"Zorn der Titanen" (USA 2012) Kritik – Götter im Familienstress

„Götter sterben nicht.“ – „Inzwischen schon.“

null‚Kampf der Titanen‘ war 2010 zwar ein kommerziell recht erfolgreicher Film, doch als unterhaltender Blockbuster ein Totalausfall und gleich einer der miestesten der letzten Jahre. Die Kritiker verhassten und verteufelten ihn und das Publikum ging mit einem großen Gähnen und hämmernden Kopfschmerzen aufgrund des furchtbar schlechten 3D-Effektes aus dem Kino. Alles in allem war das ein schwerer Griff in die Keramikschüssel und hatte rein gar nichts mit Titanen zu tun. 2 Jahre später kam der Nachfolger mit ‚Zorn der Titanen‘ in die Kinos und nicht nur der Titel hat sich verändert, sondern auch ein anderer Regisseur durfte auf dem Stuhl platznehmen, nachdem der Franzose Louis Leterrier ‚Kampf der Titanen‘ so richtig verbockt hatte. Nun war er der Südafrikaner Jonathan Liebesman, der sich vorher mit Filmen wie ‚Texas Chainsaw Massacre: The Beginning‘ und ‚World Invasion: Battle Los Angeles‘ nicht gerade mit Ruhm bekletterte, der wieder für frischen Wind sorgen sollte. Die Rechnung ging mal wieder nicht auf.

10 Jahre sind vergangen, seitdem Perseus den brachialen Kraken bezwungen hat und er versucht zusammen mit seinem Sohn ein ruhiges Leben als Fischer zu führen. Das klappt mal wieder nicht ganz, denn die Götter machen erneut Probleme. Die Menschen glauben nicht mehr wirklich an sie und sie verlieren daraufhin ihre Kräfte, dieser Kraftverlust verstärkt wiederum die gefesselten Titanen. Poseidon, Zeus und Hades brechen auseinander, da Hades versucht, den gestürzten Göttervater Kronos zu befreien. Zeus ist so geschwächt, das er nicht eingreifen kann und es liegt wieder einmal an Perseus, der gemeinsam mit der Kriegerin Andromeda und dem anderen Halbgott Argenor in den Kampf ziehen muss, um das Schlimmste zu verhindern.

Wie schon im ersten Teil, nimmt auch ‚Zorn der Titanen‘ die Sache mit der Mythologie und Götterkunde nicht wirklich ernst. Namen werden eingestreut, Charaktere genannt, aber interessieren tun sie keinen. Mit von der Partie sind natürlich wieder Zeus, Perseus, Poseidon und Hades. Die kennen wir ja schon, mehr oder weniger. Nun sind auch Andromeda stärker vertreten, Ares, der andere Sohn von Zeus, Agenor, der Sohn von Poseidon und Hephaestus, der Schmied der Götterwaffen, vertreten. Auch vom schauspielerischen Punkt darf man hier wirklich keine Besserung erwarten. Wo Perseus im ersten Teil einen Hauch, aber wirklich nur einen Hauch, von Charakteransatz hatte und den inneren Kampf austragen musste, wird es hier erst so richtig flach. Perseus ist einer von vielen, einer dieser Helden, die losziehen um die Welt zu retten, ganz einfach weil er es kann und weil irgendwer es ja machen muss. Worthingston bleibt schwach und ohne Ausstrahlung. Ebenso Liam Neeson als Zeus und Ralph Fiennes als Hades, die sich hier ein paar miese Dialoge liefern und das war es. Kläglich und ebenso sträflich verschenkt wurde Bill Nighy als Hephaestus, der noch einen minimalen ironischen Ansatz, auch in Bezug auf die 80er Jahre-Version, brachte. Gemma Arterton wurde schnell aus dem Cast gestrichen und dafür ist Rosamund Pike nun als Andromeda der weibliche Anteil des Films. Aber auch sie kann zu keiner Sekunde das Desinteresse verscheuchen.

Eigentlich ist die Story aus ‚Zorn der Titanen‘ so ziemlich dieselbe wie schon in ‚Kampf der Titanen‘. Perseus will nicht mehr Kämpfen und will sein Leben endlich in Ruhe führen. Seine Frau ist auch gestorben und er möchte sich um seinen Sohn kümmern und unbeschwert dem Fischerleben nachgehen. Keine Kämpfe mehr, keine Götter und keine fiesen Monster. Aber das geht nun mal nicht als Halbgott, denn die Probleme kommen mal wieder an und das nicht gerade aus leisen Sohlen. Die Götter wollen neue Macht und das noch auf dem dümmsten Wege, in dem sie einen Titan erwecken, der so ziemlich alles in Schutt und Asche legen könnte und die Menschen wieder zum Glaube an die Götter verhilft. Also schnappt sich Perseus wieder sein Schwert, nimmt ein paar fähige Männer und macht sich auf den Weg um die Götter, Titanen und andere Bösewichte zu stoppen. Läuft dabei von A nach B und von B nach C und das Ende des Films ist nach wenigen Minuten bereits vollkommen klar.

‚Zorn der Titanen‘ kämpft mit den gleichen Problemen wie sein Vorgänger, mit dem Unterschied, dass hier wirklich ein Titan vertreten ist und der sogar richtig was hermacht. Auch die Kämpfe nicht mehr so träge inszeniert und wenn ein Kampfdämon mit doppelten Rumpf sich doch die Mengen schlachtet, ist das ansehnlicher als jeder Kampf aus Teil 1. Auch der Angriff der Chimären ist recht gut und sogar mit packenden Ansätzen inszeniert. Da hört es aber auch schon wieder auf. Die Charaktere bleiben schnarchige Schablonen, die man nach dem Ende des Films im Bruchteil einer Sekunde wieder vergessen hat und wer hier stirbt oder überlebt ist vollkommen egal. ‚Zorn der Titanen‘ hat weder Charme, noch beweist er vielleicht etwas Ironie in seiner Inszenierung. Alles bleibt platt, substanzlos und auf dem 08/15 Niveau, welches so vorhersehbar ist, dass der Spaß schnell verflogen ist, Effekte hin oder her. Perseus und seine Gefährten grasen einen Ort nachdem anderen ab, bekommen es mit unterschiedlichen Gegnern zutun und schon geht’s weiter zum nächsten Ort und das über die gesamte Laufzeit. Wieder einmal wurden auch hier einfach lose Handlungsstränge zusammengedrückt, die sicher kein Ganzes ergeben, aber auch nicht mal kurzweilig oder unterhaltsam erscheinen.

Fazit: Die Effekte und die Kampfszenen sind deutlich besser, die Optik ist düsterer und die Gegner sehen besser aus. Aber auch das macht in diesem Fall keinen guten Film aus, denn nicht nur die Story fehlt, sondern auch die Charakterzeichnung. ‚Zorn der Titanen‘ ist extrem flach, öde, darf schnell wieder vergessen werden und macht seinem Vorgänger alle Ehre.

Bewertung: 3/10 Sternen