Kritik: Project X (USA 2012) – Fragwürdiger Unfug

Project X 2012 Film Kritik Review

Wow. I don’t know how to fix this. I don’t know how to fix any of this shit. I’m sorry Thomas. I just wanted to get some pussy.

Thomas hat Geburtstag und da seine Eltern über das Wochenende in Urlaub fahren, entscheidet er sich dazu, mit Hilfe seiner Freunde Costa und J.B. eine fette Party zu schmeißen. Sie möchten in der Schule beliebt werden und bei den Mädels gut ankommen. Kurzerhand machen sie überall Werbung für den kommenden Abend, nichtsahnend, dass später hunderte von Jugendlichen auftauchen, welche die Feier in ein Chaos stürzen.

Ist es wirklich so cool, was uns der Film vermitteln möchte: Auf eine Party zu gehen und die Sau raus zu lassen, egal um welchen Preis? „Project X“ wird sicherlich seine Fans finden, generell sollte man von dem Machwerk aber auf jeden Fall abraten. Frauen werden als Lustobjekte dargestellt, Nachbarn von den kleinen Kiddies zusammengeschlagen, nur weil sie gerne ihre Ruhe hätten und zu allem Überfluss wird dieses Macho-Gehabe auch noch heroisiert. Klar, es soll ja der ultimative Partyfilm sein. Man kann aber auch den ultimativen Porno drehen, der, abgesehen vielleicht von dem gelungenen Found-Footage-Stil, nichts außergewöhnlich Spannendes zu bieten hat.

Was macht eine schlechte Komödie aus? Auch das lässt sich anhand von „Project X“ leicht beantworten. Es scheint wohl für manche immer noch lustig zu sein, mit Tieren seine Späßchen zu treiben. Es scheint immer noch cool zu sein, jemanden kurze Zeit als Tod darzustellen, um ihn im nächsten Moment zu feiern, wie meisterlich er einen Sprung vom Dach überlebt hat. Und bei Witzen über Gnomen hätte man sich wohl auch lieber „Brügge sehen… und sterben“ als Vorbild nehmen soll, denn einen Gnom in einen Ofen zu sperren ist schon lange nicht mehr amüsant, sondern einfach nur peinlich und einfallslos.

„Project X“ ist im Grunde genommen nichts anderes als ein 88-minütiges Youtube-Video eines Freaks, der sich viel zu wichtig nimmt, nur dass man bei demjenigen vielleicht noch lachen kann, wohingegen die lauthals versprochenen What-the-fuck-Momente in Nima Nourizadehs Regiedebüt ausbleiben. Die Dialoge sind ein Graus und die Musik könnte nicht schlechter gewählt sein, so dass sogar der nervige „American Pie“-Song seine Verwendung findet. Ansonsten hat der Film bis auf möchte-gern provokante oder unrealistische Szenen (Kinder als Security, come on?) rein gar nichts zu bieten. Hatten die überhaupt so etwas wie ein Drehbuch zur Hand?

Es gibt sicherlich Schlimmeres als „Project X“, denn zumindest Tempo besitzt der Film, das muss man ihm lassen. Auch sind die Protagonisten viel besser gecastet als in vielen anderen Highschool-Komödien. Viel mehr Positives kann man dem Film allerdings nicht abgewinnen. Neben der Heroisierung der Taten und seiner amoralischen Botschaft, dass man eine solche Party schmeißen muss, um vom Vater und der Freundin akzeptiert zu werden, bleibt auch nicht viel, über das man berichten könnte.

Es ist eben ein Nerd-Video in Spielfilmlänge, welches sich zwar zu keinem Moment zu ernst nimmt, aber aufgrund der Zielgruppe, die der Film anspricht, als fragwürdig einzustufen ist. Jugendliche, die Autos in Pools fahren, bereits mit Drogenhändlern in Kontakt sind und trotz ihrer Dummheit als Helden gefeiert werden. Wie viele Kinder und Jugendliche diese sogenannten „Späße“ künftig nachahmen werden, interessiert mich auch nicht, denn es ist schon schlimm genug zu wissen, dass sie es tun werden.

12 Comments

  • Meine Kritik (die hoffentlich noch im Laufe des Tages beim Manifest online geht) fällt noch ein bisschen negativer aus, aber schön zu sehen, dass ich nicht der Einzige bin, der den komplett amoralisch fand und total daneben fand.

