Schlagwort: 2013

Kritiken

"Open Grave" (USA 2013) Kritik – Das Zeitalter der Finsternis

Autor: Pascal Reis „We were here to help. But we failed.“ Es sind keine Wirbelstürme an Kreativität, die Gonzalo Lopez-Gallego auf das mehr oder weniger cinephile Publikum eindreschen lässt. Der Spanien beherrscht es hingegen, in seinen Filmen mit einer schroffen, partiell gar naturalistischen Atmosphäre aufzuwarten, die den handelsüblichen Genre-Kolportagen, wie sie den internationalen Markt allmonatlich heimsuchen, dahingehend einen groß Schritt voraus sind. Da wäre beispielsweise der brüske Thriller „King of the Hill“ von 2007, in dem sich ein Mann irgendwo in einem verworrenen Waldgebiet plötzlich im Fadenkreuz eines augenscheinlich Wahnsinnigen wiederfindet. Eigentlich ein Film, der maximal für den hohlen Zahn taugt, seine atmosphärische Suggestion, die ganz auf ein realitätsnahes K...
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"Beziehungsweise New York" (FR 2013) Kritik – Amerika soll das persönliche Chaos beenden

Autor: Pascal Reis "Ich fand immer, dass mein Leben nicht einfach war. Und jetzt in New York wird mir klar, dass mein Leben vorher extrem einfach war." Unser erstes Treffen mit dem französischen Volkswirtschaftslehre-Studenten Xavier (Romain Duris) im Jahre 2002 führte uns damals mit „L'auberge espagnole“ nach Barcelona, wo er sich für seinen angestrebten Job die nötige Erfahrung mit der spanischen Wirtschaft aneignen wollte. Drei Jahre später beschenkte uns Regisseur und Drehbuchautor Cédric Klapisch dann mit dem Nachfolger „L'auberge espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg“, in dem sich Xavier längst in der Arbeitswelt hat festgesetzt und seinem Traum, ein renommierter Autor zu werden, noch inmitten von larmoyanten Skripten zu schäbigen Fernsehserien umzusetzen versucht. Das ehemal...
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"Orphan Black" 1. Staffel (CA 2013) Kritik – Die Tatiana Maslany Show

Autor: Sebastian Groß „Plato would've thought we were gods. But we're not.“ Bei der letzten Verleihung der Golden Globes, gab es zwei Darstellerinnen die für ihre Leistung als beste Hauptdarstellerin in eine Drama-Serie nominiert waren, die dem deutschen Zuschauer mit großer Wahrscheinlichkeit absolut unbekannt waren: Denn neben Robin Wright, Julianna Margulies und Kerry Washington, durften auch Taylor Schilling und Tatiana Maslany kurz vor der Bekanntgabe des Gewinners in die Kamera lächeln. Am Ende bekam Wright den Award. Schilling, die für die gefeierte Netflix-Produktion „Orange is the New Black“ nominiert war und Maslany gingen leer aus, aber zumindest waren ihre Gesichter kurzzeitig dem internationalen Publikum vorgestellt worden. Immerhin etwas, denn beide Frauen hätten den Preis ...
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"Hannibal" 1. Staffel (USA 2013) Kritik – Geschichte wird mit Blut geschrieben

Autor: Pascal Reis „Who's hungry?“ Wenn literarische Entitäten auf die Leinwand projiziert werden, sind es, logischerweise, die Anhänger jenes Stoffes, deren Welt erst mal einmal ins Wanken gerät, die sich das laute Aufschreien nicht verkneifen und dem Projekt per se jedwede Daseinsberechtigung abzusprechen versuchen. Natürlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, einen Roman bis ins kleinste Detail ganz und gar vorlagengetreu filmisch umzusetzen, würde diese Behandlungsweise doch eigentlich jeglichen zeitlichen wie dramaturgischen Rahmen des Kinos an und für sich sprengen. Wie aber würde der Umgang mit einer Buchvorlage aussehen, wenn man sie in Serie gießt, um ihr so eine enorme künstlerische Spannweite zur Entfaltung entgegenzubringen? Das BBC-Format „Sherlock“ beweist mit ihrer launige...
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"Zulu" (FR 2013) Kritik – Südafrika fleht um Gerechtigkeit

Autor: Pascal Reis „No brain, no pain.“ Als Kind ist Ali Neumann zusammen mit seiner Mutter den bestialischen Inkatha-Milizen geradeso entwichen, während er mitansehen musste, wie sein Vater gefoltert und bei lebendigen Leibe verbrannt wurde: Ein Schicksal von unzähligen, doch vom Schmerz dieser Tage kann sich Ali bis heute nicht losreißen. Inzwischen als Chef der Mordkommission in Kapstadt tätig, hat Ali seinen Weg gemacht, doch ausgerechnet einer seiner Vorgesetzten gehört zu den Verbrechern jener Tage, die sämtliche Schwarze gefoltert und ermordet haben. Zusammen mit dem weißen Polizisten Brian Epkeen kämpft Ali gegen die stetig steigende Kriminalitätsrate Kapstadts an und stoßen auf die Leiche einer 20-Jährigen, die erst Opfer einer synthetischen Droge und später den Schlägen ihres ...
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"100 Bloody Acres" (AU 2012) Kritik – Blut und Knochen für den heimischen Garten

