Die 50 besten Filme aller Zeiten – Conrad von CinemaForever stellt seine Lieblinge vor

Autor: Conrad Mildner

Über zwei Jahre gibt es jetzt schon unseren Blog. Daher dachten wir uns, es sei an der Zeit, unseren Lesern eine aktualisierte Liste unserer Top 50 Lieblingsfilme vorzustellen, damit ihr, unsere Fans, einen noch besseren Eindruck von uns bekommt. Und auf los geht’s los: Das sind meine ganz persönlichen 50 Lieblingsfilme.

Platz 50: „4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage“ (RO 2007) von Cristian Mungiu

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Die rumänische Welle kam erst wirklich ins Rollen als Cristian Mungiu 2007 die Goldene Palme mit seinem Abtreibungsdrama in Cannes gewann. Verdichtet auf nur wenige Stunden im Leben zweier Frauen: Die eine will abtreiben, was im sozialistischen Rumänien der 80er verboten ist, die andere will ihr dabei helfen. Der Film folgt ausschließlich dieser Helferin, beeindruckend gespielt von Anamaria Marinca, und welche Entbehrungen sie auf sich nimmt, um ihrer passiven und eigentlich auch äußerst selbstsüchtigen Freundin zu helfen. „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ hat die Atmosphäre eines Polit-Thrillers und die dramatische Brisanz eines Theaterstücks; ein nicht zu unterschätzendes Werk über Solidarität im Käfig des Patriarchats.

Platz: 49: „Purple Rose of Cairo“ (USA 1985) von Woody Allen

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Das ist perfekte Unterhaltung ohne Anbiederung an ein Massenpublikum, sondern eine persönliche Liebeserklärung an den schönsten Ort der Welt: Das Kino. „The Purple Rose of Cairo“ ist voller Anspielungen und voller tiefer Gedanken zum Film, seiner Wirkung und seiner Bedeutung. Man kommt schon fast dazu die großartige Handlung zu übersehen oder die wundervollen Dialoge. Hier stimmt wirklich mal alles, die Décors, die Atmosphäre, Mia Farrow, Jeff Daniels. Es gibt nichts auszusetzen. Ich bin sprachlos, einfach liebenswert!

Platz 48: „Possession“ (DE, FR 1981) von Andrzej Zulawski

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Isabelle Adjani und Sam Neill schlachten sich durchs eingemauerte West-Berlin der frühen 80er. Als Zeitdokument und Kommentar gebührt dem Film allein schon eine Ehrenloge unter den besten der besten. Die Teilung, der tiefe Riss der durch die Welt geht, ist stets spürbar, sei es durch die echten Grenzsoldaten, die über die Mauer lukend, einen Kamerablick riskieren oder durch die schizophrenen Charaktere.

Platz 47: „Oldboy“ (KR 2003) von Chan-wook Park

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Chan-Wooks Meisterwerk ist trotz seiner hyperstylishen Oberfläche ein Film der Zwischentöne bei dem man ganz genau hinhören muss. Das Prinzip Rache wird intelligent und differenziert durchexerziert und nebenbei wird auch noch ein überaus spannender Thriller erzählt. Ein herrliches Stück postmodernes Kino, dass sich grazil zwischen Exploitation, Arthouse und Mainstream bewegt.

Platz 46: „Asphalt Cowboy“ (USA 1969) von John Schlesinger

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„Asphalt Cowboy“ ist wahrscheinlich das bewegendste Buddy-Movie aller Zeiten mit Jon Voight und Dustin Hoffman als Gescheiterte des amerikanischen Traums im Großstadtdschungel von New York. Zwischen Warhols Factory, Prostitution und Kindesmissbrauch, Verarmung und Dreck spinnt Schlesinger sein Amerikabild, was damals völlig überraschend den Oscar für den Besten Film gewann und wenn ein Film jemals diesen Preis verdient hat, dann ist es „Asphalt Cowboy“.