  • Ich bin kein Typ der Großen Worte aber die Zielgruppe des Films sind ja natürlich mal die Jugendlichen und junge Erwachsene, doch trotz all der schlechten Kritiken is dieser Streifen 10 mal besser als Superbad der durchaus gute Kritiken Bekommen hat. Ich kann nur sagen jeder sollte mal in seinem Jungen Alter sowas durchgemacht haben das ist eine Erfahrung die mann einfach machen muss,besser als die typen die noch nie ein schluck alk oder noch nie gekifft haben und sich dann mit 30 total abschießen!!

  • „Project X“ bannt den Spaß am Chaos auf die Leinwand. Er überlässt es dem mündigen Zuschauer, seine Schlüsse daraus zu ziehen, anstatt ihm eine platte „Partys können gefährlich sein“-Botschaft an die Stirn zu klatschen. Sicher könnte der Film von Jugendlichen falsch interpretiert werden – dann hat aber der Jugendschutz versagt und nicht der Regisseur.

    • „Spaß am Chaos“, wenn ich das schon lese. Warum macht Chaos überhaupt Spass? Nicht mal darauf versucht der Film eine Antwort zu geben, und du hast mit Sicherheit auch keine darauf, denn warum sollte das auch Spass machen. Und ansonsten ist es nicht die Schuld des Jugendschutzes, denn ein Film sollte ohne den Einfluss der Jugendfreigabe bewertet werden, weil die FSK rein gar nichts über die Qualität aussagt.

      • Warum macht Chaos überhaupt Spaß? Genauso gut könnte man fragen warum Achterbahn fahren Spaß macht. Es ist eben einfach so. Und es ist immernoch besser, sich seine eigene Meinung über etwas zu bilden indem man es selbst erlebt und genau das finde ich an dem Film so gut umgesetzt: Wenn man genau nachdenkt, fällt einem auf, dass der Film größtenteils ohne moralische Wertung des Regisseurs abläuft (ob gewollt oder ungewollt). Man sieht lediglich die Reaktionen der fiktiven Feiernden, die realitätsnah ist, denn nahezu jeder Jugendliche in Feierlaune wäre bei einer so ablaufenden Party gut gelaunt. Und somit liegt es am Zuschauer, ob er das jetzt absolut geil findet, oder eben amoralisch. Nackte Brüste sind hierfür natürlich wieder mal das Paradebeispiel, weil entblößte Frauen ja auch definitiv was schlechtes sein müssen. Wenn Frauen sich freiwillig entblößen und dabei genauso viel Spaß haben wie die auf der Party anwesenden männlichen Besucher, dann kann man zwar sagen, dass das gegen die eigenen Grundsätze verstößt, aber nicht, das es gegen die Grundsätze der Betroffenen verstößt. Es zwingt einen ja niemand, das nachzuahmen und es sagt einem auch niemand, das man dass jetzt toll finden muss. Wer mit so etwas nicht umgehen kann, weil in seinem Kopf nur Platz ist für ein einziges Menschenbild, wie jeder Mensch zu sein hat, der hat Pech gehabt. Jedem das seine.
        Natürlich ist der erste Gedanke eines Jugendlichen (die klar die Zielgruppe darstellen):“Wow, da würde ich auch gern dabei sein.“ Trifft auch für mich zu. Aber sieht man, wie gegen Ende alles eskaliert, so wirft das eben diese Frage auf, ab wann ist es zu viel, ab wann ist die Grenze überschritten, ab wann hat der Spaß einen zu hohen Preis. Sicher kann so eine Party außer Kontrolle geraten (wie es im Film der Fall ist und was auch nicht verharmlost wird, siehe u.a. den Hausbesitzer Thomas, der gegen Ende einfach resigniert und ihm alles egal ist), also sollte man versuchen, den Film nicht als „Dieser Film hat eine klare Botschaft – Film“, sondern eher als simulierte Dokumentation sehen. Ich muss zwar ehrlich gestehen, dass es dem Regisseur teilweise nicht komplett gelungen ist, aber im großen und ganzen doch erstaunlich gut. Klar sagen die Figuren „Hammer-Party, das beste was ich je erlebt hab!“, denn genauso würde es ja auch in echt ablaufen. Man sieht auch die Nachbarn, die Polizei, die Leute, die von der Party nicht begeistert sind, und auch deren Reaktion ist realistisch. Wer jetzt meint, ich wolle den Film als absolut perfekt umgesetzte moralische Fragestellung vorzeigen, versteht mich falsch, natürlich ist der Film in erster Linie als „etwas primitive Komödie für Jugendliche“ gedacht, aber wer ihn aufgrund seiner eigenen Auffassung als amoralisch empfindet und ihn deshalb als schlechten Film abtut, macht es sich meiner Meinung nach etwas zu einfach. Sicher ist der Film kein Meisterwerk, aber das was er will, macht er genau richtig. Den Soundtrack fand ich übrigens auch sehr passend und wundere mich, warum der permanent als schlecht betitelt wird.

