"Ted" (USA 2012) Kritik – Mark Wahlberg steht auf Kuschelbären

Zum Kinostart von Seth MacFarlanes erstem Kinofilm „Ted“ haben wir heute zwei Meinungen für euch. Den Anfang macht die Kritik von Seth MacFarlane-Fan Jervis-Tetch:

„Life ain’t nothin‘ but bitches and honey.“

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Der Teddybär ist das Symbol für die Unschuld aller Kinder. Dieser schweigsame, treue Wegbegleiter durch die wohl prägendste Lebenszeit eines jeden Kindes ist wohl in fast jedem Kinderzimmer der Welt anzutreffen. Benannt wurde dieser plüschige Geselle übrigens nach dem amerikanischen Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt, da sich dieser während einer Jagd weigerte, einen Schuss auf ein angebundenes Bärenjunges abzufeuern. Ausgerechnet der Family-Guy-Schöpfer Seth MacFarlane nimmt sich nun dieses liebenswürdigen Plüsch-Gesellen an und macht ihn kurzerhand zum Helden seines ersten Kinofilms „Ted“. Und wie von MacFarlane nicht anders zu erwarten gibt es hier statt „Friede, Freude, Eierkuchen“ und Feel-Good-Comedy jede Menge Anarcho-Humor, zotige Witze und wilde Drogen-Partys. Mit „Ted“ zeigt Seth MacFarlane einmal mehr, warum seine Serien „Family Guy“ und „American Dad“ den Simpsons inzwischen längst den Rang abgelaufen haben. Die Mischung aus pythoneskem Humor, politischen Unkorrektheiten und Pop-Kultur-Anspielungen im Minutentakt, sind die Elemente, die auch „Ted“ zu einer gelungenen Komödie machen.

Als Kind wünschte sich John (Mark Wahlberg) nichts so sehr, wie einen echten Freund. Doch zu den Kindern in seinem Viertel fand der eigenbrötlerische Junge einfach keinen Anschluss. Doch in einer magischen Weihnachtsnacht sollte der Wunsch des kleinen John endlich in Erfüllung gehen: Auf magische Weise erwacht plötzlich Teddybär Ted (Stimme: Seth MacFarlane) zum Leben. Viele Jahre später lebt John gemeinsam mit seinem Bären in einer äußerst chaotischen Wohngemeinschaft zusammen, denn während John wenigstens versucht sein Leben auf die Reihe zu kriegen, verbringt Ted den lieben Tag damit Gras zu rauchen und wilde Nutten-Partys zu schmeißen. Damit muss Schluss sein, findet Johns Freundin Lori (Mila Kunis) und stellt John vor die Wahl. Bär oder Freundin, wie wird sich John entscheiden?

Wenn Kinderträume wahr werden… Die Grundidee zu „Ted“ ist so simple wie genial: Aus einem Weihnachtswunsch heraus wird dem Teddy Ted über Nacht Leben eingehaucht – Ein echtes Weihnachtswunder eben. Was in einem anderen Film an Kitsch kaum zu überbieten wäre, dient MacFarlane als Ausgangspunkt eines haarsträubenden „Was wäre wenn…“-Szenarios. Denn aus dem eben noch so knuffig-niedlichen Teddybären wird über die Jahre ein kiffender Vollzeit-Taugenichts, der sich lieber mit seinem besten Freund/Besitzer John schon morgens auf der Couch die Teddy-Rübe zuballert, anstatt sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Dabei haut der scheinbar komplett schmerz- und schamfreie Bär auch noch einen derben Spruch nach dem nächsten raus. Teddy-Bären sind eben auch nur Menschen.