Platz 45: „Eine Handvoll Hoffnung“ (USA 1956) von Nicholas Ray

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Rays düsteres Melodram zersetzt das Konstrukt der patriarchalischen Familie mit bitterer Konsequenz. Wissenschafts- und Forschungsglaube finden hier auch ihre perverse Entsprechung. Verlieren kann letztendlich nur der Mensch.

Platz 44: „Die zwölf Geschworenen“ (USA 1957) von Sidney Lumet

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Das Regie-Debüt von Legende Sidney Lumet ist nicht nur ein Paradebeispiel für Theateradaptionen im Kino, sondern auch ein spannendes Drama über menschliche Schwächen und Stärken im Justizapparat. Zudem ist „Die zwölf Geschworenen“ ähnlich wie auch Fritz Langs „M“ ein flammendes Plädoyer gegen die Todesstrafe.

Platz 43: „Die schwarze Narzisse“ (GB 1947) von Michael Powell & Emeric Pressburger

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Powell and Pressburger haben viele tolle und zu ihrer Zeit völlig einzigartige Filme gedreht. Zwar sind „Die roten Schuhe“ und „Das Leben und Sterben des Colonel Blimp“ ikonografische Eckpfeiler ihres Schaffens, doch der schiere Wahnsinn im letzten Drittel von „Die Schwarze Narzisse“ ringt mir immer noch die größte Bewunderung ab. Die komplett im Studio gedrehte Reise in den indischen Dschungel erzählt die Geschichte von Nonnen am Rande des Nervenzusammenbruchs, zwischen dem Heiligen Geist und fleischiger Wollust, eingefangen in fiebrige Technicolor-Bilder von Jack Cardiff.

Platz 42: „Das süße Jenseits“ (CA 1997) von Atom Egoyan

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Zurecht wurde Atom Egoyans kaleidoskopartige Parabel über menschlichen Verlust und familiäre Verantwortung in den deutschen Filmkanon aufgenommen. Egoyan ist ein tief berührender Film gelungen, der gleichzeitig vor Würde strahlt und Ian Holm ist einfach wunderbar in der Hauptrolle.

Platz: 41: „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ (USA 1966) von Mike Nichols

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Früher New-Hollywood-Film, der Töne anspricht, die man selbst heute im europäischen Kino vermisst. Brutal, extrem und vorallem absolut, aber immer nah an der Wirklichkeit, da der Alkohol in Strömen fließt und aus den Figuren das Schlechteste herauskehrt. Dass der Film eine Theateradaption ist, merkt man nicht. Nichols vertraut bei seinem Film sehr auf die Montage und nutzt die Möglichkeiten, die er hat. Heftige Wechsel zwischen Totalen und Nahaufnahmen, Dollyfahrten und Zooms. Damals war Hollywood noch frei und gut! Ein Klassiker!

Platz 40: „Picknick am Valentinstag“ (AU 1975) von Peter Weir

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Als Peter Weir („The Truman Show“) noch am Anfang seiner Karriere stand, hat er nicht nur waghalsige Filme über verrückte Autofahrer gedreht, sondern auch eine fantastische Literaturadaption über eine Gruppe Internatsschülerinnen, die um die Jahrhundertwende am mysteriösen Hanging Rock in Australien verschwinden. Der Film läutete ein goldenes, australisches Filmzeitalter ein und ist heute noch ein faszinierendes, scheinbar aus der Zeit gefallenes Mystery-Drama über sexuelles Erwachen und das Ende der Unschuld.

