Kritik: Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht (US 2015)

Star Wars
© The Walt Disney Company Germany GmbH

„As long as there’s light we’ve got a chance“

Das Warten hat ein Ende. Nach über zwei Jahren der Ankündigungen, Spekulationen und Vorfreude startet mit „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ endlich das nächste Kapitel der Sternen-Saga in den deutschen Kinos. Und wenn man sich JJ Abrams‘ („Star Trek Into Darkness“) Liebesbrief an das Franchise so ansieht, könnte man fast meinen, es sei der erste neue Eintrag seit 1983.

Von Anfang an zeigt sich Regisseur Abrams geschichtsbewusst. Vom obligatorischen Opening-Crawl über John Williams‘ Fanfare bis zu der Tatsache, dass selbstverständlich ein Sternenzerstörer ins Bild fliegen muss: Es soll wirklich niemand sagen können, er wusste nicht, dass er sich in einem Star-Wars-Film befindet. Und doch gelingt es dem siebten Eintrag nicht nur im verwehten Nachruhm des Originals zu schwelgen. Zu niemandes Überraschung hat Episode VII einen deutlich hangemachteren Look als die 2000er Trilogie. Man muss den Hut ziehen vor so viel Detailliebe, die Szenen wimmeln nur so vor verspielten Alien- und Droiden-Designs. Auch die Drehorte sind fantastisch gewählt, wobei es sicherlich kein Zufall ist, dass wir uns auf einem Wüsten-, Eis- und Waldplaneten wiederfinden.

Soviel Liebe für die Original-Trilogie da ist, so verzweifelt versucht „Das Erwachen der Macht“ Abstand zwischen sich und die Prequel-Trilogie zu bringen. Wenn das Star-Wars-Franchise eine Familie ist, dann sind Episode I bis III der kauzige Cousin, der auf Facebook YouTube-Videos über „Chemtrails“ teilt und von dem man insgeheim hofft, dass möglicherweise doch kein Blutsverwandter an der Zeugung beteiligt war. Verweise auf Lucas‘ größtenteils verpfuschte Vorgänger-Filme sucht man vergebens, allenfalls C-3POs Hinweis, dass er sich mit Prinzessinnen auskennt könnte dem Zuschauer ein wissendes Lächeln entlocken. Glücklicherweise aber sind Bezüge dieser Art organisch in das Sequel eingewoben und ergeben sich meist aus der Handlung. Auch wenn sich Abrams und Co. den ein oder anderen allzu frappanten Fingerzeig nicht verkneifen können. So fühlt es sich an als wäre eine eher überflüssig wirkende Action-Sequenz an Bord eines Frachtschiffes eher um Han Solos Zeile „I’ve got a bad feeling about this“ herum geschrieben worden als anders herum.

Besonder die erste Stunde von „Das Erwachen der Macht“ weiß zu überzeugen. Selbst Harrison Ford, in den letzten Jahren eher als gelangweilter Grüßaugust von Film-Set zu Film-Set geschlurft, scheint so etwas wie Respekt für seine Arbeit wiedergefunden zu haben. Möglicherweise liegt es an der dankbaren Weise, wie Han Solo das Tempo der Geschichte vorgibt, sobald er die Szenerie betritt. Dabei muss sich der pfiffige Graufuchs nicht nur mit der ungewohnten Vaterrolle für Rey und Finn arrangieren, er ist gleichzeitig der verschmitzte Doyen des Franchises, und Ford dabei zuzusehen macht einfach unheimlich viel Spaß. Willkommen zurück, Harrison, wir haben dich vermisst! Bei aller Nostalgie setzt Episode VII hier einen Charakterbogen fort, der schon von vornherein in der Figur des abgefeimten Schmugglers angelegt zu sein schien. Es liegt in Han Solos Natur vor Konflikten zu fliehen und sich nach Möglichkeit durch Trickserein aus der Affäre zu ziehen. Dies ist ihm nun endlich nicht mehr möglich und es beschert dem Charakter eine neue, nicht gekannte Tiefe, dass er damit umzugehen lernen muss. Ein Verdienst, das man sicher „Toy-Story-3“-Autor Michael Arndt anrechnen kann, von dem der erste Drehbuchentwurf stammt.

