"Die Wutprobe" (USA 2003) Kritik – Adam Sandler muss die Liebe spüren

„Jetzt sieh mal einer an, die Höhle des zornigen Zebras. Ich rieche die Ausdünstung von Schmerz und Enttäuschung.“

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Adam Sandler ist schon ein grenzwertiger Geschmacksfall. Seinen Beliebtheitsstatus in der Filmwelt oder den Zuschauern kann der Komiker eigentlich nie auf einem konstanten Level halten, ganz zu schweigen von den Kritikern, für die es jedes Mal aufs Neue eine Freude ist, seine Filme in Fetzen zu zerreißen. Wenn man sich eine dieser Komödien mit Sandler in der Hauptrolle ansieht, dann muss man sich in erster Linie auf pubertäre Witze einstellen, die sich gerne um den unsäglichen Fäkalhumor aus der Grundschule klammern, oder ihr Hauptaugenmerk auf die Zone unter der Gürtellinie richten. Mit Niveau hat es der Topverdiener nicht unbedingt, aber seine stumpfe Art kann in den besten Fälle doch irgendwie unterhalten, vor allem deswegen, weil sie niemanden wehtut und einfach ihr flaches Ding durchzieht, wenn auch sicher alles andere als innovativ. Für einen Sonntagnachmittag sind diese Filme schon geeignet, doch das mehrmalige Sehen funktioniert nicht wirklich. Wenn wir zurück in das Jahr 2003 gehen, dann treffen wir auf Peter Segals Komödie „Die Wutprobe“, die sich zu einem echten Kinohit mauserte und genau in die altbekannte Sandler-Sparte passt. Zu viele Schwächen lassen die unbeschwerte Unterhaltungsform nicht gänzlich auf den Zuschauer überschwappen.

Dave ist nur ein unwichtiger Angestellter, der sich um die Kleidung für übergewichtige Katzen kümmert und würde eigentlich keinem Menschen etwas zu Leibe tun. Dabei hätte er doch Grund genug zu, denn auf der einen Seite steckt sich Daves Chef den ganzen Lob für seine Arbeit in die eigene Tasche und auf der anderen Seite verbringt seine Freundin Linda viel zu viel Zeit mit ihrem Ex-Freund Andrew. Als Dave auf einem Flug in eine eigentlich kontrollierte Situation stolpert, die von den Beteiligten und Außenstehenden vollkommen anders aufgenommen wird, sieht sich Dave kurze Zeit später vor einer Richterin wieder, die ihn zu einer Aggressionsbewältigungstherapie zwingt, denn vor dem Gefängnis konnte ihm sein kommender Therapeut Dr. Buddy Rydell gerade noch retten. Dummerweise ist Buddy Rydell genau der Mann, der beim missverständlichen Flugzeugstreit neben Dave saß und die Situation nicht kontrollieren wollte. Das Chaos ist vorprogrammiert…

„Die Wutprobe“ lebt voll und ganz von den beiden Hauptdarstellern Adam Sandler und Jack Nicholson. Adam Sandler spielt den schüchternen und sehr ruhigen Dave, der alles mit sich machen lässt und immer mehr Wut in sich anstaut, die auf ihren Ausbrauch wartet. Adam Sandler hält sich mit seinem Schauspieler sogar angenehm zurück und braucht bis auf wenige Ausnahme gar nicht seine gewohnten Ausraster vortragen, die ihn immer in den Bereich der Albernheiten drängen. Zwar ist das hier kein großes Schauspiel, ganz sicher nicht, doch eine von Sandlers umgänglichsten und massentauglichsten Darstellungen. Warum sich Sandler so zurückhält, lässt sich an der zweiten Hauptrolle Jack Nicholson festmachen, der die Rolle des Therapeuten Dr. Buddy Rydall übernimmt. Einem Meister wie Nicholson ist Sandler natürlich nicht im Ansatz gewachsen und so macht Nicholson Sandler zu Wachs in seinen Händen, den er immer verdreht und biegt wie es ihm gerade passt. Auch Nicholson bringt hier keine Meisterleistung, bei dem Drehbuch ist das auch ziemlich unmöglich, doch der charismatische Haudegen kann nach Lust und Laune aufspielen und die großen Lacher ernten. Eine herrliche Performance. Und auch die Nebenrollen sind stark besetzt mit John Turturro, Marisa Tomei, Luis Guzmán, Heather Graham und Woody Harrelson, auch wenn diese nur kleine Szenen zugesprochen bekommen und sich wohl eher unter Wert verkaufen.

Die Geschichte, einen exzentrisch eigenartigen Therapeuten mit einem schüchtern verklemmten Patienten zusammenzustecken, bringt natürlich viel Spaß mit sich, denn wenn diese beiden Welten aufeinander krachen, dann gibt es kein Halten mehr, weder für die Protagonisten, noch für die Zuschauer, die dabei einfach bestens unterhalten werden, während die Zeit nebenbei einfach so verfliegt. Natürlich muss man an dieser Stelle auch klar sagen, dass die Story selbst vollkommen hanebüchen ist und keinen tieferen Sinn mit sich bringt, sondern einfach nur mit Gags bepackt werden sollte, um den Zuschauer vergnügliche 100 Minuten zu schenken. Das Konzept ging auf, wie sich an den Einspielergebnissen deutlich zeigte. Die erste Ungereimtheit in „Die Wutprobe“ ist jedoch, wenn das Duo Nicholson und Sandler nicht zusammen sind, was zum Glück nicht allzu oft passiert, und Sandler sich allein durch den Film schlägt, denn dann zünden die Witze nicht und die Drehbuchschwächen werden überdeutlich, gerade weil Nicholson immer den richtigen Schwung mitbringt und in seiner herrlichen Art keine Grenzen kennt. Das nächste Problem des Films ist die Tatsache, so locker und flockig die Inszenierung auch sein mag, geht der Film seinem Ende zu, wird das ganze Geschehen so nervtötend vorhersehbar, das der eigentlich vorhandene Spaß im Keim erstickt wird und die Geschichte selbst in Kitsch und Klischees ertrinkt und der erzeugte nette Eindruck wieder erheblich runtergeschraubt werden muss.

Fazit: „Die Wutprobe“ weiß über den Großteil seiner Länge gut zu unterhalten und die meiste Gags zünden, auch wenn sie ab und an wie gewohnt eine ziemlich flache Note mit sich bringen. Mit zunehmender Laufzeit wird der Film in seiner Oberflächlichkeit jedoch auch Kitschiger und Klischeebeladener (Ein ganzes Stadion feuert ein Paar an, damit sie sich endlich küssen.) Hätte Regisseur Segal diese Standardsachen weggelassen, dann wäre „Die Wutprobe“ ein sehenswerter Film gewesen, so bleibt jedoch nur eine Komödie, die man sich mal angucken kann, vor allem wegen Jack Nicholsons herrlicher Performance, aber mit Sicherheit auch nicht muss, denn geboten bekommt man hier weder etwas Besonderes, noch etwas bleibendes.

Bewertung: 5/10 Sternen