A Single Man (USA 2009) Kritik – Das Nackte hinter der Fassade

„Just get through the goddamn day.“

Das ist alles, was George Falconer an diesem Tag, an dem unsere Handlung ansetzt, möchte. Seit dem Tod seines Lebensgefährten Jim hat er jeden Halt im Leben verloren. 16 Jahre waren sie ein Paar, doch nun wacht der Literaturprofessor jeden Morgen alleine auf. Die Erinnerungen, an die er sich krampfhaft klammert, verblassen immer mehr. Einzige Leere, Einsamkeit, Angst und Alpträume prägen seinen Augenblick. Diesen Zustand will George ein für alle Mal ändern: Daher packt er an diesem Morgen seinen Revolver in die Arbeitstasche, leert sein Bankschließfach aus und stattet seiner Universität einen letzten Besuch ab…

„If it’s going to be a world with no time for sentiment, Grant, it’s not a world that I want to live in.“ meint George anfangs. Man würde wohl auch den richtigen Nerv treffen, indem man „sentiment“ durch „A Single Man“ ersetzt, denn seit „American Beauty“ war ich nicht mehr Zeuge eines Films, welcher in diesem Maße durch seine Schönheit betört und einen mit seiner emotionalen Wucht so locker vom Hocker schlägt.
Erstaunlich ist dabei, wie ernsthaft und düster, und doch mit viel Humor gepaart, dieses Portrait eines alternden, einsamen Homosexuellen, der im Suizid den einzigen Ausweg aus dem Grauen der Existenz sieht, ausgefallen ist. Unglaublich, wieviele treffende Zitate Tom Ford seiner verzweifelten Hauptfigur in den Mund gelegt hat, wie viele unumstößliche Wahrheiten nebenbei ausgesprochen werden und den Zuschauer zum Nachdenken anregen. Ob das nun in einer von George’s Vorlesungen sein mag, in der über Minderheiten, Ängste und andere ergreifende Themen philosophiert wird oder einfach nur in den Erinnerungen an seinen verlorenen Lebensgefährten.
Das vielleicht größte Wunder dieses einmaligen Filmerlebnisses ist es, dass „A Single Man“ weit davon entfernt ist, ein rührseliger Tränendrüsendrücker oder gar ein sprödes Midlife-Crisis-Melodram zu sein. Immer dann, wenn man am wenigstens damit rechnet, blitzt ein sarkastischer, spöttischer Humor auf, der das Geschehen ein wenig auflockert. Szenen, wie die Unentschlossenheit Georges wie er denn Selbstmord begehen soll, haben in mir eine enorme Sogkraft ausgelöst.
Ebenfalls blitzt immer wieder Tom Fords Verbundenheit zu England und sein einzigartiger Geschmack auf. Und der Mann hat definitiv einen großartigen Geschmack! Das sind simple Dinge wie ein riesen Filmplakat von Hitchcocks „Psycho“ im Hintergrund, das Buch „Früstück bei Tiffany“, die Zitierung von Legenden wie Charlton Heston oder James Dean oder auch das Design einer Flasche „Gin Tanqueray“.
Dieses Feuerwerk an Intellekt, Emotionen, Poesie, Humor, Kultur, Geschichte, Kunst, Mode und Literatur wird durch einen klassischen Score, wie ihn nur hätte Beethoven komponieren können und traumhaften Bildern begleitet und wird somit vollends zu einem zeitlosen Kunstwerk vereint.
Was ich wohl noch zum Schluss sagen möchte: Ja der Film erzählt die Geschichte eines Homosexuellen, das tolle daran ist allerdings, dass man diese Geschichte genausogut auf eine Frau-Mann-Beziehung umdichten könnte.
Nun, der Film wird aufgrund des speziellen Geschmacks und der Thematik sicherlich nicht jeden faszinieren, aber das braucht er auch nicht, denn eines ist Gewiss, an diesen Film wird man sich in 100 Jahren noch tot schauen können, was man von gewissen anderen Filmen wie dem „so einzigartigen Avatar“ wohl nicht behaupten kann!

Mit folgendem Zitat von George möchte ich den Film gerne abschließend zusammenfassen : „A few times in my life I’ve had moments of absolute clarity, when for a few brief seconds the silence drowns out the noise and I can feel rather than think, and things seem so sharp and the world seems so fresh. I can never make these moments last.“

 

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