Aber auch das Debüt der neuen Charaktere glückt. Tatsächlich liegt hier die andere große Stärke von „Force“. John Boyega („Attack the Block“) ist ein Ursympath mit tadellosem komödiantischen Timing, der Brite brilliert mit einer charmanten Jedermann-Qualität, die ihn zu einer Identifikationsfigur werden lässt und dennoch nicht zu viel über den Charakter festlegt. Man kann nur hoffen, dass er für Episode VIII und IX unterschreibt. Auch Newcomerin Daisy Ripley meistert ihre Aufgabe, die Wandlung ihres Charakters glaubhaft zu machen, bravourös. Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis“) seinerseits legt als Piloten-Ass Poe Dameron ungeahnte Leading-Man-Fähigkeiten an den Tag. Auch hier kann man nur auf eine größere Rolle in der Zukunft hoffen, atmet sie doch eindeutig den spitzbübischen Charme eines jungen Han Solo. Mit dem kleinen Ball-Droiden BB-8 (Stimmberater: Bill Hader) wiederum hat das Franchise seinen liebenswertesten Zuwachs seit R2-D2 erhalten.

Wo „Das Erwachen der Macht“ schwächelt, ist die eigentliche Handlung, welche in Sachen Struktur nicht aus dem Schatten seines Vorläufers von 1977 treten kann. Allzu deutlich spiegelt sich Lukes Bogen in Reys Geschichte wieder, zu sehr ist die Starkiller-Basis nur ein Todesstern-Abklatsch (was allerdings auch nicht ganz unkommentiert bleibt). Gerade in der Mitte verliert die Story zudem spürbar an Fahrt und ergeht sich in gespreizter Exposition und bereits erwähnter Action-Sequenz. Auch drei der vier Bösewichte des Films wirken mitunter trocken und eindimensional. „Girls“-Star Adam Driver setzt die Zerrissenheit seines Charakters zwar adäquat um, er vermag es in einer Szene sogar richtig zu glänzen, insgesamt wirkt Kylo Ren aber weniger wie eine Bedrohung als viel mehr wie ein grundlos rebellierender Jugendlicher. Etwas, das sicherlich in den Fortsetzungen zur Entwicklung der Figur beitragen wird, als Zuschauer fremdelt man dennoch mit der weinerlichen Art des Fieslings.

Der Inszenierung merkt man derweil die Achtung vor dem Material an. JJ Abrams begegnet „Star Wars“ mit deutlich mehr Respekt als er es bei „Star Trek“ tat, mit dessen 2009er Generalüberholung er sich eindrucksvoll um den Posten bei Episode VII ins Gespräch brachte. Nicht umsonst wird Abrams in Fan-Kreisen gerne die „Starwarsisierung“ Star Treks vorgeworfen. Allerdings sind die Voraussetzungen gänzlich andere. Während Gene Roddenberrys angestaubte Weltraum-Saga einer dringenden Frischzellenkur bedurfte, sucht man Wackelkamera und Lense Flares in „Das Erwachen der Macht“ größtenteils vergeblich. „Star Trek“ (2009) war ein JJ-Abrams-Streifen im Trek-Universum, Episode VII ist ein „Star-Wars“-Film von JJ Abrams. Und das ist schon gut so, dennoch hätte der Regie etwas mehr Persönlichkeit wohl nicht geschadet.

Fazit: „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ ist ein gelungener Auftakt für die Sequel-Trilogie. Der Boden für Episode VIII und IX ist bereitet. Ist er ein perfekter Film? Nein. Ist er ein perfekter Star-Wars-Film? Nicht ganz, aber dennoch versprüht er mehr das Gefühl eines Neubeginns als man das von einem siebten Teil erwarten dürfte.

