Schlagwort: Französischer Film

Kritiken

"Mutants" (FR 2009) Kritik – Die Menschheit am Abgrund, doch die Liebe bleibt

Autor: Pascal Reis „Du musst verhindern, dass ich so werde wie sie.“ Selbstverständlich hat „Mutants“ das Zombie-(Sub-)Genre nicht neu erfinden können, der Franzose David Morley aber hat es immerhin zustande gebracht, der durch unzählige Ausformungen schon reichlich trivialisierten Thematik um carnivorische Wiedergänger und virulente Infektionskrankheiten Facetten abzuringen, die über den 'Gefressen und gefressen werden'-Topos hinausgehen. Dass sich das französische (Horror-)Kino im Jahre 2009 ohnehin in eine rein auf das Genre bezogene Vormachtstellung zurechtrückte und durch heftige Reißer wie „High Tension“, „Inside – Was sie will ist in dir“ und „Martyrs“ wiederholt in Sachen Schonungslosigkeit und inszenatorischer Stringenz aus dem Output des internationalen Marktes herausstach, l...
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"Eyjafjallajökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm" (F, 2013) Kritik – Mit gegenseitigem Hass von München nach Korfu

Autor: Sebastian Groß „Du darfst doch gar nicht fliegen, mit deinen falschen Titten.“ Asche wirbelt umher, eine Wolke aus Ruß und giftigem Dampf rollt unaufhaltsam über die angesengte Landschaft, Brocken aus Stein und Hitze rasen wie Kometen durch die Luft und zerschmettern alles, was sie treffen: Häuser, Autos, den Asphalt der Straßen, auf den die Menschen voller Verzweiflung schreiend um ihr Leben fliehen. Ihre Heimat war einmal, denn ein Vulkan zerstört mit seiner gewaltigen Kraft alles, was in seiner Nähe ist. Was bleibt ist Chaos, Vernichtung und Tod. So würde die Beschreibung einer Katastrophenfilms klingen, in dem ein feuerspeiender Vulkan der Grund dafür ist, dass die Helden um ihr Überleben kämpfen. Bei „Eyjafjallajökull“ (wer den Titel fehlerfrei aussprechen kann sollte überleg...
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"Wrong" (FR, USA 2012) Kritik – Über die Falschheit der Dinge

Autor: Stefan Geisler "I don't know how it happened, or why, but the palm tree is no longer a palm tree." Der französische Filmemacher Quentin Dupieux ist momentan DER Regisseur, wenn es um absurdes Kino geht. Dupieux ignoriert konsequent alle Genre-Konventionen und setzt sich gekonnt zwischen alle Stühle. Doch auch wenn seine Filme auf den ersten Blick ein wenig wirr wirken mögen, während der Produktion besteht der Regisseur auf Perfektion und lässt sich dementsprechend auch nicht die Zügel aus der Hand nehmen. Drehbuch, Regie, Cut und Kamera - Quentin Dupieux ist ein echter Alleskönner in Sachen Filmproduktion. Auch die musikalische Untermalung stammt vom Regisseur höchstpersönlich, schließlich ist Quentin Dupieux ein begnadeter Musiker, der unter seinem Alias Mr. Oizo immer wieder mus...
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"Lohn der Angst" (FR/IT 1953) Kritik – Die Angst zerfrisst uns alle

Autor: Pascal Reis "Ihr wisst nicht was Angst ist. Ihr werdet sehen. Die Angst überfällt einen wie die Pocken. Und wer sie kriegt, behält sie für sein Leben." Las Pietras, Venezuela. Ein staubiges Kaff am Ende der Welt. Bevölkert von heimatlosem Pack. Gesindel, Tagelöhner, Verstoßene, immer auf der Suche nach dem schnellen Geld; mit der leisen Hoffnung bepackt, diesem tristen Elend im südamerikanischen Nirgendwo schnellstmöglich zu entfliehen. Heldenhaft wirkt hier niemand, vom Leben gezeichnet sind sie hingegen alle. Auftakt für „Lohn der Angst“. Auftakt für einen der spannendsten Filme, der je auf Zelluloid gebannt wurde. Henri Clouzot lässt sich fast 45 Minuten Zeit um dem Zuschauer die wichtigen Figuren vorzustellen, ohne ihre Charakteristika vollends zu entblättern. Als große Stärke...
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"Alphaville – Lemmy Caution gegen Alpha 60" (FR/IT 1965) Kritik – Godard und die gegenwärtige Zukunft

Autor: Pascal Reis "I refuse to become what you call normal." Jean-Luc Godard spaltet die Gemüter mit provokativer Vorliebe. Dabei stellt er für den Großteil der Filmliebhaber so etwas wie den eindrucksvollsten Virtuosen der Filmgeschichte dar, der durch sein gezieltes Vorstoßen gegen herkömmliche Sehgewohnheiten nicht nur an die Fiktion der Illusion des Kinos erinnert und dadurch auf jede tradierte Regel gepfiffen hat, sondern auch durch sämtliche (Re-)Zitierungen und Referenzen aus den verschiedensten Kunstbereichen seinen Platz als unantastbarer Visionär im Herzen der Cineasten gesichert hat. Auf der anderen Seite steht allerdings ein Haufen stirnrunzelnder Zweifler, die Godards filmhistorische Bedeutung ohne Wenn und Aber in ihrem vollem Ausmaß akzeptieren, die Gegenliebe des Publi...
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“Mademoiselle Populaire” (FR 2012) Kritik – Hollywood-Kitsch made in France

