"Wege zum Ruhm" (USA 1957) Kritik – Stanley Kubricks Plädoyer für die Menschlichkeit

„Gentlemen of the court, there are times that I’m ashamed to be a member of the human race and this is one such occasion.“

null

„Wege zum Ruhm“ steht für Stanley Kubricks belangvolles Plädoyer für die in Kriegstagen vergrabene Menschlichkeit. Eine ganz bestimme Szene ist signifikant für das rangorientierte „Miteinander“ innerhalb des 701. Regiments: Der widerwärtige General Paul Mireau durchquert die Schützengräben auf der Suche nach dem Gefühl des Sieges, nahezu verschlossen vor der Realität stolziert er an den verwundeten und ausgelaugten Soldaten vorbei, um ihnen dann mit einem mehr als deplatzierten Antreibungsspruch den letzten Willen für das Vaterland zu kämpfen endgültig zu nehmen. Die Uniform des Generals ist geschniegelt, kein Spritzer Dreck haftet an ihr, sein Gesicht zeigt Frohmut, während die Soldaten überzogen mit dem Schlamm des Schlachtfeldes sind und die müden Körper die physische wie psychische Belastung kaum noch aushalten. Ein bitterer Hohn schwingt mit, genau wie im Filmtitel selbst.

Wirklich erschreckend wird es in „Wege zum Ruhm“ allerdings erst, wenn sich die französischen Soldaten ihre Unterlegenheit eingestehen, wenn sie ihre Ängste vor dem Gegner offenbaren und sich dadurch mit unersetzbarer Humanität auszeichnen, die die Furcht vor dem Tode nun mal mit sich bringt, aber von den blinden Vorgesetzten verurteilt wird. Menschen, die ein vollkommen nachvollziehbares und ebenso vertretbares Verhalten in Bezug auf einen längst verlorenen Kampf beweisen, werden als „Feiglinge“ und „Vaterlandsverräter“ abgetan und müssen dann vor ihren eigenen Landsleuten bezahlen. Erschießungen sollen für neue Disziplin sorgen. Colonel Dax (hervorragend gespielt vom schneidigen Kirk Douglas) hat vollkommen Recht: Man muss sich wirklich schämen der menschlichen Rasse anzugehören.

Befehlshaber und Vorgesetzte zeichnen sich in „Wege zum Ruhm“ durch verständnislose Blindheit aus, die sich lediglich für die eigenen Beförderungen und die Macht interessieren. Die untergebenen Soldaten, die, die täglich ihr Leben aufs Spiel setzten und in der inhumanen Sinnlosigkeit zu Schachfiguren degradiert werden, haben für diese von Solipsismus geprägten Scheusale keinerlei Wert, lediglich Colonel Dax zeigt Verständnis, besitzt noch Moral in einer ideallosen Zeit. „Wege zum Ruhm“ besitzt in seinem Inneren eine Botschaft, die sich nicht nur auf den ersten Weltkrieg projizieren lässt, sondern auf jeden Krieg und auf jedes menschliche Fehlverhalten in beliebigen Krisengebieten. Sicher ist der Anti-Kriegsfilm hier noch nicht von Stanley Kubricks akribischer Perfektion gezeichnet, doch ein wichtiger wie eindringlicher Vertreter des Genres ist „Wege zum Ruhm“ in jedem Fall.