2 Comments

  • Sorry, aber ich kann der Kritik zu diesem Machwerk, beim besten Willen nicht folgen.
    Zu schwach die Handlung, das einfach nur ein schwaches abkupfern des Originals ist und nichts neues bietet. Die Dialoge sind einfach, nichtssagend und völlig seelenlos. Dieser Film ist einfach nur eine Frechheit und eine schallende Ohrfeige für jeden Star Wars Fan und stellt seine Intelligenz infrage.
    Da setzt eine Zivilisation der Stufe II (First Order) einen ganzen Planeten als Waffe ein, das muss man sich nur einmal vorstellen, der Umbau eines kompletten Planeten, wo dann ein Großteil der Energie der Sonne des Systems, entzogen wird, um damit die Waffe des Todesplaneten
    zu speisen. Das alles wird innerhalb von nur 40 Jahren auf die Beine Gestellt? Völlig verrückt, und die ehemaligen Rebellenarmee, die ja nun eine Armee der neuen Republik ist, fliegt weiterhin mit solchen Schrottmühlen durch die Gegend und hat nichts vergleichbares dem entgegen zu setzen? Selbst für ein Weltraummärchen ein Unding.
    Die Figuren bis auf Fin, wirken allesamt blass und ausdruckslos, wie dahingeklatscht.
    Ne, die nächste Episoden, werde ich mir bestenfalls über CD anschauen und wenn der genau so Hirnlos ist, dann haben sich die anderen Episoden, die da noch kommen werden, für mich komplett erledigt.

  • Jedi979

    Warum sieht keiner, dass Episode 7 furchtbar war?

    Achtung: Spoiler

    Eigentlich wollte ich nichts dazu schreiben. Nachdem ich so viele positive Meinungen zu dem Film gelesen habe, befürchte ich, dass es sowieso keinen Sinn hat. Aber ich muss es trotzdem einmal sagen, denn es tun so wenige. Viel zu Wenige.

    Ich sage es ganz offen: Ich war entsetzt von Episode 7. Und das bestimmt nicht wegen der Anleihen, die den Film hin und wieder wie ein Remake bekannter Star Wars Szenen wirken lassen. Es ist offensichtlich, dass es weitaus kreativere Ansätze im Star Wars Universum gab. Seien es diverse 80er und 90er Bücher und Comics oder auch Videospiele. Aber ansatzweise ein New Hope Remake geboten zu bekommen ist eigentlich noch okay für mich. Dritter Todesstern, zweite Yavin 4 Basis, dritter Angriff auf den Todesstern, zweites Alderaan, neues Imperium, neuer Imperator etc. stecken kreativ definitiv hinter Mara, Thrawn, Jedi Akademie und co. zurück, sind aber für mich noch akzeptabel, wenn die Story des Films wenigstens stimmen würde. Die stimmt aber nicht. Und zwar geht es in erster Linie um ganz bestimmte Aspekte, die keiner so richtig mit dem nötigen bisschen Schock und Entsetzen zu sehen scheint. Einer davon ist Han Solos Tod durch seinen eigenen Sohn. Ich weiß, ich weiß. In der Generation Games of Thrones ist das ja nicht unübliches und wird als ganz normal angesehen. Aber Star Wars ist nicht Games of Thrones. Star Wars war einmal ein Sci-Fi Märchen der 80er Jahre. Etwas, das sowohl von Kindern als auch Erwachsenen genossen werden konnte. Etwas, worauf man den Namen „Disney“ hätte jederzeit drauf schreiben können. Bei Episode 7 von Abrams steht es allerdings das erste Mal wirklich drauf, nur ist es diesmal nicht drin. Nicht ansatzweise wird dieser Film Disney oder George Lucas alter Saga gerecht.

