"Zimmer 1408" (USA 2007) Kritik – Im Zimmer des Wahnsinns

„Vielleicht bin ich nicht real. Vielleicht hab ich nur einen Alptraum.“

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Ebenso wie in der Welt der Bücher, ist der Name Stephen King auch nicht mehr aus der Filmwelt wegzudenken. Stanley Kubricks ‚Shining‘, Rob Reiners ‚Stand by Me‘ oder Frank Darabonts ‚Die Verurteilten‘ bilden die besten Verfilmungen nach einer King-Vorlage. Aber natürlich gibt es auch die Kehrseite der Medaille und Sachen wie ‚Dreamcatcher‘ und zuletzt ‚Dolan’s Cadillac‘ sind schon eine Frechheit in Anbetracht auf die Vorlagen. Die letzten King-Verfilmungen ‚Das geheime Fenster‘ und ‚Der Nebel‘ lagen jedoch im positiven Bereich und im Jahr 2007 stand schon der nächste Film vor der Tür. ‚Zimmer 1408‘, vom schwedischen Regisseur Mikael Håfström , dieses Mal auf einer Kurzgeschichte vom Horror-Meister basierend. Die Erwartungen waren standesgemäß gespalten, doch das Ergebnis kann sich wieder einmal sehen lassen. Håfström inszeniert feines Gruselkino, verliert jedoch zu oft das wesentliche aus den Augen.

Schriftsteller Mike Enslin grast für seine Arbeit einen schaurigen Ort nach dem anderen ab. Ob es Leuchttürme oder Schlösser sind ist egal. Für sein nächstes Buch muss er in das Zimmer 1408 des New Yorker Dolphin Hotels einziehen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelingt ihm das auch und er nimmt es wie immer auf die leichte Schulter. Doch nach kurzer Zeit bemerkt Mike, dass etwas mit dem Zimmer wirklich nicht stimmt und alles scheint aus den Fugen zu geraten. Einbildung oder schreckliche Realität?

Rein visuell und handwerklich ist ‚Zimmer 1408‘ ganz große Klasse. Die Kameraarbeit von Benoit Delhomme fängt das Chaos in den fremden vier Wänden wunderbar einengend ein. Da der Film fast ausschließlich in diesem Zimmer spielt, sollte auf die klaustrophobische Stimmung wert gelegt werden. Das gelingt auch anfangs sehr gut und die ausweglose Lage kann sich durchaus entfalten. Auch seine Kameraschwenkt, die nicht selten die Decke und den Fußboden gleichzeitig einfangen, zeichnen die Lage erst recht aus. Dazu der passende Score, der die Gruselatmosphäre durchgehend unterstützt und die Spannung gerne, ohne Übertreibungen, antreibt. Die Effekte können sich ebenfalls sehen lassen werden im Laufe des Films allerdings zu oft eingesetzt und schießen über das eigentliche Ziel hinaus.

John Cusack liefert hier quasi eine One-Man-Show ab und muss den gesamten Film mit seiner Darstellung alleine tragen. Das gelingt ihm auch, denn Cusack ist nicht nur extrem sympathisch, sondern auch ein grandioser Schauspieler, wenn ihm denn der Raum gegeben wird. Als Autor Mike Enslin schafft er es seine Stärken auszuspielen. Er reißt den Zuschauer mit und lässt seinen Charakter immer weiter zerfallen. Neben Cusack gibt es keinen Platz für andere Darsteller und ihm gehört die große Bühne ganz allein. Samuel L. Jackson als Hotelmanager Gerald Olin ist zwar nur selten zu sehen, kann in jeder Szene aber überzeugen und vor allem der erste Dialog mit Cusack ist ganz stark.

