Kritik: The Nice Guys (USA 2016)

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© EuropaCorp Distribution

– Dad, there are whores here n’stuff.

– Don’t say `n’stuff´. Just say: `Dad, there are whores here.´

Als Teil der sehr-präsenten, leicht-aufdringlichen Werbekampagne für „The Nice Guys“, dem neuen Shane Black Film, wurde ein authentischer 70er-Jahre Retro-Trailer geschnitten, der vor allem auf Sozialen Netzwerken seine Runden machte. Dieser kurze Trailer stellt, meiner Meinung nach, die perfekte Verkörperung von Blacks Filmkonzept dar: Eine detailreiche Hommage an die Neo-Noir-Detektiv-Thriller („Dirty Harry“, „The Long Goodbye“ & „Night Moves“) der 70er Jahre, liebevoll für eine neue Generation nachgemacht. Black hat in diesem Metier schon reichlich Erfahrung, schließlich war er als Autor der ersten zwei „Lethal Weapon“ Filme und „The Last Boy Scout“ maßgeblich an dem kurzen Wiederaufleben dieses Genres beteiligt. Nach seinem Regiedebüt „Kiss Kiss Bang Bang“ und einem kurzen Blockbuster-Abstecher („Iron Man 3“) versucht er den besonderen Reiz dieses altertümlichen Genres für sein Marvel-Publikum verständlich zu machen. Mit „The Nice Guys“ gelingt Black eine unterhaltsame Neuinterpretation, ein bunter Mischmasch aus Einflüssen und Stilrichtungen. Perfekter Stoff für einen Retro-Trailer mit Viral-Hit-Potential!

Los Angeles in den 70er Jahren: Wo ist Amelia? Und was hat ihr verschwinden mit dem Tod des berühmten Porno-Stars Misty Mountains (Murielle Telio) zu tun? Privatdetektiv Holland Marsch (Ryan Gosling) ist diesem Fall seit einiger Zeit mit mäßigem Erfolg auf der Spur, als der Auftragsschläger Jackson Healey (Russell Crowe) in sein Haus platzt, ihn verprügelt und ihm klarmacht, dass er die Finger von Amelia lassen soll. Das unterstreicht er, indem er Marsch den Arm bricht. Kein guter Start für eine Partnerschaft. Und doch finden sich die beiden trotzdem bald im gleichen Boot, auf der Suche nach der verschwundenen Amelia (Margaret Qualley). Der Fall bringt sie mit der geheimnisvollen Pornoindustrie L.A.s, einer einflussreichen Staatsanwältin und skrupellosen Auftragskillern in Kontakt. Und dann haben sie auch noch Marschs pubertierende Tochter Holly (Angourie Rice) im Schlepptau.

Wir fliegen am ikonischen Schriftzug des Hollywood Signs vorbei auf die Dächer L.A.s zu. Wir sehen die Autos, die Werbeschilder, die Menschen auf der Straße… alles verdeutlicht uns, auf unmissverständliche Art und Weise, dass wir uns tatsächlich in L.A. im Jahr 1977 befinden. Aber natürlich sind wir das nicht. Die, vollends im Computer generierte, Kamerafahrt ist eine Version von L.A., die wir nur aus Filmen kennen. Der ganze Film wurde an der falschen Küste in Atlanta gedreht. Doch Black kennt den Reiz des hippen Retro-Looks der 70er, er weiß den Kult-Charakter beliebter Privatdetektiv-Filme nachzuahmen. So setzt er auf kleine Details: Film- und Werbeplakate, abgesetzte Softdrinks und skurrile Modetrends. Nur die Sprache bleibt zeitgenössische, der Humor ist modern, selbst-reflexiv und krass, mit einem leichten Improvisations-Flair. Fast wie in einem Seth Rogen Film. Dieser anachronistische Bruch trägt, statt die Illusion komplett zu zerstören, viel mehr zu dem Gefühl bei, dass wir uns in einer künstlich-authentischen Welt bewegen. Eine liebevolle Hommage, die jedoch revisionistisch den Stil, die Erinnerung an das längst-verstorbene Genre, an eine neue Zeit der ständig-ironischen Smartphone-Generation anpasst.

In diese Welt kommen nun also Gosling und Crowe, zwei renommierte Schauspieler, die als Comedy-Duo unerwartet gut funktionieren. Nach Murtaugh (Danny Glover) und Riggs (Mel Gibson) hat Black mit Marsch und Healey ein weiteres Buddy-Team erschaffen, welchem man stundenlang beim Streiten zuschauen könnte. Der Film leidet in den ruhigen Momenten, die Black der Figurenentwicklung widmet. Sobald die manische Energie der Ermittlung wegfällt, werden die Schwächen von Blacks Konstrukt deutlich erkennbar.  Die oberflächlichen Reize seiner Hommage sind eben nur das: oberflächlich. Für das große Finale, eine wunderbar-chaotische Aktionsequenz, ist eine größere Tiefe in der Figurengestaltung jedoch nicht nötig. „The Nice Guys“ ist kurzweilig, bezieht seinen Unterhaltungswert aus den vielen Filmen die er zitiert, und ist gerade deswegen so unterhaltsam.