Schlagwort: 2016

Kritik: Die feine Gesellschaft (FR 2016)
Französischer Film, Komödie, Krimi, Kritiken

Kritik: Die feine Gesellschaft (FR 2016)

Niemals werde ich mich an die Schönheit dieser Landschaft gewöhnen! Der Franzose Bruno Dumont (Humanität) ist ohne Frage einer der mit Abstand interessantesten Filmemacher, die das qualitativ hoch kompetitive, gegenwärtige französische Kino hervorgebracht hat. Philosoph, Poet, Gesellschaftsanalytiker und Meister des Kinos der Absurditäten sowie des abstrusen Humors – Bruno Dumont vereint in seinen Filmen viele Qualitäten in seinem ungewöhnlich-außergewöhnlichen Erzählstil. Dumont prägte hierbei beispielsweise so sehr, wie nur wenige seiner ebenfalls umstrittenen Kollegen, darunter Gaspar Noé (Irreversibel) oder der frühe Francois Ozon (Criminal Lovers), das sogenannte “Cinéma du corps” (Kino der Körper). Besonders auf die Spitze trieb Dumont all das 2003 in seinem naturalistischen...
Kritik: Arrival (US 2016)
Filme, Kritiken

Kritik: Arrival (US 2016)

If you could see your whole life from start to finish, would you change things? Am Anfang war das Wort, nicht das Feuer. Und es war identitätsstiftend, denn: Kommunikation ist die Brücke in die fremden Territorien unserer Existenz. Das ist der vielschichtig konnotierte Kristallisationspunkt, mit dem sich Denis Villeneuve (Sicario) in Arrival über 120 Minuten beschäftigt und von dem er die Rückbesinnung auf die Tugenden des Erzählkinos aus entspinnen wird. Die von Amy Adams (The Master) verkörperte Linguistin Dr. Louise Banks bildet dabei das schauspielerische Zentrum der Narration und ihre wunderbar natürliche Fragilität, die oftmals nur ein leichtes Zucken der Mundwinkel offenbart, artikuliert schwere innerseelische Erschütterungen allein über die glasigen Augen, die nach wie vor die U...
Kritik: Passengers (US 2016)
Filme, Kritiken

Kritik: Passengers (US 2016)

Jim, these are not robot questions. In den vergangenen Jahren hat der Science-Fiction Film gewissermaßen eine Renaissance erfahren und sich gleichermaßen auch weiterentwickelt. Filme wie Gravity, Interstellar oder jüngst Arrival haben klassische Genreelemente stark an das emotionale Schicksal eines Einzelnen geknöpft und den traditionell eher neutralen und objektiven Fokus verschoben. Waren diese Filme doch sowohl finanziell als auch bei den Kritikern mehr oder weniger erfolgreich, so war es nur eine Frage der Zeit bis die Studios auf diesen Trend aufspringen und deutlich generischere Filme produzieren würden. Passengers ist einer von ihnen und folgt einem simplen Rezept. Man nehme einfach den neuerdings entstandenen Science-Fiction Hype, zwei beliebte Darsteller und ein bereits zehn Ja...
Kritik: Manchester by the Sea (US 2016)
Filme, Kritiken

Kritik: Manchester by the Sea (US 2016)

I said a lot of terrible things to you. My heart was broken, and I know yours is broken, too. Das Unaussprechliche bestimmt das Leben von Lee Chandler (Casey Affleck). Die Vorgeschichte, die Exposition, vieler Filmfiguren muss meistens irgendwie erzählt werden. Die Handlung braucht eine Basis, ein Setup, um sich entwickeln zu können. Oftmals werden diese Vorgeschichten in Dialoge zu Beginn verpackt. Die Exposition in Manchester by the Sea befindet sich allerdings lange Zeit in einer schwarzen, schweren, fest verschlossenen Truhe in Lees Kopf. Die Schweigsamkeit des jungen Mannes, seine Unfähigkeit selbst einfachsten Smalltalk zu führen, verweist stetig auf die Unaussprechlichkeit seiner Vorgeschichte. Wie wurde er zu dem, was er ist? Was ist geschehen? Wie kann er erlöst werden? Die...
Filmkritiken zu „Mechanic: Resurrection“, „Ben Hur“ und „Deepwater Horizon“
Filme, Kritiken

Filmkritiken zu „Mechanic: Resurrection“, „Ben Hur“ und „Deepwater Horizon“

  Mechanic: Resurrection (USA 2016) Im Kino hat Mechanic: Resurrection mal rein gar nichts zu suchen, denn besser als ähnlich gepolte DTV-Reißer sieht Jason Stathams zweiter Auftritt als Arthur Bioshop keinesfalls aus. Der deutsche Filmemacher Dennis Gansel, der in der Vergangenheit, beispielsweise mit Wir sind die Nacht, durchaus bewiesen hat, in der Lage zu stimmungsvollem Genre-Kino zu sein, agiert hier in Sachen schöpferischer (Spreng-)Kraft auf Sparflamme und spult das ab, was das Statham-Vehikel nun mal von ihm verlangt: James Bond'eske Set Pieces, idyllische Postkartenmotive und natürlich Jason Statham, der knurrt, Schellen verteilt und mal wieder zeigt, dass er der Beste in Allem ist. Was Mechanic: Resurrection aber angenehmer als den Vorgänger gestaltet, ist, dass er ...
Die besten Filme des Kinojahres 2016: Stefans persönliche Top 10
Jahresliste, Listen, Specials