Platz 39: „Cruising“ (DE, USA 1980) von William Friedkin

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Cruising ist auf der Schwelle zwischen den freien 70ern und den reaktionären 80ern entstanden. Kein Wunder, dass er ein Flop wurde. Sogar Nominierungen für die goldene Himbeere waren drin, was allerdings nur wieder beweist wie beliebig die ihre „Auswahl“ gestalten. Denn Cruising ist überhaupt nicht massenkompatibel, sondern ein schmutziger Genrefilm. Die Atmosphäre ist elektrisierend. Friedkins Einsatz von Bild und Ton ist phänomenal. Allein die ungemütliche Musik von Jack Nitzsche treibt mir Schauer in den Nacken. Die heftigen Morde mit ihren harten Schnitten und Symbolen. Die surrealen Elemente, die sich letztendlich als real entpuppen. Das ist kein bloßer Film über Homosexualität. Es geht um Scheinrealitäten und die Gewissheit, dass es keine Identitäten gibt. Der Mensch muss sich immer verwandeln, in andere Rollen schlüpfen und zu dem werden, was der andere in ihm sieht.

Platz 38: „Die große Illusion“ (FR 1937) von Jean Renoir

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Es bestürzt doch sehr, dass „La Grande Illusion“ damals und besonders bei seinem Neuerscheinen in den 50er Jahren eine Kontroverse auslöste. Ich sehe den Film und mir würde nicht im Traum einfallen, dass es sich um einen antisemitischen und patriotischen Kriegsfilm handeln würde. Es ist das blanke Gegenteil, doch wenn man Schwächen sucht, dann findet man sie auch. Renoirs Film kommentiert nicht nur den Niedergang der Aristokratie, wobei sein Film darin großes Mitgefühl zeigt. Im Überleben zeigt sich das Verschwinden von Vorurteilen, wie eben dem Antisemitismus. Es mag zwar noch Grenzen geben, besonders zwischen den gesellschaftlichen Schichten, wie auch den Nationen, doch der Gleichheit aller Menschen wird hier ein Denkmal gesetzt.

Platz 37: „Achteinhalb“ (FR, IT 1963) von Federico Fellini

Was soll man noch über dieses Meisterwerk schreiben? Für mich der beste Film über das Filmemachen. Fellini gelang es aus einer schweren Depression einen positiven Film zu drehen; ein Film, den man gesehen haben sollte.

Platz 36: „Twin Peaks: Der Film“ (USA 1992) von David Lynch

Vielleicht ist „Fire walk with me“ der beste Film von David Lynch, jedenfalls für mich. Die Serie ist zwar schon ein unfassbares Kuriosum, aber der Film, gerade durch seinen zweifelhaften Ruf, ist wie eine Herdplatte, die ich jedes Jahr mal wieder anfassen muss. An keinen anderen Lynch-Film muss ich so oft denken. Sheryl Lee ist Laura Palmer und Laura Palmer ist eigentlich ein ganz normaler Teenager. Nur das Lynch eben ein fantastischer Erzähler und Künstler ist, der die Erfahrungswelten seiner Heldin in unerträgliche, übersteigerte Bilder fasst. Letztendlich leiden wir alle unter Bob und unser Leid fühlt sich im Innersten genauso an wie Lauras Märtyrium. Unser Schmerz manifestiert sich nur nicht nach außen, wird nicht sichtbar. Unsere Lippen färben sich nicht schwarz, wenn das Böse uns übernimmt. Das ist der Unterschied zwischen Kunst und Wirklichkeit. „Fire Walk With Me“ macht alles sichtbar, alles fühlbar und bleibt selbst in seiner strukturellen Unvollkommenheit faszinierend. David Lynch erhielt nach dem Film viele Briefe von Opfern häuslicher, sexueller Gewalt, die den Film dafür lobten, dass sie sich selbst darin so gut wiederfinden konnten. Was größeres kann Kino nicht leisten.

Platz 35: „Weekend“ (FR, IT 1967) von Jean-Luc Godard

Das ist wahrscheinlich der verrückteste Film aller Zeiten. Godard führt ungewohnt lustvoll das kapitalistische Bürgertum vor, inszeniert Schreckensbilder der Moderne, verbrennt keine Bücher, dafür gleich die Autor_innen. Am Ende kann nur „Fin de Cinéma“, das Ende des Kinos, stehen.