Autor: Philippe Paturel "Das Einzige, worin ich wirklich gut bin, ist auf der Schreibmaschine." Rose Pamphyle ist alles andere als zufrieden mit ihrem Leben. Immerzu muss sie im Dorfladen ihres Vaters aushelfen. Wenn es nach ihm geht, soll seine Tochter ein ganz normales Leben zu Hause in ihrem Geburtsort in der Normandie führen. Rose träumt jedoch von mehr. Sie möchte eines Tages gerne in eine Großstadt, am besten nach Paris ziehen und dieses langweilige Landleben hinter sich lassen. So kommt es, dass sie sich eines Tages für den beliebtesten Frauenberuf der 50er Jahre bewirbt. Sie möchte Sekretärin werden. Damit, dass sie der beliebte Anwalt Louis Échard wirklich anstellen würde, hatte Rose jedoch nicht gerechnet. Es ist der Anfang einer ungewöhnlichen Beziehung mit einigen Tiefen und...
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"Haus der Sünde" (FR 2011) Kritik – Das Ende der Belle Époque

"Ich bin so müde. Ich könnte tausend Jahre schlafen." Würde man heute auf die Straßen Deutschlands gehen und die Bürger nach den persönlichen Meinungen über die Prostituierten und die Prostitution selbst befragen, dann dürfte man drei ganz klare Reaktionen zu Gesicht bekommen. Im ersten Fall zeigen die Befragten eine gewisse Abscheu gegenüber der Tätigkeit, während andere desinteressiert abwinken und von dem Thema und den beteiligten Menschen bloß keinen Platz im eigenen Leben gewähren. Andere würden, wenn wir mal von den pubertären Quacksalbern absehen, die der Prostitution wohl nur ein lautes Lachen zur Verfügung stellen würden, mit rotem Kopf ebenfalls das Weite suchen, während sie sich ertappt fühlen und sich bestmöglich aus der Lage reden wollen. Schlimm sind immer nur die Menschen...
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"Livid" (FR 2011) Kritik – Das Blut der Ballerinas

"Mach den Fehler bloß nicht nachts." Das elendige Thema um den heutigen Stand des Horror-Genres nimmt einfach kein Ende. Die Sterne stehen natürlich schon seit einigen Jahren in aller Deutlichkeit gegen die neue Horror-Welle, die sich aus stumpfen Torture Porns und schnöden Found Footage-Langweilern zusammensetzt und in Sachen Innovation und Kreativität zumeist grässliche Totalausfälle sind. Ausnahmen bestätigen die Regeln, das wird auch immer so sein, und Filme wie „All the Boys Love Mandy Lane“ oder „The Cabin in the Woods“ wissen dank genreaffiner Inszenierung und Liebe zum Medium überaus zu gefallen. Dennoch macht es heutzutage den Anschein, als würde man sich nur noch im Kreis bewegen und bestenfalls alle Schaltjahre mal wieder einen überzeugenden Knaller vorgesetzt bekommen. Das p...
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"Liebe" (FR 2012) Kritik – Wenn das Altern zum Horror wird

Autor: Philippe Paturel Sicherlich gibt es einige klare Definitionen des Begriffs „Liebe“. Wenn man jedoch mehrere Personen fragen würde, was speziell für sie „Liebe“ bedeutet, so würde man mit Sicherheit verschiedenste Antworten zu hören bekommen. Für den einen ist die Liebe das sich ergebende Gefühl aus der Identifikation mit einem anderen Menschen, gegenseitige Anerkennung und wechselseitiges Verständnis. Für andere bedeutet es, sich bei der besseren Hälfte geborgen zu fühlen, egal wann und wo. Haneke hat nun eine Einsicht auf die „Liebe“ geöffnet, über die sich bisher wohl die wenigsten von uns Gedanken gemacht haben. 70 Jahre hat der österreichische Regisseur bereits auf dem Buckel. Und das vermittelt er überdeutlich. Persönlicher hätte seine neueste Arbeit kaum ausfallen können, d...
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"7 Days" (FR 2010) Kritik – Die schwere Reise in eine geschundene Seele

"Madame wollte ja vögeln. Und während du deinen verdammten Orgasmus hattest, hat er unsere Tochter im Feld vergewaltigt! SO war's!" Selbstjustiz, Rache und Vergeltung. In der Filmwelt sind das längst wichtige und beliebte Themen. Filme wie '96 Hours', 'Ein Mann sieht rot', 'Kill Bill Vol. 1' & 'Vol. 2', 'Harry Brown', 'The Horseman' und auch 'Mystic River' sind einige Vertreter des Genres, die sich auf unterschiedlichen Wegen dieser schwierigen Thematik annehmen. Ob mit bloßer Gewalt und einem erbarmungslosen Feldzug durch Reihen von Gegnern, oder langsam, nachhaltig und emotional bis zum bitteren Ende. Sicher haben beide Seiten ihre Reize, doch die moralischen Fragen sind unumgänglich. Im Jahr 2010 schenkte uns Frankreich noch einen neuen Beitrag zum vielschichtigen Rache-Genre. Die Re...