Schlagwort: Charlotte Rampling

Kritiken

"Jung & Schön" (FR 2013) Kritik – Kann Prostitution auch seelische Freiheit bedeuten?

Autor: Pascal Reis „Es hat mir gefallen, mich zu verabreden.“ Francois Ozon gehört in die Reihe aktiver französischer Filmemacher, die nicht darauf erpicht sind, einer klaren thematischen Kategorisierung unterstellt zu werden. Ob der gebürtige Pariser nun in seinem nächsten Werk wieder eine beschwingte Komödie inszenieren wird, ein Loblied auf die Rhetorik, auf die Möglichkeit, sich seine eigene Welt zu erschaffen oder ob es dann doch einen abgründigen Thriller geben wird, bleibt von Mal zu Mal spannend. Sicher sind Ozons Arbeiten dabei nicht immer auf einer exakten qualitativen Stufe anzutreffen, interessant und vielseitig liest sich sein bisheriges Schaffen ohne Wenn und Aber. Mit seinem vierzehnten Film „Jung & schön“, der ihm gleichzeitig seine erst zweite Einladung für den Wettbew...
Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: I, Anna (FR,DE,GB 2012)

Autor: Conrad Mildner "Also ich glaube diese aufmerksamen Augen gehören einem Mann, der mit Leidenschaft die Wahrheit sucht." Bald ist ja wieder Muttertag und wie man auch zu diesem Anlass stehen mag, der ohnehin schon in seinem historischen Kontext kritisch beäugt werden sollte, so ist es doch logisch, dass man seiner Mutter ab und zu etwas gutes tun sollte, schließlich tut sie ja auch oft genug etwas für einen selbst. Charlotte Rampling ist nicht nur eine grandiose Schauspielerin, sondern scheint auch eine ebenso gute Mutter zu sein. So übernahm sie kurzerhand die Hauptrolle im Regiedebüt ihres Sohnes Barnaby Southcombe und verhalf dem Film damit zu genügend Aufmerksamkeit. Im Gegenzug möchte Southcombe mit seinem Film Rampling zur Übermutter schlechthin stilisieren, vergisst dabei a...
Kritiken

"Nachtzug nach Lissabon" (DE/PT/CH 2013) Kritik – Geschichte im Konjunktiv

Autor: Jan Görner „Wenn wir jung sind, leben wir als seien wir unsterblich.“ Auf dem Weg zur Arbeit trifft der Lehrer Raimund Gregorius (Jeremy Irons) eines Morgens auf eine junge Frau (Sarah Spale-Bühlmann), die sich von einer Brücke stürzen will. Kurzentschlossen greift der sonst zurückhaltende Mann ein und nimmt die Fremde mit in seine Lateinstunde an einem Berner Gymnasium. Doch mitten im Unterricht verlässt sie Frau das Zimmer, zurück bleibt nur ihr roter Mantel, in dessen Tasche Raimund einen schmalen Philosophieband des portugiesischen Dichters Amadeu de Prado (Jack Huston) findet, zwischen den Seiten Fahrkarten für einen Nachtzug in die Heimat des Autors. Als er die junge Unbekannte jedoch nicht am Bahnhof antrifft, besteigt Raimund schließlich selbst den Zug. Beseelt von dem Wun...
Kritiken

"Cleanskin" (GB 2012) Kritik – Sean Bean zwischen Zweifel und Gnadenlosigkeit

"We have no time for emotions now." Seitdem sich Liam Neeson als Bryan Mills im französischen Selbstjustizreißer "96 Hours" durch Paris prügelte, keinen Stein auf dem anderen gelassen hatte und für seine Tochter sicher auch durch die Hölle gegangen wäre, nur um seine Familie wieder zu komplettieren und dem Teufel die Hörner mal so richtig zu stutzen, gibt es alljährlich unzählige Nachkömmlinge, die sich nun in der Pflicht fühlen, auch richtig handfeste und politisch fragwürdige Action aufzuweisen. Ob es "Harry Brown", "Safe", oder "Stolen" ist. Männer haben die Nase voll von den gesellschaftlichen Missständen, von gewaltbereiten Teenagern bis durchtriebene Menschenhändler, und nehmen das Gesetz selber in die Hand, um wirklich etwas zu bewirken. Regisseur Hadi Hajaig ging mit seinem Thri...
Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: Alles, was wir geben mussten (USA 2010)

"Keiner von euch wird ein anderes Leben führen als das, was für ihn vorgesehen wurde." Kathy, Tommy und Ruth wachsen in Hailsham auf, eine Art Internat in einer idyllischen Hügellandschaft irgendwo in England. Sie wissen alerdings nicht, dass sie nur leben um später als menschliche Ersatzteillager zu dienen. Utopien müssen nicht dringend in die Zukunft gelegt werden. Es ist sowieso ein offenes Geheimnis, dass Filme wie "Minority Report" oder "THX" mehr über die Gegenwart ihrer Entstehung erzählen als über den ernsthaft überlegten Fortgang der Menschheitsgeschichte spekulieren. Die Verfilmung von Kazuo Ishiguros Besteller "Never Let Me Go" verlegt seine Handlung deswegen umso wirkungsvoller in die Vergangenheit. Was auf den ersten Blick wie eine Verschlimmbesserung wirkt, bietet im Verg...