Platz 34: „Lichter der Großstadt“ (USA 1931) von Charlie Chaplin

Noch vor „Modern Times“ lieferte Chaplin mit „City Lights“ eine Komödie mit sozialem Bewusstsein ab, die mit einer wunderbaren Liebesgeschichte aufwarten kann. Darüberhinaus zeigt Chaplin nicht nur wie unbrauchbar die Erfindung des Tonfilms für seine Kunst war, er ist sogar so frech sich am Anfang über ihn lustig zu machen, indem er das gesprochene mit Trompeten imitiert. Das Ende, in seiner Klarheit, sagt mehr als alle gesprochenen Wörter der Filmgeschichte.

Platz 33: „Gummo“ (USA 1997) von Harmony Korine

„Spring Breakers“ bedeutete dieses Jahr nichts anderes als Harmony Korines endgültigen Einstand im Mainstream. Zum Glück hat sich das ehemalige Enfant Terrible davon nicht verbiegen lassen. Dennoch bleibt sein Debüt „Gummo“ immer noch sein kompromisslosester Film, ein radikales Zeugnis amerikanischer Jugendkultur mit Figuren, die bisher in keinem Film Platz fanden und zudem mit großem Herz erzählt; ein wahres Indie-Juwel.

Platz 32: „Schloss des Schreckens“ (GB 1961) von Jack Clayton

Ein wahrer Klassiker des Horrorkinos, von Freddie Francis meisterhaft fotografiert und von Deborah Kerr virtuos gespielt. „Schloss des Schreckens“ liegt irgendwo zwischen Wahnvorstellung und Geistergeschichte, im Reich des Ungreifbaren, eben da wo gute Horrorfilme hingehören.

Platz 31: „Strange Days“ (USA 1995) von Kathryn Bigelow

Ein sträflich missachtetes Ausnahmewerk der 90er Jahre, dass seine utopischen Gedanken um Mediensucht, soziale Ungerechtigkeit und Humanitätsverlust kompromisslos zu Ende denkt und dadurch zum politisch aufwühlendsten Sci-Fi-Film der letzten Jahrzehnte wird. Bigelow treibt ihr Publikum souverän durch den anarchistischen Bildersturm und behält bei all den Schauwerten die Figuren gekonnt im Auge, so dass „Strange Days“ sogar als Neo-Noir vollkommen überzeugt. Nur schade, dass dieser wichtige und brilliant inszenierte Film so an den Kinokassen unterging.

Platz 30: „Drei Frauen“ (USA 1977) von Robert Altman

Den ganzen Film durchzieht eine Spur der Verzweiflung und Traurigkeit. Die pastellfarbenen Bildkompositionen aus der Feder Charles Rocher Jr. hüllen diese negativen Gefühle in einen Schleier aus Melancholie. In seinen surrealistischsten Momenten bekommt dieser dünne Stoff tiefeinblickende Risse.

Platz 29: „Reservoir Dogs“ (USA 1992) von Quentin Tarantino

Quentin Tarantinos Debüt ist wie sein dritter Film „Jackie Brown“ ein weitestgehend eigenständiger Film. Zwar ist er auch im postmodernen Uterus des Regisseurs gewachsen, zieht aber nicht den Großteil seines Reizes aus dem Zitatedschungel, sondern funktioniert auch einfach nur als grandioses Post-Heist-Movie, der Tarantinos eigene Stärker hervorhebt, nämlich wundervolle Schauspieler und virtuose Dialoge.

Platz 28: „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (DE 1920) von Robert Wiene

Der Ursprung aller Mindfuck und Twistorama-Filme, stilbildend für ein ganzes Genre und gleichzeitig auch Beginn des deutschen Expressionismus. Der Caligari sitzt überall und ist heute noch so modern wie damals, ein zeitloser Klassiker.