Die besten Filme des Kinojahres 2016: Stefans persönliche Top 10

  2016 war ein schwaches Kinojahr und dies für mich gleich in doppelter Hinsicht: Zum einen hatte ich aus persönlichen Gründen nie die nötige Zeit, um regelmäßig in die wohlig-realitätsverweigernde Heterotopie des Kinos zu entgleiten, und zum anderen haben mich die Veröffentlichungen 2016 auch seltsam unberührt zurückgelassen. Sicher, ich habe massig Filme verpasst und garantiert befanden sich unter diesen auch ein paar echte Perlen, doch irgendwie hatte ich in diesem Jahr selten das Gefühl, wirklich etwas verpasst zu haben (die Bestenlisten meiner CF-Kollegen sollen meine Worte Lügen strafen). Nichtsdestotrotz habe ich mich dem Kino natürlich nicht gänzlich verweigern können und möchte euch nun meine persönliche Top 10 des Kinojahres vorstellen. Bevor es losgeht noch eine kurze A...
Die besten Filme 2016: Conrads Top 20
Jahresliste, Listen, Specials

Die besten Filme 2016: Conrads Top 20

Dieses Jahr, 2016, kaum geliebt, eher verhasst, der Sündenbock für zahlreiche Tode und Katastrophen: Niemand glaubt, dass es 2017 wirklich besser wird, aber irgendwie schenkt es auch Genugtuung das geschehene Unglück einfach auf das Jahr an sich zu schieben, in dem es passiert ist. Vielleicht ist Zweitausendsechzehn auch schuld an meiner geringen Filmausbeute? Irgendwie habe ich weniger Filme gesehen als die letzten Jahre. Für eine angemessene Jahresliste reicht es trotzdem. Dennoch gleich vorweg: Auf dieser Liste fehlen viele Filme, die es anderswo auf Bestenlisten schaffen, aber von mir leider nicht rechtzeitig vor Jahresende gesichtet wurden. Filme wie Der Schamane und die Schlange (Ciro Guerra), Alles was kommt (Mia Hansen-Løve), Nocturnal Animals (Tom Ford), Vor der Morgenröte (Mar...
Kritik: Julieta (ES 2016)
Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: Julieta (ES 2016)

„In diesen Momenten, den schlimmsten in meinem ganzen Leben, denke ich an Dich.“ Nachdem sich Pedro Almodóvar (Frauen am Rande des Nervenzusammenbrauchs) in Die Haut, in der ich wohne äußerst gekonnt auf traditionelle Genre-Mechanismen rekurrierte und in Fliegende Liebe die homosexuellen Wallungen im Inneren eines Passagierfliegers zelebrierte, wurde es nach diesen filmischen Experimenten für den spanischen Exzentriker mit Julieta wohl Zeit, zurück zu den Wurzeln zu kehren. Erneut (oder: endlich wieder) liegt der Fokus auf Frauen, auf Müttern und Töchtern, auf den Gefühlsknoten, die sie verbinden und die Mysterien, sie sie entzweien. Vor allem aber ist die lose Adaption dreier Kurzgeschichten der kanadischen Schriftstellerin Alice Munro ein weiterer Beweis im größtenteils mindestens int...
Kritik: Nocturnal Animals (US 2016)
Filme, Kritiken

Kritik: Nocturnal Animals (US 2016)

We all eventually turn into our mothers. Stefans Meinung Wer hätte gedacht, dass bebende Fleischberge so ästhetisch perfekt in Szene gesetzt werden können? Der Regisseur/Modeschöpfer Tom Ford, der 2009 mit seinem Regiedebüt A Single Man großen Anklang unter den Kritikern fand, bringt dieses Jahr mit Nocturnal Animals seinen zweiten Film in die Kinos und gleich in der Eröffnungssequenz gibt der ehemalige Gucci-Chefdesigner die Marschrichtung des Filmes vor: Krankhaft übergewichtige, nackte Frauen bringen hier in Zeitlupe ihre Pfunde in Wallung – ein grotesker Anblick, der sich dem Zuschauer da bietet und doch entwickeln die Bilder einen hypnotischen Sog. Tom Ford sucht in seinem Drama-Thriller stets die Schönheit im Hässlichen, der Brutalität und der Hoffnungslosigkeit, womit er das...
Kritik: In a Valley of Violence (USA 2016)
Heimkino, Kritiken, Slider

Kritik: In a Valley of Violence (USA 2016)

You talk too much. Pascals Meinung Die bisherigen Filme von Ti West, primär The House of the Devil und The Innkeepers, begeisterten letztlich durch die offenkundige Genreaffinität, mit der West seine Geschichten bis ins letzte Frame ausstaffierte. Diese ausgeprägte Geneigtheit aber bedeutet nicht nur, dass West ein spürbares Bewusstsein gegenüber traditionellen Genre-Mechanismen aufzeigt, sein Genie indes liegt vielmehr darin, diese Mechanismen zu transzendieren und zu paraphrasieren. Gleiches lässt sich nun auch bei In a Valley of Violence entdecken, einem Western, der so klassisch veranlagt ist, dass man ihn leichtfertig als klischeehaftes Erwärmen altbekannter Handlungskoordinaten verrufen könnte. Natürlich aber geht Ti West weiter, blickt über den Tellerrand des traditionellen ...