Kritik zu „Bitteres Fest“: Pedro Almodóvar zurück in Madrid

Kritik von Julian Bonsu

Zurück in Madrid: Bitteres Fest von Pedro Almodóvar

Keine zwei Jahre nach seinem englischsprachigen Spielfilmdebüt, The Room Next Door, kehrt Pedro Almodóvar mit seinem neuen Film, Bitteres Fest (Amarga Navidad), in die Kinos zurück – dieses Mal wieder in seiner Muttersprache Spanisch.

Für Fans von Almodóvars skurriler, gefühlvoller und bunter Welt ist Bitteres Fest wortwörtlich ein Fest für die Sinne. Endlich kann man für circa zwei Stunden wieder in das sinnliche Madrid seiner Filmwelt eintauchen, in kraftvollem Rot baden und in Alberto Iglesias wunderbar opulenter Filmmusik schwelgen. In der Tat sind diese Eigenschaften, zusammen mit der Darstellung von tiefem Drama in Kombination mit komischem Humor, schon seit Jahrzehnten zu Erkennungsmerkmalen eines Almodóvar-Films geworden. Schon deshalb lohnt es sich, den Film zu sehen.

Dennoch bemerkt man schnell, dass Bitteres Fest, wie auch schon Almodóvars letzte fünf oder sechs Werke, einen ziemlich überstilisierten Eindruck macht. Obwohl die Filmprotagonistin unter ständigen Migräneanfällen und Panikattacken leidet, erscheint Sie immer perfekt gestylt, selbstsicher und elegant – als ob Almodóvar sie für edle Prada Werbespotts in Szene setzen würde. Die Appartements und Ferienhäuser der Figuren gleichen einem Hochglanz-Interieur-Magazin. Im Gegensatz dazu wirkten seine früheren Meisterwerke – zwar genauso schön – weitaus kreativer und schonungsloser. Diese früheren Filme sind reich an Bildern, die sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt haben – wie etwa Cecilia Roths Ankunft in Barcelona in Alles über meine Mutter (1999), der Stierkampf in Sprich mit ihr (2002) oder die Priester beim Fußballspiel in La mala educación – Schlechte Erziehung (2004). Es lässt sich nicht bestreiten, dass diese Phase, erweitert um den Film Volver (2006), den absoluten Höhepunkt von Almodóvars Karriere darstellte.

Die Handlung, die sich à la Almodóvar auf mehreren Meta-Ebenen abspielt, ist zu Beginn durchaus fesselnd. Raúl (Leonardo Sbaraglia), ein gefeierter Autorenfilmer, schreibt in der Gegenwart an seinem neuen Drehbuch, beeinflusst von seinem eigenen Leben und den Leuten aus seinem direkten Umfeld. Die Protagonistin in seinem neuen Werk, Bitteres Fest, heißt Elsa (Bárbara Lennie) und ist ebenfalls Filmemacherin. Sie lebt im Jahr 2004 und leidet unter schwerer Migräne. Der Großteil des Films spielt in Elsas Welt, die zahlreiche Parallelen zu Raúls Leben aufweist – wie etwa den hingebungsvollen, viel jüngeren Partner, oder Freundinnen, denen ähnlich schwerwiegende Ereignisse widerfahren. Der Tod von Elsas Mutter und der Schicksalsschlag einer Freundin inspirieren Elsa, wieder zu schreiben. So entstehen Gemeinsamkeiten, die Fiktion und Wahrheit auf oft sehr bewegende Weise verbinden. Jedoch fehlt es manchmal an jener Tiefe, die viele frühere Filme Almodóvars auszeichnet. Phasenweise wirkt das Werk sogar etwas handlungsarm und episodenhaft – bei weitem nicht so packend wie seine alten Klassiker.

„Was hat das mit dem ‘Kult’ auf sich? Kultregisseurin… gehören Sie zu einer Sekte?“

Manche Szenen enttäuschen jedoch nicht und ziehen einen in den gewohnten Bann. Die Cameo-Auftritte von einigen von Almodóvars Stammpersonal wie Rossy De Palma und Carmen Machi gehören zu den besonderen Highlights. Vor allem eine Szene mit Carmen Machi, die in dem Film Elsas behandelnde Ärztin spielt, und erklärt bekommt, dass ein Kultfilm nichts mit einer evangelikalen Sekte gemeinsam hat, ist fantastisch. Mit diesem Film kehren der Humor und die Leichtigkeit zurück, die nur sein spanisches Ensemble in der Originalsprache so zum Ausdruck bringen kann. Ein weiterer Höhepunkt ist die Einbindung einer gefühlvollen Ballade, die an Szenen mit Caetano Veloso und Penélope Cruz in früheren Filmen erinnert.

Für Pedro Almodóvar ist Bitteres Fest vielleicht einer seiner persönlichsten Filme. Es wird schnell deutlich, dass der Regisseur Raúl, der seinen Karrieregipfel bereits erreicht hat, Almodóvar selbst darstellen soll. „Deine besten Filme hast du schon gemacht“, sagt seine Assistentin, Mónica, während sie mit ihm über das neue Drehbuch, eine lukrative Huldigung auf einem Filmfest im mittleren Osten, über Netflix-Deals und Kurzfilme diskutiert. Wie einst Legenden wie Bergman oder Fellini gehört Raúl zu den unangefochtenen Größen, die stets umjubelt werden, obwohl ihre Opera magna schon einige Jahre zurück liegen. Auch Elsa ist eine Verkörperung Almodóvars in weiblicher Form. Zeitversetzt im Jahr 2004 haben schon einige Ihrer Filme bereits Kultstatus erreicht, und nun trauert sie um Ihre Mutter. In der Realität starb Almodóvars Mutter, Francisca Caballero, im Jahr 1999 – genau an der Schwelle seines Durchbruchs von Kultfilmer zu einem der bedeutendsten europäischen Regisseure der Filmgeschichte. Wie Raúl und Elsa, verarbeitete auch Pedro Almovódar den Tod seiner Mutter bereits im Jahr 2019 erschienenen Film Leid und Herrlichkeit.

Bitteres Fest erreicht zwar nicht die erhoffte Tiefe und ist arm an jenen unwiderstehlichen Intrigen und Wendepunkten, an denen man sich bei Almodóvars Filmen so gerne berauscht. Doch durch das wunderbare Ensemble und die greifbare Atmosphäre ist der Film dennoch ein Muss für alle Fans. Die Ehrlichkeit, mit der sich Almodóvar hier offenbart, ist rührend und macht das Werk zu einem würdigen Beitrag zu seinem einzigartigen Gesamtschaffen.

Kinostart: 30. Juli 2026
Regie: Pedro Almodóvar
Darsteller: u.a. mit Bárbara Lennie und Leonardo Sbaraglia
FSK-Freigabe: unbekannt
Verleih: StudioCanal
Laufzeit: 1 St. 52 Min.

★★★★★☆☆☆


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