Platz 27: „Rubber“ (FR 2010) von Quentin Dupieux

Quentin Dupieuxs zweiter Film ist eine experimentelle Splatter-Komödie über das Wirken des menschlichen Verstands im Kinosaal.

Platz 26: „Sunset Boulevard“ (USA 1950) von Billy Wilder

Am Scheitelpunkt des ersten Kinojahrhunderts schuf Billy Wilder eine tiefschürfende Analyse über die sogenannte Traumfabrik und schenkte der glorreichen Schwarzen Serie einen kraftvollen Abschluss. „Boulevard der Dämmerung“ ist düster und undurchschaubar, zynisch und komisch zugleich. „Time for my Close-Up, Mr. DeMille!“

Platz 25: „Der Dialog“ (USA 1974) von Francis Ford Coppola

Gene Hackman in einer seiner stärksten Rollen im besten Film des großen Francis Ford Coppolas. „Der Dialog“ ist New-Hollywood-Kino von seiner schönsten Seite, kritisch, schmutzig und düster.

Platz 24: „Sprich mit ihr“ (ES 2002) von Pedro Almodóvar

Almodovárs radikales Drama stößt bei vielen auf Ablehnung, doch die kraftvolle Umsetzung und die grundsätzliche Wärme, die den Film durchzieht, machen das Unverdauliche möglich, ein kompromissloser Film, der dich zu sich holt.

Platz 23: „Singin‘ in the Rain“ (USA 1952) von Stanley Donen & Gene Kelly

Gene Kelly war ein Gott und kein Film bringt den Geist des Musicals besser rüber als „Singin‘ in the Rain“. Beides zusammen ergibt beste Unterhaltung mit staunenden Augen. Kellys Perfektionismus sorgte hinter den Kulissen für blutige Tanzschuhe. Seine Choreografien bleiben ungeschlagen; ein Film zum immer wieder sehen.

Platz 22: „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (DE 1931) von Fritz Lang

Kurz bevor die Nazis alles kaputt gemacht haben, drehte Fritz Lang dieses Meisterwerk des frühen Tonfilms. „M“ wurde zur Blaupause der Schwarzen Serie, die Lang dann in seinem Exil in Hollywood fleißig weiterführte.

Platz 21: „Sein oder Nichtsein“ (USA 1942) von Ernst Lubitsch

Mitten im Krieg, drehte Lubitsch diese Satire über eine polnische Theatergruppe, die sich als Nazis ausgeben müssen um zu überleben. Heute ist der Film ein absolutes Must-See. Jeder Mensch auf diesem Planeten sollte ihn gesehen haben. So beißend komisch und klug kann Propaganda sein.

Platz 20: „Taxi Driver“ (USA 1976) von Martin Scorsese

Hier wird keine richtige Geschichte erzählt. „Taxi Driver“ handelt von einem einzigen Mann, der für viele andere Menschen steht. Es ist ein Gesellschaftsporträt als One-Man-Show. Es ist eine Heldengeschichte voller Schurken. Es geht um Widersprüche, nicht um Nachvollziehbarkeit, Scorseses wichtigster Film.

Platz 19: „Chinatown“ (USA 1974) von Roman Polanski

Da gibt es nicht viel zu sagen. „Chinatown“ ist brillant in allen Himmelsrichtungen, einer von diesen perfekten Filmen, denen man so selten begegnet und „perfekt“ gerade deshalb, weil das Ende so schwer im Magen liegt. „It’s Chinatown!“

 
Platz 18: „Jurassic Park“ (USA 1993) von Steven Spielberg

Der Film mit dem alles begann, jedenfalls bei mir. Als mich meine Eltern den Film sehen ließen, waren Filme nicht länger nur Disney & Co, sondern etwas bei dem ich auch Anteil haben wollte.