‚Zimmer 1408‘ musste bei seinem Kinostart einiges an Spott und Vergleichen mit dem Meisterwerk ‚Shining‘ über sich ergehen lassen. Nicht selten wurde er als „Version für Arme“ und „kleiner Bruder“ von Kubricks Klassiker bezeichnet. Ähnlichkeiten sind natürlich unverkennbar und Håfström zieht auch in jedem Punkt den Kürzeren, jedoch ist ‚Zimmer 1408‘ immer noch gut genug um etwas Eigenes zu repräsentieren und den gerne aufgelegten Schatten etwas wegzudrücken.

Angefangen mit unserem Hauptcharakter, dem mehr oder weniger erfolglosen Autor Mike Enslin. Enslin fährt die gruseligsten Orte ab und beschreibt diese Orte in seinen Büchern. Jedoch soll ihm sein nächster Aufenthalt im Dolphin Hotel sein und dem Zimmer 1408 nicht leicht gemacht werden. Nach langen Diskussionen mit dem Manager und den Recherchen über die schrecklichen Vorfälle in dem Zimmer, ist er nach kurzer Zeit auch eingezogen. Das Interesse des Zuschauers, sowohl an Mike, also auch am Zimmer, ist sofort geweckt und die Vorfreude auf das was kommen mag wächst. Und hier zeigt Håfström seine Qualitäten. Er setzt auf altmodischen Grusel. Der Wecker spielt verrückt, der Fernseher macht was er will und ein Fremder wird zum Spiegelbild von Mike. Es wird spannender, die Lage spitzt sich zu und die spürbare Anspannung steigt fühlbar. Mike wird mit seiner schweren Vergangenheit konfrontiert und der Mensch, den nichts mehr schockieren konnte, wird zum Opfer seiner eigenen Ängste und die verdrängten wie abgestorbenen Familiengefühle holen ihn ein. Die Wahnvorstellungen nehmen zu und das Zimmer ergreift Besitz von ihm. Die Kraft der Gedanken, Erinnerungen und die erdrückende Realität werden vermischt und explodieren in einem untrennbaren Wahnsinn.

Die erste Stunde von ‚Zimmer 1408‘ vergeht wie im Flug. Die Charaktereinführung ist gelungen, ebenso wie das Erzeugen der Atmosphäre, die den Zuschauer umklammert und keine Längen zulässt. Wenn diese Stunde aber vergangen ist, verliert sich der Film immer öfter aus den Augen. Die Stimmung selbst viel zu oft bei Seite geschoben und es wird zunehmend auf Effekte gesetzt. Diese sehen zwar zweifelsohne gut aus und nicht im Ansatz billig, doch ab einem bestimmten Punkt erscheint es so, als will der Film nur noch mit Effekten Spannung erzeugen und schockieren, nur leider bewirkt das genau das Gegenteil. Man vermisst das Gruselflair, das eben viel spannender war und auch das Zimmer selbst rutscht immer weiter in den Hintergrund, ohne aber den Reiz zu verlieren. Das persönliche Leben von Mike wird immer weiter in den Vordergrund gestellt, aber wir können dazu kaum eine Bindung aufbauen und seine Gefühle nicht an uns reinlassen, denn das klar Interessengebiet liegt auf immer auf den Zimmer und den seltsamen Vorkommnissen selbst. Nichtsdestotrotz liegt ‚Zimmer 1408‘ im überdurchschnittlichen Genre-Bereich und ist deutlich ansprechender als die modernen Blutorgien.

Fazit: Mikael Håfströms ‚Zimmer 1408‘ überzeugt durch die starke Atmosphäre und dem tollen Hauptdarsteller. Auch der Score und die visuelle Klasse können glänzen, doch leider wäre hier noch viel mehr drin gewesen. Die persönlichen Hintergründe und die Effekte hätte nicht überhand nehmen sollen, das hat nämlich einiges kaputt gemacht. Gut ist der Film aber allemal. Wer dazu noch die Möglichkeit hat, den Film im Directors Cut zu sehen, sollte dies unbedingt tun. In dieser Version ist der Film einfach runder.

Bewertung: 6/10 Sternen