    Gehen wir zurück zu dem Film. Ich liste mal all die Sachen auf, die mir negativ auffallen:

    Wir erfahren in dem Film, dass all das, was in der Original Trilogie geschehen ist, sinnlos war. Komplett sinnlos. Die Rebellion hat bei Endor gewonnen? Ja und wofür? Das noch schlimmere Typen kommen und alles wieder von vorne anfängt? Warum haben Han, Leia und Luke bitte versucht das Imperium zu stoppen? Was hatten sie davon? Han und Leia haben – weiß der Teufel warum – ein Satanskind zur Welt gebracht. Eine Erklärung dafür gibt es nicht (wie bei so vielen Sachen in diesem Film). Wir sollen also akzeptieren, dass Han und Leias Kind böse ist, weil… ja, genau… warum? Weil Han und Leia so schlechtes Erbgut haben? Weil Han und Leia sich nicht gut genug drum gekümmert haben? Weil Luke so ein miserabler Lehrmeister ist? Weil Snoke – wer auch immer das ist – so überzeugend ist? Warum zum Teufel ist das Kind böse?! Es liegt kein ersichtlicher Grund vor außer verdammt schlechter Abrams Fanfiktion. Aber nun gut. Dann haben sie ein böses Kind, weil einem ja anscheinend sonst kein besserer Bösewicht einfällt. Sie nennen es auch noch Ben. Was allein schon wieder völlig idiotisch ist. Wenn einer sein Kind Ben genannt hätte, dann wohl Luke (was er im alten Legenden Universum ja auch tut). Han hielt Ben Kenobi für einen alten Spinner. Leia kannte ihn nur als Obi-Wan aus Geschichten von Bail und hat ihn noch nicht mal persönlich getroffen. Aber Ben ist der erste Name, der ihnen für ihr Kind einfällt… Kein Kommentar. Dieses Kind also zerstört Han und Leia Beziehung. Etwas, worauf die Original Trilogie aufgebaut hat, worauf Han und Leias Charakterbogen aufgebaut haben. Harrison Ford hat immer beklagt, dass Han Solo keine Charakterentwicklung hätte. Der Film schafft es seine Charakterentwicklung in einem Schlag völlig zurückzustufen vom verantwortungsbewussten Rebellen General und zukünftigen Ehemann zum unverheirateten Schmuggler. Nur in einer deprimierenderen, abgewrackten, hoffnungsloseren Variante. Leia wird zur verbitterten Generälin, die ihr Kind verloren hat und auch mit allem Anderen abgeschlossen hat. Und Luke? Luke kriegt den aller unlogischsten und idiotischsten Part: Er ist gar nicht da. Er ist nämlich genauso deprimiert und frustriert wie Han und Leia, weil sein aus-irgend-einem-nicht-erklärbaren-Grund böser Neffe seine Akademie zerstört hat. Und dann geht Luke Skywalker ins Exil und gibt sich und die Galaxie auf – der Held der Rebellenallianz, derjenige, der einst sein Training abbrach, um seinen Freunden zur Hilfe zu eilen und niemals aufgegeben hat und fest an sich und seine große Aufgabe geglaubt hat. Dieser Held hat aufgegeben. Ganz davon zu schweigen, dass es eine weitere traurige Entwicklung ist, ist es absolut unglaubwürdig und nur eine schlechte Entschuldigung, dass Abrams und Kasdan anscheinend keinen Plan hatten, wie sie Luke sinnvoll in den Film einbauen. So. Und wer jetzt nicht anfängt zu sehen, dass in dem Film etwas falsch läuft, dem ist nicht mehr zu helfen.

