"What a Man" (D 2011) Kritik – Matthias Schweighöfer blamiert sich auf ganzer Linie

„Ich glaube, Frauen fällt es extrem schwer sich nicht in dich zu verlieben, gerade weil du so bist wie du bist…“

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‚KeinOhrHasen‘, ‚ZweiOhrKüken‘ und ‚Kokowääh‘, sollten nur der Anfang sein. Inzwischen kriegen wir so gut wie jeden Monat eine dieser deutschen Komödien in den Kinos zu sehen, die nicht nur immer unlustiger werden, sondern auch immer peinlicher. Vor allem, so hat man das Gefühl, sind immer die gleichen Gesichter in den Film vertreten. Sobald der Name Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer irgendwie in Verbindung mit einem dieser Filme gebracht werden kann, ist der Kassenerfolg ein sicherer. Die Zeit sollte nun auch noch kommen, in der sich auch der beliebte Matthias Schweighöfer auf den Regiestuhl wagen musste. Durfte man in diesem Fall denn nun noch wirklich Erwartungen heben und hoffen, dass Schweighöfer wirklich frischen Wind in das Genre bringt? Wohl kaum. Mit ‚What a Man‘ aus dem Jahre 2011, lieferte uns Schweighöfer ein Regiedebüt, wie man es sich nicht wünschen würde und inszenierte eine dieser vollkommen austauschbaren und erschreckend nervtötenden Liebes-Komödien.

Der junge Lehrer Alex wird von seiner Freundin Carolin mit dem gutaussehenden Nachbarn Jens betrogen. Nun ist Alex wieder allein und stellt sich die Frage, was einen Mann wirklich ausmacht. Alex zieht bei seiner besten Freundin Nele ein und lässt sich von seinem Freund Okke Tipps geben, wie man männlicher wird. Doch das alles scheint nicht zu funktionieren und Alex stellt sich die Frage, ob er sich wirklich ändern muss, oder einfach nur eine andere Frau finden?

Matthias Schweighöfer hat allerdings nicht nur die Regie übernommen, sondern auch gleich die Hauptrolle vom Weichei mit gutem Herzen Alex gespielt. Schweighöfer spielt wie immer die gleiche Rolle und glotzt durchgehend mit dem gleichen Blick durch den Film, ganz zu schweigen von seiner doch auf Dauer sehr nervigen kratzig-quarkigen Stimme. Von Schauspiel kann hier nicht die Rede, Hauptsache sein Charakter wurde möglichst sympathisch gezeichnet, denn Ecken und Kanten darf diese Figur natürlich zu keinem Zeitpunkt haben. Sibel Kekilli als Alex‘ beste Freundin Nele, bleibt auch vollkommen hinter ihrem Talent zurück und sollte sich in Zukunft lieber in ernsthaften Projekten tummeln, wie zum Beispiel wieder in Filmen von Fathi Akin oder Feo Aladog. Hier spielt sie nur die typischen Klischees zügig runter. Dann wäre da noch Elyas M’Barek, bekannt durch die Serie „Türkisch für Anfänger“. M’Barek liefert eine dermaßen peinliche und aufgesetzte Vorstellung als Alex‘ Freund Okke, das er sicher nicht nur allen Türken mit seinen fragwürdigen Weisheiten eine Schande sein dürfte, sondern auch jedem anderen mit seinem Schauspiel schnell auf den Senken geht. Mavir Hörbiger als launische Ex ist da auch nicht besser. Auch sie füllt ihren eindimensionalen Charakter ohne viel Mühe aus und bleibt einfach schablonenhaft. Thomas Kretschmann als Jens, der nur gute 2 Minuten im Bild ist, liefert als Sexgott Jens sogar noch die beste Leistung und kann den einzigen Lacher des Films auf seine Kosten nehmen.

Also wir haben unseren sympathischen Lehrer Alex, der alles für seine Freundin tut und immer klein bei gibt. Als seine Freundin dann fremdgeht, will er sich immer noch nicht trennen, weil er einfach keinen Mumm hat und sieht gerne dabei zu, wie ein fremder Kerl mit seiner Freundin abzieht. Er hat eben ein großes Herz und kann verzeihen. Ein absoluter Waschlappen, der dann aber doch zu seiner besten Freundin zieht. Die ist Umweltaktivistin und will die Pandas retten. Wie das dann eben so ist, bleibt es nie bei Freundschaft und es geht hin und her. Man will ja die Freundschaft nicht aufs Spiel setzen, aber eigentlich passen die beiden ja sooo toll zusammen. Und es geht wieder her und hin. Dann macht Alex einen „Fehler“ und Nele, die ja eigentlich nur Freundschaft will, ist eingeschnappt. Alex sieht das, versteht es allerdings nicht und erwischt Nele, wie sie einen „Fehler“ macht. Und es geht wieder hin und her. Ach ja, dann ist da ja noch dieser Okke, der uns immer mit total witzigen Sprüchen beglückt und auch voll sympathisch ist. Und so geht das die ganze Zeit. Wie man merkt, merkt man nichts, denn das hier ist absolutes Telenovela-Niveau und nach fünf Minuten ist das Ende des Films schon zu 100% klar.

Matthias Schweighöfer inszenierte mit ‚What a Man‘ einen Film, der durchgehend voll auf sympathisch und liebenswert getrimmt wurde. Dabei wird der Film uns so sympathisch gemacht, dass er rasend schnell unsympathisch ist und auch das Hassen wird uns hier leicht gemacht. Ohne Überraschungen oder Abwechslungen spult Schweighöfer die Klischees nacheinander runter und greift immer tief in die Kitschkiste. Das ist so dermaßen uninteressant und extrem langweilig, dass die furchtbare Leere von ‚What a Man‘ uns in ein Wachkoma treibt, in dem wir den Film ohne Regung aufsaugen und jede Szene nach wenigen Sekunden bereits schon wieder vergessen haben. Dazu kommen die Witzchen von Schweighöfer und seiner Bande, die eigentlich nie sitzen und eher zu peinlichem Schweigen führen, als zu den erhofften Lachern. Das Ganze wird dann noch immer wieder mit dem Gesang von Lena Meyer-Landrut unterstützt, der die Suche nach Männlichkeit natürlich perfekt unterstreicht. ‚What a Man‘ ist austauschbar, wurde schon 1000 Mal woanders gesehen worden und davon auch geschätzte 950 Mal besser. Eine lahmarschige und handzahme „Komödie“ die dem deutschen Filmruf viel zu gerecht wird. Am Ende wird noch die Moralkeule ausgepackt und wir werden darüber belehrt, was im Leben wirklich zählt, denn eigentlich muss man sich gar nicht ändern. Man muss nur den anderen Menschen finden, der einen so nimmt, wie man ist. Auch wenn man ein Wachlappen ohne Rückgrat ist. Hauptsache man ist sympathisch.

Fazit: ‚What a Man‘ – was für ein Müll. Die Schauspieler sind oberflächlich, die Story ist extrem vorhersehbar und badet in Kitsch und Klischees. Am Ende ist alles Friede, Freude, Eierkuchen und wir können uns mit einem aufgesetzten Grinsen dem bleibenden Vakuum hingeben. Unlustig, uninteressant und unausstehlich.

Bewertung: 2/10 Sternen