        „Jugendliche, die Autos in Pools fahren, bereits mit Drogenhändlern in Kontakt sind und trotz ihrer Dummheit als Helden gefeiert werden.“

        Der Satz hat mich auch angesprungen. Warum werden sie gefeiert? Weil es eben die Realität ist. Trotzdem besitze ich genug Urteilsvermögen (was scheinbar aber nicht auf jeden zutrifft), um für mich selbst zu sagen, dass ich Drogenhandel falsch finde, und die Jugendlichen nicht wegen ihrer Dummheit feiere, sondern der Situation wegen, die daraus entstanden ist: Sicherlich hat der Junge eine geile Party gefeiert, denn es war eben so. Sicherlich hat auch der Junge aus Dummheit sein Haus zerstört und trägt nun die Konsequenzen, wofür er nicht gefeiert wird. Und wenn der Kritiker den Film tatsächlich vorurteilslos gesehen hätte, wüsste er, das kein Jugendlicher den Wagen in den Pool gesteuert hat.

        Ich seh schon, der Film spaltet die Generationen. Man mache sich sein eigenes Bild!

      • „Warum macht Chaos Spaß?“ Das ist eine individuell zu beantwortende Frage, gilt also nicht für jeden. Genauso, wie nicht jeder gerne Fisch isst oder die Farbe Blau mag. Fakt ist aber: Viele Leute mögen Fisch, viele Leute mögen Blau und viele Leute mögen (Party-)Chaos. Ich glaube, letzteres hat mit dem Spaß am Ausbrechen aus gewohnten Strukturen zu tun, den Jugendliche vermutlich umso stärker empfinden, umso mehr sie sich von diversen gesellschaftlichen Regeln eingeengt fühlen.

        Natürlich sagt die FSK nichts über die Qualität des Films aus. Was ich meinte: Ich lege einem Film nicht zur Last, dass seine Wirkung auf Jugendliche schädlich sein könnte. Der Jugendschutz hat zu Verhindern, dass „Project X“ in die falschen Hände gerät.

        • Korrektur: „… hat zu verhindern,…“

          Fazit: Ich möchte keine Filme, die mir eine Moral mit erhobenem Zeigefinger servieren. Ich bin mündig und kann meine Schlüsse selbst ziehen. Solange nichts verharmlost wird – und das tut „Project X“ imo nicht – habe ich kein Problem.

  • Ich habe den Film erst kürzlich gesehen und bin durch Zufall auf deine Kritik gestoßen. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum du hier den moralischen Zeigefinger so dermaßen hochstreckst. Das heroisieren von nicht ganz regelkonformen Verhalten ist doch im Kino Gang und Gebe. In vielen Filmen werden dem Zuschauer „coole“ Gangster vorgesetzt, die Leute erschießen. Konzequenterweise müsste man dann auch solche Filme verurteilen. Auch hier, völlig zu Unrecht.

    Die Kritik, dass das Verhalten der Jugendlichen vom Film nicht kommentiert oder bestraft wird ist doch erbsenzählerei. Du willst doch nicht wirklich, dass noch im Film der mahnende Zeigefinger gehoben wird und der Zuschauer mit einer Ermahnung nach Hause geht? Wir reden hier ja nicht über eine Gebrauchsanleitung für Parties, sondern einen unrealistischen Partyfilm, der sich bis ins absurde Finale steigert und danach noch schnell die Überreste zu einem Happy-End zusammenflickt. Ich finde, du hast den Film inhaltlich zu ernst genommen.

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