    Alle drei ehemaligen Helden sind zu deprimierten Versagern geworden, die allesamt ein dreckiges, elendes Leben geführt haben, nachdem wir sie das letzte Mal fröhlich und glücklich ihren Sieg auf Endor feiern sahen. Ich für meinen Teil bin damit nicht einverstanden. Aus mehreren Gründen. Erstmal ist das eine furchtbare Botschaft: Was soll das denn bitte sagen? Früher einmal sagte die alte Trilogie aus, dass es immer Hoffnung gibt. Die Botschaft war, dass die Helden sich dem Bösen entgegenstellen müssen um am Ende sicherlich über das Böse triumphieren. Episode 7 dagegen zeigt, dass es ein großer Fehler war, überhaupt irgendetwas gegen das Imperium zu unternehmen. Alle drei alten Hauptcharaktere haben als Dank für ihren Mut ein schreckliches Leben erhalten. Die Schlussfolgerung, die man aus Episode 7 ziehen muss, ist, dass Luke besser Feuchtfarmer geworden wäre, Han Solo Schmuggler geblieben und Leia besser fröhlich als Senatorin gelebt hätte, statt sich der Rebellion anzuschließen. Wir haben schließlich 2016. Zahlt sich heutzutage anscheinend nicht mehr aus wie in den 80ern ein Held zu sein.

    Das zweite Problem ist, dass Episode 7 das Happy-End von Episode 6 mit Füßen tritt. Wie soll man sich bitte noch Rückkehr der Jedi Ritter anschauen (allein der Titel impliziert ja etwas, was durch Episode 7 gar nicht stattgefunden hat) ohne dass man an all das Furchtbare denkt, was auf die Helden zu kommt? Wie kann man noch in Ordnung damit sein oder sich für Luke, Leia und Han freuen? Und Nein – man muss das Happy-End von Episode 6 nicht zerstören um eine neue Bedrohung oder neue Probleme in der Galaxie auftauchen zu lassen. Neue Konflikte können in der Galaxie immer wieder entstehen, aber dafür muss man nicht alte Geschichten entwürdigen. Timothy Zahn, Kevin J. Anderson und viele andere Autoren der 80er und 90er Jahre haben gezeigt wie es geht, ohne die alte Trilogie zu versauen. Man muss Han, Leia und Luke kein furchtbares Leben geben. All das war absolut nicht notwendig. Und trotzdem hat Abrams es getan. Wenn man nur Mist mit den alten Charakteren baut, sollte man sie gar nicht erst zurückholen. Man kann den Stab auch an die neue Generation überreichen ohne die alte Generation wie Dreck zu behandeln.