Autor: Pascal Reis „He wants my potassium!“ 2005 war es Greg McLean, der uns mit „Wolf Creek“ entlang der sonnigen Westküste hinein in die Abgründe des australischen Hinterlandes führte. „100 Bloody Acres“ von Cameron und Colin Cairnes, der erneut Down Under mit zwei eigenwilligen Ausgeburten des Hinterlandes auf einen Nenner bringt, sieht die Sache mit dem Grauen dieser Areale nicht ganz so eng wie Greg McLean und folgt einer von Grund auf makaberen Prämisse. Lustigerweise, und das hat gewiss seine Gründe, schenken die Regie-Brüder John Jarratt, dem diabolischen Redneck aus „Wolf Creek“, einen konträren Auftritt als Gesetzeshüter, bevor wir ihn Mitte Mai in der Fortsetzung zum erfolgreichen Survival-Terror wieder in seiner fiesen Paraderolle erleben dürfen. Ein wohl interessanterer T...
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"Jung & Schön" (FR 2013) Kritik – Kann Prostitution auch seelische Freiheit bedeuten?

Autor: Pascal Reis „Es hat mir gefallen, mich zu verabreden.“ Francois Ozon gehört in die Reihe aktiver französischer Filmemacher, die nicht darauf erpicht sind, einer klaren thematischen Kategorisierung unterstellt zu werden. Ob der gebürtige Pariser nun in seinem nächsten Werk wieder eine beschwingte Komödie inszenieren wird, ein Loblied auf die Rhetorik, auf die Möglichkeit, sich seine eigene Welt zu erschaffen oder ob es dann doch einen abgründigen Thriller geben wird, bleibt von Mal zu Mal spannend. Sicher sind Ozons Arbeiten dabei nicht immer auf einer exakten qualitativen Stufe anzutreffen, interessant und vielseitig liest sich sein bisheriges Schaffen ohne Wenn und Aber. Mit seinem vierzehnten Film „Jung & schön“, der ihm gleichzeitig seine erst zweite Einladung für den Wettbew...
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"Ride Along" (USA 2013) Kritik – Ein Buddy-Movie zum Abgewöhnen

Autor: Pascal Reis „Today is your training day.“ Buddy-Movies gehören in der Filmwelt gewiss nicht zu den Modeerscheinungen, wie sie immer mal wieder eine Hochphase feiern dürfen, dann aber über kurz lang von der Bildfläche verschwinden, wie es beispielsweise mit dem Sandalenfilm geschah, den Ridley Scott 2001 mit „Gladiator“ opulent reanimiert, damit jedoch keinen anhaltenden Trend abzeichnen durfte. Nein, ein Buddy-Movie will sich nicht als definiertes Zeitgeistphänomen verstehen, dafür ist diese Art von Film einfach viel zu beliebt und wird es auch immer bleiben. Man denke dabei nicht nur an Stan Laurel und Oliver Hardy, die mit ihren Auftritten in den legendären „Dick & Doof“-Streichen das Zwerchfell des Zuschauers abermalig zum Erschüttern brachten, oder auch Bud Spencer und Terenc...
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"Saving Mr. Banks" (GB/AU/USA 2013) Kritik – Walt Disney hält seine Versprechen

Autor: Pascal Reis "You think Mary Poppins is saving the children, Mr. Disney?" Dass man seine Versprechen nicht brechen darf, wusste auch schon der große Walt Disney, als er seinen Töchtern bereits in den 1940er Jahren versprach, eine Verfilmung ihres Lieblingsbuches „Mary Poppins“ in die Wege zu leiten. Der Zeichentrickmogul allerdings hat seine Rechnung ohne die Engstirnigkeit der Autorin P.L. Travers gemacht, die sich nach langwierigen Verhandlungen erst im Jahre 1961 nach Hollywood begibt und eine ganz und gar vorlagengetreue Adaption erwartet: Nur mit großem Widerwillen kann sie sich damit arrangieren, dass aus ihrer „Mary Poppins“ eine Musicalinterpretation werden soll, doch bei jeder weiteren winzigen Abweichungen können sich Walt Disney und seine Crew um Drehbuchautor Don DaG...
Kritik: Nymphomaniac Vol. 1 (DK, FR, GB 2013)
Drama, Filme, Kritiken, Lars von Trier

Kritik: Nymphomaniac Vol. 1 (DK, FR, GB 2013)

Ich fühle nichts. Anstatt einer Kritik würde ich an dieser Stelle viel lieber über den Formalismus in Lars von Triers Filmen schreiben. Denn auch im neuen Film des beliebten Regisseurs ist die Form wieder einmal der größte Hingucker und beeinflusst die Narration sogar weitaus stärker als gewohnt. Auch wenn man gerne glaubt, alles schon gesehen zu haben, gelingt es Lars von Trier immer zu überraschen. Als „Erneuerer des Kinos“ konnten seine Filme nie zu einer festen Form finden, so wie es anderen Filmemacher_innen, wie Michael Haneke, gelungen ist und trotz des brisanten Inhalts von Nymphomaniac liegt dessen Provokation doch ganz woanders. „Ein Film sollte wie ein Stein im Schuh sein.“ - Lars von Trier Beispielhaft war bereits das erste Plakat, das am Anfang einer immer zermürbend...