"Dredd" (USA, UK, IN 2012) Kritik – Die eiserne Faust des Gesetzes

„Ich bin das Gesetz“

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Bereits seit 1977 vertritt Judge Dredd das Gesetz in Mega-City One und tut diesem, wenn nötig, auch gleich an Ort und Stelle genüge. Der radikale Richter mit dem klobigen Schutzhelm wurde von Autor John Wagner und dem Zeichner Carlos Ezquerra erschaffen und ist der Held der gleichnamigen Comicreihe, die in der Comic-Anthologie „2000 A.D“ regelmäßig abgedruckt wird. Bereits 1995 versuchte sich Danny Cannon („Goal – Lebe deinen Traum“) mit „Judge Dredd“ an einer Adaption des Comics und besetzte Sylvester Stallone in der Rolle des eisenharten Gesetzeshüters. Doch mit der blutrünstigen, zynischen Comicvorlage hatte diese Verfilmung wenig gemein, wobei der auffälligste Unterschied wohl darin bestand, dass der eigentlich gesichtslose Gesetzeshüter Dredd plötzlich laufend sein Gesicht in die Kamera halten musste. Damit hatte der eigentlich gesichtslose Gesetzeshüter plötzlich das Knautschgesicht von Rocky & Rambo bekommen, was bei vielen Dredd-Fans für Empörung sorgte. Sichtlich näher am Comic ist da schon der Judge Dredd, der sich 2012 durch die Kinosäle ballert. Regisseur Pete Travis („8 Blickwinkel“) hat mit „Dredd“ einen radikalen und bitterbösen Science-Fiction-Actioner geschaffen, an dem nicht nur Freunde der Vorlage ihren Spaß haben dürften.

In der Zukunft regieren Angst und Schrecken die Straßen der Monstermetropole Mega-City One, die sich von Boston bis Charlotte erstreckt und über 400 Millionen Menschen beheimatet. Lediglich die Judges, aufgerüstete Polizisten, die sowohl befugt sind sofort ein Urteil zu fällen, als dieses auch an Ort und Stelle zu vollstrecken, versuchen Ordnung in das Chaos zu bringen. Gemeinsam mit seiner neuen Rekrutin Anderson (Olivia Thirlby) macht sich Judge Dredd (Karl Urban) auf, um einen dreifachen Mord in einem 200 Stockwerke hohen Slum-Komplex aufzuklären. Doch was wie ein Routineauftrag klingt, entpuppt sich bald als Todesfalle…

Zu allererst sei eine Warnung ausgesprochen: „Dredd“ ist nichts für sanfte Gemüter. Wenn hier in Super-Zeitlupe Körperteile von Kugeln durchsiebt werden, oder Gangster mit dem Gesicht voran aus schwindelerregenden Höhen auf dem Boden aufkommen, dann zelebriert Regisseur Pete Travis geradezu die Gewalt. Und auch wenn man diesen eine gewisse Ästhetik nicht absprechen kann, ist es doch verständlich, dass dies nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte. Kann man sich aber damit anfreunden, erwartet einen ein schwindelerregendes Action-Feuerwerk, denn Judge Dredd ist kein Mann vieler Worte, sondern lässt lieber seine Multi-Funktions-Pistole für sich sprechen.

Anders als der ähnlich gelagerte Action-Kracher „The Raid“ schafft es „Dredd“, das hohe Tempo bis zum Ende zu halten. Dies dürfte wohl einerseits der ausgezeichneten Arbeit des britischen Komponisten Paul Leonard-Morgan („Ohne Limit“) zu verdanken sein, dessen treibender Elektro-Soundtrack wohl die perfekte musikalische Untermalung für die dystopische Welt des Judge Dredd darstellt und andererseits dem guten Drehbuch des bekennenden Judge-Dredd-Fan Alex Garland („28 Days Later“, „The Beach“). Denn dieser hat es geschafft, die simple Schlachtplatte zwar auf das Wesentliche zu beschränken, aber dennoch ein paar leise, gesellschaftskritische Untertöne einzuschleusen und ist damit dem Geist der Vorlage durchaus gerecht geworden. Überbevölkerung, Gewalt, Armut, Drogenkonsum, Ghettobildung, Probleme mit den zunehmend korrupten Behörden und das marode Bildungssystem sind nur einige der Aspekte, die in „Dredd“ mal mehr, mal weniger gut zur Sprache kommen.

Karl Urban („Star Trek – Die Zukunft hat begonnen“) gibt seinen Judge als übellaunigen Scharfrichter mit trockenem Witz und macht zumeist eine recht gute Figur. Wie sollte er auch nicht, denn unter dem unförmigen Helm kann man sowieso kaum etwas von dessen Mimik erkennen. Deutlich sichtbar ist lediglich die Mundpartie des grimmigen Rächers, obwohl Urban hier vielleicht den Grundsatz „Weniger ist mehr“ hätte gelten lassen sollen. Denn dieser lässt seine Mundwinkel fast ins bodenlose sinken und erinnert so eher an einen traurigen Clown im schrägen Kostüm, als an den gnadenlosen Arm des Gesetzes.

Wer sich bis dato immer beschwert hat, dass der 3D-Effekt im Kino viel zu kurz kommt, sollte sich „Dredd“ unbedingt in 3D anschauen, denn hier bekommt der Zuschauer echtes „Rummel“-3D geboten: So stürzt der Zuschauer nicht nur gemeinsam mit einem Verbrecher in von einem Geländer und schwebt sekundenlang in wahrhaft schwindelerregenden Höhen, sondern kriegt auch jede Menge Kugeln um die Ohren geschossen. Und auch die zahlreichen Aufnahmen in Super-Zeitlupe sind ein echter Leckerbissen für jeden 3D-Fan.

Fazit: Judge Dredd hat erfolgreich seinen Weg zurück auf die Leinwand gefunden und präsentiert sich härter und dreckiger als jemals zuvor. Wer also mal wieder Lust auf einen schonungslosen Actíoner mit eindrucksvollen Schauwerten hat, ist bei „Dredd“ genau richtig.

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