    Aber das Furchtbarste kam ja erst noch: Han Solo stirbt. Aber nicht durch irgendeinen heroischen Tod oder ähnliches, was man, wenn man Harrison Fords Einstellung zu Solo kennt, ja bereits befürchten konnte. Aber nein, so eine Art Tod wäre ja zu harmlos für das Jahr 2015 – Han stirbt durch seinen Sohn. Diese Tatsache ist so schlimm – selbst wenn es nicht Han Solo wäre, könnte ich es kaum fassen. Da steht ein armer, hilfloser, alter, völlig verzweifelter Vater, der seinem Sohn helfen will, bettelt und fleht diesen an zu Sinnen zu kommen und wird von seinem Sohn gnadenlos und auf hinterhältigste Weise hintergangen und umgebracht. Einem Sohn, der in keinster Weise mehr als interessanter oder cooler Bösewicht angesehen werden kann, sondern einfach nur eine arme, richtig schlimm geisteskranke Figur ist. Dieser psychisch kranke Sohn tötet eine Star Wars Ikone, einen Kindheitshelden. Er hätte genauso gut Mickey Maus umbringen können… Eine furchtbarere Szene als diese Stelle ist kaum vorzustellen. Niemand, NIEMAND kann mir sagen, dass das noch etwas mit dem alten Star Wars zu tun hat. Früher einmal ging es in Star Wars um Hoffnung, um Abenteuer, um Heldentaten und gute, POSITIVE Spiritualität. Star Wars hatte eine märchenhafte Magie, etwas ganz ganz Gutes, was dieses – man kann es nicht genug erwähnen – kinderfreundliche Epos umgab. Es war spaßig, mitreißend und emotional. Aber niemals auf eine fiese Art und Weise, sondern immer mit einem hoffnungsvollen, positiven Unterton. Ein psychisch kranker Sohn, der seinen eigenen, flehenden, besorgten Vater kaltblütig umbringt – der zudem noch unser aller Kindheitsheld Han Solo ist – ist etwas, was nicht in dieses einstige Abenteuer Märchen gehört. Es ist nicht nur schockierend und entsetzend, es ist so „dark“ und „gritty“, dass es schlichtweg widerlich ist. Wo ist der Aufschrei? Wo ist die Kritik? Sind etwa alle Star Wars Fans von damals so sehr durch Games of Thrones und Ähnliches verdorben, dass es keinen mehr auf die Barrikaden bringt? Das sind immerhin Han, Leia und Luke. Die meisten Kinder der 80ger und 90ger wuchsen mit diesen Figuren auf, hatten Spielzeug von ihnen, waren begeistert von ihren Abenteuern und liebten deren Geschichte. Man kann fast sagen, dass Han, Leia und Luke für all die Star Wars Fans doch so etwas sein müssten wie alte Freunde. Und will wirklich jemand sehen wie diese alten Freunde das schlimmste Schicksal überhaupt erleiden? Wie sie leiden und zugrunde gehen und damit die alte Trilogie ihre Magie verliert? Ich kann nicht im Geringsten verstehen wie Abrams – der diese Filme auch als Kind gesehen hat – so etwas mit den alten Figuren tun konnte. Noch weniger verstehe ich, wie es keinen interessiert. Geschweige denn wie dieser Film an Kinder vermarktet werden kann. Es sollte auch mal angemerkt werden, wie sehr die Kinder dadurch abstumpfen werden. Kylo Ren Kostüme werden verkauft und jedes Kind spielt dann den irren Psychopathen, der seinen Vater Han Solo umbringt und denkt, dass es ein toller Bösewicht wäre. Malbücher und Erstlesebücher werden zu dem Film verkauft. Hallo, geht es noch?! Ich bin jetzt über zwanzig und erinnere mich noch daran, wie ich mit fünf Jahren die alte Trilogie sah. Ich fand sogar Das Imperium schlägt zurück anfangs als zu dunkel. Bei Abrams seinem Film wäre ich wahrscheinlich traumatisiert gewesen. Die Kinder von heute sind auch nicht mehr das, was sie mal waren…