Platz 17: „Martha“ (DE 1974) von Rainer Werner Fassbinder

Rainer W. Fassbinder hat immer gerne den Finger in die Wunde gedrückt. Das konnte er gut. Er hatte ein Gespür dafür, wo in der deutschen Gesellschaft die größten Wunden klaffen. „Martha“ ist eine moderne „Effi Briest“-Variation, die klärt, dass sich gar nichts verändert hat. Das tut weh und ist trotzdem gut.

Platz 16: „Gerry“ (USA 2002) von Gus van Sant

Gus van Sants Reise zum Ursprung des Kinos, abseits aller Konventionen. Umso konsequenter, dass diese Reise im Tod endet, der Auftakt zu Van Sants Trilogie über das Sterben.

Platz 15: „Blade Runner“ (GB, HK, USA 1982) von Ridley Scott

Immer noch die innovativste Dystopie der Filmgeschichte, unendlich oft analysiert und interpretiert. Da gibt es Menschen, wie Roboter und Roboter, wie Menschen, die sich Replikanten nennen. Letztendlich müssen alle sterben, nur der Regen, der bleibt.

Platz 14: „In der Glut des Südens“ ( USA 1978) von Terrence Malick

Der deutsche Titel sagt es schon ganz gut. Hier wird Eis geschmolzen. Die innere Kälte der Figuren verbrennt im Zwielicht der Abendsonne, schlichtweg, der schönste Film aller Zeiten.

Platz 13: „Das Fest“ (DK, SE 1998) von Thomas Vinterberg

Hey, das Dogma-Manifest taugt ja doch was und macht sogar inhaltlich Sinn. Das bewies bereits der erste aller Dogmafilme. Die Kamera ist immer ganz nah, hat keinen Abstand und stürzt sich mitten ins Grauen einer dänischen Großfamilie.

Platz 12: „Magnolia“ (USA 1999) von Paul Thomas Anderson

Die Apotheose des Episodenfilms, wenn man P.T. Andersons Jahrhundertfilm überhaupt solchen Genrezuweisungen unterziehen möchte, schiere Überwältigung.

Platz 11: „Crash“ (CA, FR, GB 1996) von David Cronenberg

David Cronenbergs bester Film ist das Manifest einer Gesellschaft, die ihren Ursprung in der Erfindung des Automobils fand und mit der Google-Brille ihre Erfüllung finden wird. Körper und Maschine als absolute Einheit, keine Grenzen und der Orgasmus ist nur einen Hebel entfernt.

Platz 10: „Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen“ (USA 1927) von F.W. Murnau

Angesicht „Sunrise“, fällt es mir schwer nicht lapidare und gehaltlose Floskeln wie „Früher war alles besser!“ und „Das waren noch Filme!“ auszuspeien, denn so elektrisierend und beruhigend-schön ist dieses Werk. Schon im Vorspann wird auf die universelle Geschichte von zeitloser Bedeutung hingewiesen. Handwerklich holt Murnau alles aus dem Medium raus. Die legendären Tracking-Shots beeindrucken noch heute, dazu gibt es die wohl originellsten Zwischentitel, die man je gesehen hat.

Platz 9: „Lawrence von Arabien“ (GB 1962) von David Lean

Der Film beginnt mit dem Mythos Lawrence und endet mit einer rätselhaften Leere, die wieder der allmächtigen Wüste gleichkommt. Und es gibt noch viele andere Geheimnisse, die dieser Film nicht ohne weiteres preisgibt. Tja, so sahen Blockbuster damals aus. Man hat das Publikum nicht nur für voll, man hat es auch auf eine Reise mitgenommen.

Platz 8: „Eine Frau unter Einfluss“ (USA 1974) von John Cassavetes

Der Urvater des amerikanischen Indie-Kinos und die große Gena Rowlands drehten viele gute Filme, aber „Eine Frau unter Einfluss“ wird zurecht als Cassavetes‘ Meisterwerk gehandelt. Die unangepasste und lebensfrohe Mabel kriegt zunehmend Probleme mit ihrer kontrollsüchtigen Umwelt. Selbst ihr Ehemann Nick ist mit Mabels ungefilterter Liebe überfordert. Dieser Film ist ein Schauspielfilm und ein Bankett der Emotionen; unmöglich nicht davon berührt zu werden.

