figuren scheinen anfangs zu reinen Abziehbildern zu verkommen. Aber Allen ist nicht ohne Grund als großer Romantiker bekannt, und so verleiht er den Figuren durch die gut aufgelegten Darsteller etwas Herzliches. Die Dialoge, insbesondere der Humor, sind, wenn auch nicht so toll wie in seinen anderen Werken, einzigartig. Die musikalische Untermalung und die wunderschöne Inszenierung machen Spass und lassen das Publikum ins Schwärmen geraten.

Die Moral der Geschichte: „Vicky Cristina Barcelona“ stellt in Allens Sammlung ein weiteres Argument dar, warum es sich lohnt, nach der wahren Liebe zu suchen. Und, dass die Suche nach der richtigen Liebe neben Kunst und Musik wahrscheinlich das einzige ist, was das Leben begehrenswert macht. Diese Prämisse dürfte wohl nicht jedermanns Geschmack treffen, aber für Allen-Fans ist dieses Feel-Good-Movie definitiv ein Muss, auch wenn Woody viel mehr auf dem Kasten hat, als er hier zeigt.

Bewertung: 6/10 Sternen