    Aber nun gut. Das ist er also: Der große Episode 7 Film von Abrams. Der übrigens schon im April überall im Internet stand. Trotz der großen Geheimhaltung. Ich – und auch viele andere, besonders in den englischen Foren – hatten bis zum Ende gehofft, dass diese Spoiler nicht stimmen. Luke ist nicht im Film? Nie im Leben, hat man gesagt. Abrams würde die Chance nicht vergeigen, Han, Leia und Luke wiederzuvereinigen. Und doch hat er es getan. Man muss es sich mal vorstellen. Er holt die alten Schauspieler zurück, gibt ihnen aber keine einzige gemeinsame Szene. Sonst haben wir NUR Nostalgie. X-Wings, Sturmtruppen und sogar ein Todesstern (mehr oder weniger). Schon wieder ein Todesstern! Alles da. Aber für die gemeinsame Szene war keine Zeit. Das ist dann wohl zu viele Nostalgie, oder Herr Abrams? Statt der Wiedervereinigung ist Luke gar nicht da. Auch das haben viele bis zum Ende nicht geglaubt. Es gäbe dutzende von Möglichkeiten Luke Skywalker sinnvoll in den Film einzubauen und Abrams und Kasdan degradieren ihn zum Versager, der im Film kein Wort sagt, eine Minute gezeigt wird und irgendwo rumsitzt, statt seinen Freunden zu helfen. Und die Erklärung muss man sich auch wieder einmal selbst basteln. Wo wir schon mal bei Erklärungen sind: Monatelang hat man bei den Spoilern herumgerätselt, wer Rey sein könnte. Lukes Tochter? Han und Leias Tochter? Der Film sollte angeblich Klarheit schaffen. Fehlanzeige. Abrams sieht es anscheinend nicht als notwendig an, irgendetwas in seiner schlechten Fanfiktion zu erklären. Wenn sie tatsächlich Lukes Tochter sein sollte, kann ich nur wieder schreien: WAS?! Wie zum Teufel hat Luke Skywalker sein Kind verloren? Der wahrscheinlich mächtigste Jedi aller Zeiten spürt nicht, dass sein Kind am Leben ist, oder hat anscheinend kein Interesse sich um dieses zu kümmern, weil er ja sooo frustriert ist? Bitte?! Dasselbe gilt übrigens für seinen Neffen. Der Luke Skywalker der alten Filme hätte alles getan, um seinen Neffen wieder zur hellen Seite zu bringen. Egal was dieser getan hat. Er hätte es allein schon für seine Schwester und seinen besten Freund Han Solo getan. Stattdessen lässt er sie alle im Stich und verkriecht sich in einer Höhle. Sieht denn keiner, dass in diesem Film ein Schwachsinn nach dem Nächsten folgt? Aber nun gut. Ob Rey nun Lukes Tochter ist, wird ja nicht gesagt. Ich befürchte aber, dass das der nächste Gipfel des Unlogischen ist, den Abrams den Zuschauern verkaufen möchte. Zurück zu den Spoilern: Dann war da noch der Han Solo Spoiler. Natürlich haben einige fest dran geglaubt, dass der Han Solo Spoiler eine Täuschung wäre. Natürlich – wie bei all den anderen Sachen – war es keine Täuschung. Ich zog seit April in Betracht, dass es stimmen könnte. Zwar las ich von einigen Fans, die ähnlich darüber dachten wie ich, dass es doch niemals wahr sein könnte. Viel zu dunkel, sagten sie. Abrams würde die Spoiler extra ins Internet setzen. Making Starwars ist von ihm dazu beauftragt. Abrams täuscht uns alle, damit wir im Kino überrascht sind. Luke kommt bestimmt und rettet Han. Erneut Fehlanzeige! Der ganze Film war draußen. Und es ist nahezu lächerlich, dass Abrams und Disney monatelang so eine große Geheimhaltung gemacht haben um etwas, was seit April 2015 im Internet steht.

    So schlimm, wie die Han Solo Szene dann schließlich im Film war, hab ich es mir trotz Vorwissen ehrlich gesagt nicht einmal vorstellen können. Und alle finden diesen Film gut. Kritisiert wird nur, dass er zu „retro“ wäre. Ich habe auch mal gelesen, dass er zu „lustig“ wäre. Ist klar: gleich zu Beginn des Films wird ein ganzes Dorf grundlos abgeschlachtet, nur weil die böse First Order ja sooo böse ist und der Zuschauer auch bloß merken soll wie böse böse diese (angeblich so komplexen und vielschichtigen) Bösewichte sind. Dann haben wir Leia als gebrochene Frau, die für all ihre Bemühungen das Imperium zu stoppen damit belohnt wurde, dass die Galaxie schlimmer dran ist als zuvor. Ihr Bruder ist abgehauen, ihr Kind böse, aus Kummer und Schmerz hat sie sich von ihrem Mann getrennt und dieser wird auch noch von ihrem Sohn umgebracht. Spätestens als sie kurz danach in der Kontrollzentrale zusammenbricht, kann man doch nur noch den Kopf schütteln und sich fragen, was Abrams der tapferen, niedlichen Prinzessin von damals angetan hat. Als nächsten haben wir den verzweifelten Han, der seinen Sohn retten will und schließlich von seinem Sohn getötet wird, weil der ja auch so böse böse ist. Und dann ist da noch Luke, der mehr oder weniger nicht vorhanden ist und vom Helden der Galaxie zum kompletten Versager wurde – lustiger Film, wirklich. Man hat das Gefühl, Abrams und Kasdan haben sich überlegt „Wieviel Tragik kann man in 2 Stunden unterbringen?“ Oder besser noch: „Um den Film so traurig, schlimm und verzweifelt wie möglich zu machen, müssen wir versuchen alle Charaktere so unlogisch wie möglich agieren zu lassen, denn ansonsten wäre das gar nicht möglich. Wie viel Unlogik kann der Zuschauer verkraften?“. Man kann BB8, Rey und Finn noch so witzige Dialoge und Szenen geben – Das gleicht aber nicht den furchtbar schrecklich traurigen Subplot aus, der im Hintergrund das tragische Schicksal unserer alten Helden behandelt. „Lustig“ ist der Film definitiv nicht. Einer von den Kritikern wollte sogar John Williams Musik kritisieren, die wie immer großartig ist und an dem Film vergeudet wird.