Platz 7: „Sans Soleil – Unsichtbare Sonne“ (FR 1983) von Chris Marker

Ein kleiner Textabsatz wird diesem komplexen Essayfilm definitiv nicht gerecht. Irgendwo zwischen Dokumentation und Science-Fiction erzählt Chris Marker u.a. über das Wesen unserer Erinnerungen, verpackt in ein audiovisuelles Kunstwerk.

Platz 6: „Marnie“ (USA 1964) von Alfred Hitchcock

Zwar würde ich „Vertigo“ als meinen Lieblingsfilm von Hitchcock bezeichnen, doch komme ich nicht umhin Partei für dieses unterschätzte Meisterwerk zu ergreifen, was allzu gerne mit Schlagwörter wie „altbacken“ und „langweilig“ abgestraft wird. „Marnie“ ist eine psychologisch-artifiziell konstruierte Machtfantasie über einen Mann, der eine Frau beherrschen will, mit einem herrlich unsympathischen Sean Connery und einer beeindruckenden Tippi Hedren, die von Hitchcock selbst während der Dreharbeiten sexuell belästigt wurde. Realität und Fiktion gehen hier eine schauderhafte Ehe ein und machen „Marnie“ zu Hitchcocks wahrhaft düsterstem und brutalsten Film.

Platz 5: „Brokeback Mountain“ (USA 2005) von Ang Lee

Ein moderner Klassiker, von dem man heute schon weiß, dass man noch in fünfzig Jahren über ihn sprechen wird. Ang Lees Film ist ein Liebesfilm für jedermann und jederfrau, ganz egal mit wem sie ins Bett steigen.

Platz 4: „Following“ (GB 1998) von Christopher Nolan

Das ist der Grund, warum ich noch an Christopher Nolan hänge. Seine heutigen Filme sind zwar nicht schlecht, aber keiner könnte es mit „Following“ aufnehmen. Dieser Film ist ein Wunder.

Platz 3: „Dogville“ (u.a. DE, DK, SE 2003) von Lars von Trier

Die Exposition ist einfach. Die Geschichte verläuft langsam und das Ziel dieser Reise ist nichts für den schwachen Geist. Am Ende dieses Films wird jeder herausgefordert eine Entscheidung zu treffen, die sein bisheriges Moralverständinis auf den Kopf stellen wird. Lars von Triers perfekt geschriebenes und hochkarätig besetztes episches Film(Theater)stück geht an die Grenzen der Bilder.

Platz 2: „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (GB, IT 1973) von Nicolas Roeg

Oh, ich habe schon so viel zu diesem Film geschrieben und ihn schon so viel abgerungen und dennoch gibt er mir jedes mal wieder etwas zurück, wenn ich ihn in den Player schiebe.

Platz 1: „2001: Odyssee im Weltraum“ (USA 1968) von Stanley Kubrick

Der einzige Film, den ich nach dem erstmaligen Schauen gleich ein zweites Mal geguckt habe. 140 Minuten reine Kinematografie, befreit von allen Dogmata der Literatur oder des Theaters. Keine Psychologien, keine Plots, Twists und Turns, nur Bild und Ton und Andeutungen der alten Filmsprache. Als allumfassende Menschheitsgeschichte deutbar und seinem futuristischen Setting geschuldet, blieb Kubrick nichts anderes übrig als den Film neue Wege gehen zu lassen und sich Gedanken darüber zu machen wie das Kino der Zukunft aussehen mag. Herausgekommen ist „2001“, der beste Film aller Zeiten!

Falls ihr nicht genug von solchen Listen habt, könnt ihr euch ja noch die Top-50 von Philippe (HIER) und Pascal (HIER) zu Gemüte führen.