"Infernal Affairs" (2002)

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Als großer Liebhaber asiatischer Kost muss ich schmerzlich feststellen, wie entäusscht ich doch von diesem Original bin. Mir wurde immer wieder gesagt, wie toll der Film sei, dass „Departed“ zwar gut sei, aber der hier um Längen besser. Doch ich muss einfach das Gegenteil bestätigen. „Departed“ schlägt „Infernal Affairs“ in jedem Bereich. Schauspieler, Kamera, Regie, Musik und Drehbuch.

„Departed“ wird immer wieder vorgeworfen, dass er alle Guten Ideen klaute. Ja, er übernahm vieles von „Infernal Affairs“, doch fügte er entscheidende Dinge hinzu, gab den Charakteren mehr Innenleben, mehr Zeit sich zu entwickeln und legte ihnen genialere Dialoge in den Mund.

Die Schauspieler sind gut, doch sind mir die Typen einfach zu ähnlich. Sowohl vom Aussehen, als auch vom Charakter. DiCaprio war physisch am Ende. Unser asiatischer Freund leidet unter niedlichen Schlafstörungen, die ihn nicht sehr beeinträchtigen. Matt Damon muss sich gegen so viele Zweifler durchsetzen, hat dann irgendwann auch noch seine Frau gegen ihn.

Hier ist alles etwas simpler gehalten. Die Szenen wirken alle sehr gehetzt und manchmal zu undurchsichtig. Bei „Departed“ war alles länger, Spannung konnte sich aufbauen und man wurde viel mehr in das Geschehen hineingezogen. Der größte Lacher ist wohl der uncharismatischste Drogenboss, der mir je untergekommen ist. Man kann gegen Jack Nicholson sagen was man will, aber dieser weiß, wie man einen charmanten, intrigierenden Gangsterboss spielt. Die Musik ist in „Infernal Affiars“ das Beste. Der Score ist großartig. Doch wird dieser fast die ganze Zeit gespielt. Bei Scorsese ist der Score oder Soundtrack immer ein markanter, emotionaler Bruch. Die Liebe hat ihr eigenes Lied, ebenso die Therapiestunde und die Verfolgungsjagden. Alles ist punktgenau. Ich würde fast soweit gehen, zu behaupten dass „Infernal Affairs“ mainstreamiger ist, als „Departed“, denn er ist kürzer, schneller und simpler.

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal ein Ami-Remake einem asiatischen Original vorziehen würde. Abschließend bleibt zu sagen, dass „Infernal Affairs“ bei weitem kein schlechter Film ist, er sich aber doch dem Vergleich mit dem Remake stellen muss und diesen verliert. Auch wenn es kein Remake gegeben hätte, hätte ich von „Infernal Affairs“ genauso wenig bzw. viel gehalten.

Fazit: Ganz guter Polizeithriller, der aber viel zu oft zu einfach und uninteressant gestaltet ist.

Bewertung: 6/10 Sternen