    Keiner, kein einziger scheint zu sehen, was wirklich falsch in diesem Film läuft. Wir haben großartige Musik, geniale Spezialeffekte und tolle Bilder. Die Schauspieler, alt und neu, sind auch alle großartig (besonders Daisy Ridley ist wundervoll). Nur leider werden Musik, Spezialeffekte und Schauspieler an ein Skript verschwendet, das einer schlechten, billigen, unlogischen Fanfiktion gleicht, die von jemandem geschrieben wurde, der eine ganz besonders fiese Fantasie hat und mit dieser Star Wars zerstört und George Lucas alte Saga mit Füßen tritt. Eine unwürdigere Fortsetzung für ein zeitloses Märchen hätte es nicht geben können. Ich (und ich bin da sicher nicht alleine) wollte noch einmal ein spaßiges Abenteuer mit Luke, Leia und Han sehen. Leia und Han, die zusammen sind und nach ihrem langen Kampf gegen das Imperium ein glückliches Leben hatten. Ich wollte den Luke von damals sehen. Ein Luke, der etwas erreicht hat. Der eine Jedi Akademie eröffnet hat, der Yodas und Obi-Wans Erbe fortgeführt hat, der tatsächlich im Film anwesend ist und in einer grandiosen Kampfszene zeigt, was er für ein cooler Jedi Meister geworden ist. Und vor allen Dingen wollte ich sehen, wie die Drei ein letztes Mal zusammen sind und es ein einziger Spaß ist sie wieder so zu sehen. Wie früher. Wie sie waren. Helden. Keine abgewrackten Existenzen, für die man nur noch Herzschmerz fühlt. Wir hatten schon eine tragische Trilogie, die es am Ende (Episode 3) völlig übertrieben hat und auch nicht wusste, wann Schluss ist. Nur hat diese Trilogie wenigstens die alte Trilogie nicht kaputtgemacht. Nach Padme, Anakin und Obi-Wan verenden also auch Luke, Leia und Han in Schmerz und Kummer? Star Wars entwickelt sich vom Märchen zur Tragik-Dramaserie. Bedauerlich wie etwas was einmal so positiv war, so negativ werden musste. Luke, Leia und Han hätten am Ende des Films den Stab an die neue Generation weitergeben können und ihnen die neue Bedrohung überlassen können. Dafür müssen sie nicht sterben, sondern man kann sich Hunderte von Gründen ausdenken, wie man die Drei aus zukünftigen Filmen rausschreibt (oder von mir aus können sie ja auch darin in kleineren Rollen auftreten, solange kein Mist mit ihnen gemacht wird). Fertig. Wo war das Problem so etwas umzusetzen? Ich wollte bestimmt kein trauriges Wiedersehen, das ein paar der wichtigsten Filme meiner Kindheit massakriert.

    Aber den Leuten gefällt es. Keiner findet es schlimm oder entsetzlich, was aus dieser Geschichte gemacht wurde. Manche scheinen es sogar als besten Star Wars Film anzusehen…

    So geht Star Wars zu Grunde. Mit tosendem Applaus.

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