"Wrong" (FR, USA 2012) Kritik – Über die Falschheit der Dinge

Autor: Stefan Geisler

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„I don’t know how it happened, or why, but the palm tree is no longer a palm tree.“

Der französische Filmemacher Quentin Dupieux ist momentan DER Regisseur, wenn es um absurdes Kino geht. Dupieux ignoriert konsequent alle Genre-Konventionen und setzt sich gekonnt zwischen alle Stühle. Doch auch wenn seine Filme auf den ersten Blick ein wenig wirr wirken mögen, während der Produktion besteht der Regisseur auf Perfektion und lässt sich dementsprechend auch nicht die Zügel aus der Hand nehmen. Drehbuch, Regie, Cut und Kamera – Quentin Dupieux ist ein echter Alleskönner in Sachen Filmproduktion. Auch die musikalische Untermalung stammt vom Regisseur höchstpersönlich, schließlich ist Quentin Dupieux ein begnadeter Musiker, der unter seinem Alias Mr. Oizo immer wieder musikalische Grenzerfahrungen produziert. Seit seinem absurden Genre-Mix „Rubber“, in dem ein Reifen mit telekinetischen Kräften einen Kreuzzug gegen die Menschheit startet, ist der französische Regisseur auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Nun erscheint mit „Wrong“ der neuste Film des Regisseurs auch bei uns auf auf Blu-Ray und DVD, ein Grund mehr, den Film mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Dolph Springer (Jack Plotnick) ist ein echter Jedermann der nichts mehr liebt als seinen Hund, seinen Garten und seinen Job. Diese drei Konstanten im Alltag braucht Dolph einfach, damit sein Leben nicht aus den Fugen gerät. Was passieren würde, wenn einer dieser Stützpfeiler wegbrechen würde, mag man sich gar nicht vorstellen, wahrscheinlich würde sein Leben im Chaos versinken. Als jedoch eines Tages sein Hund eines Morgens unauffindbar ist, bricht in dem ruhigen Leben des unscheinbaren Mannes Chaos aus. Seltsamen Gurus, runtergekommene Privatdetektive, raubeinigen Polizisten und andere schräge Gestalten begegnen Dolph beim Versuch, wieder Normalität in seine kleine Welt einkehren zu lassen.

Auf den ersten Blick mag der Schauplatz von Quentin Dupieuxs neustem Film „Wrong“ wie eine unscheinbare, amerikanische Vorstadt wirken. Doch die Idylle trügt, denn schon bald entpuppt sich der verschlafene Schauplatz als Hort des alltägliche Kleinstadt-Wahnsinns: Hier wohnen Haustier-Gurus mit erfolglosen Privatdetektiven und emotional unterkühlten Polizisten Tür an Tür. Dabei sehnt man sich hier doch eigentlich nur nach Konstanz im Leben und schätzt die Langeweile. Ein Ausbruch aus der Norm wäre schlichtweg undenkbar. Jedermann Dolph Springer dient dabei als ideales Aushängeschild der bizarren Gesetzmäßigkeiten, die in dieser Örtlichkeit herrschen, denn auch er lebt streng nach diesem Kredo. Sogar so streng, dass er sich weigert, Veränderungen zu akzeptieren, so verbringt Dolph beispielsweise täglich mehrere Stunden im Büro, obwohl im bereits vor Monaten gekündigt wurde.

Dupieux entwirft einen biederen Mikrokosmos, in dem die Uhren sprichwörtlich anders zu ticken scheinen, und reißt seinen Protagonisten durch ein unvorhergesehenes Ereignis aus seiner Alltags-Lethargie. Für Dolph wird es schier unmöglich, zwischen telepathisch veranlagten Dog-Nappern, Hundekot-Erinnerungsfetzen und Blitz-Schwangerschaften sein geregeltes Leben aufrechtzuerhalten. Dabei unterstreicht Dupieux die Absurdität des Ganzes durch gezielte Überspitzung und lässt das Geschehen mit jeder neuen Szene weiter in die vollkommene Absurdität driften, bis sich der Zuschauer überhaupt nicht mehr sicher sein kann, was ihm als Nächstes bevorstehen wird. Trotz stellenweiser großartig und zum Schreien komischer Absurditäten kommt „Wrong“ zwischenzeitlich ein wenig ins Stocken, da sich Regisseur Dupieux zwischendurch ein wenig zu sehr im filmischen Schabernack verliert.

Fazit: Ein Hoch auf den Wahnsinn in der Welt, denn ohne ihn wäre die Erde doch nur ein langweiliges Fleckchen. Quentin Dupieuxs „Wrong“ ist ein gelungenes Stück absurd-komischer Kino-Kunst. Dolphs Odyssee wird zum Aufstand des kleinen Mannes gegen eine verworrene Welt, in der es einfach keine feste Ordnung gibt. In Anbetracht der großartigen Aufnahmen und eines fantastisch minimalistischen Soundtracks verzeiht man „Wrong“ die ein oder andere dramaturgische Ungeschliffenheit gerne.

„Wrong“ ist ab dem 7. November auf DVD und Blu-Ray erhältlich.