Dass dabei nicht jeder Spruch sitzt, ist klar, dennoch erzielt MacFarlane mit seinem zotigen Humor eine erstaunlich hohe Trefferquote. Das liegt in erster Linie wohl daran, dass er wieder einmal seinen Hauptcharakter selber synchronisiert hat. Glücklicherweise muss man sagen, denn MacFarlane weiß, wie man allein durch die richtige Betonung und gutes Timing einen müden Schenkelklopfer in einen echten Kracher verwandelt. So verwandelt sich fast jede Szene mit dem derben Bären in ein echtes Comedy-Highlight und bietet damit einen gelungenen Ausgleich zur stellenweise ungemein kitschigen Love-Story zwischen Mark Wahlberg und Mila Kunis.

Es ist aber nicht so, als hätten Mark Wahlberg und Mila Kunis nicht ihre guten Momente. Besonders Mark Wahlberg, der seine Rolle durchweg bierernst spielt, hat in vielen Szenen die Lacher auf seiner Seite. Und spätestens wenn der renommierte Hollywood-Star gemeinsam mit Ted lautstark den „Thunder-Song“ anstimmt, hat man die beiden Vollchaoten vollends in sein Herz geschlossen. Im Kontrast zur sonst so abgedrehten Geschichte über den Umgang mit einem sprechenden Kuscheltier steht die erstaunlich biedere Liebesgeschichte zwischen Mark Wahlberg und Mila Kunis. Zu abgedroschen und konventionell wirkt diese Lovestory, als dass ein fluchender Bär etwas daran ändern könnte. Und so verliert sich „Ted“ besonders in der zweiten Hälfte zu oft in belanglose Herz-Schmerz-Probleme, was sich natürlich negativ auf Tempo Witz des Films auswirkt.

Ein weiteres Highlight in „Ted“ sind die Cameo-Auftritte von Flash-Gordon-Darsteller Sam J. Jones, Soul-Ikone Norah Jones und Schauspieler Ryan Reynolds. Hier ist sich keiner für einen Scherz zu schade und besonders die Achtziger-Jahre-Ikone Sam J. Jones und dessen Kult-Film „Flash Gordon“ werden in diesem Film so frenetisch gefeiert, dass man jedem Kinogänger nur raten kann, sich vor „Ted“ diesen Film noch einmal anzuschauen, um sämtliche Anspielungen vollends zu verstehen.

Fazit: Dieser Bär macht einfach Spaß! Wenn man über die etwas seichte Liebesgeschichte hinwegblicken und mit dem Humor des Family-Guy-Schöpfers etwas anfangen kann, erwartet einen mit „Ted“ eine der abgefahrensten Komödien des Kinojahres 2012.

Bewertung: 7/10 Sternen

nullUnd hier die Meinung von unserem Autor Souli:

Jeder Mensch hat in seiner Kindheit mit seinen Kuscheltieren gesprochen. Genau wie sich jeder Mensch gewünscht hat, dass das geliebte Kuscheltier endlich zum Leben erweckt und ein ganz normaler Freund wird, mit dem man spielen und sprechen kann. In „Ted“ wird dieser Wunsch wahr, doch der süße Teddybär bleibt nicht immer unschuldig und freundlich wie bei seiner Auferstehung, sondern wird zum verzogenen wie sexistischen Kiffer, der am liebsten mit seinem Kumpel John auf der Couch abhängt und über sinnlose Dinge quatscht, die sich meistens rund um das Thema Sex drehen. Doch John ist 35 und muss endlich erwachsen werden, denn sonst läuft ihm nicht nur sein eigenes Leben davon, sondern auch seine Freundin Lori, die langsam die Nase voll hat von der pubertären Beziehung zwischen John und seinem Kuschelkumpanen.

Eines steht hier fest: Wer den Humor von der amerikanischen Erfolgsserie „Family Guy“ mag, der wird mit „Ted“ viel Spaß haben, denn Regisseur Seth MacFarlane, der ebenfalls der Schöpfer der Serie war, lässt hier genau das einfließen, was „Family Guy“ ausmacht, wenn auch nicht durchgehend mit dem fiesen Biss der Serie. Die Späße gehen hier nicht nur ab und an unter die Gürtellinie, sondern suhlen sich in ihrem vulgären Saft und überschreiten dabei natürlich treffsicher so manche Geschmacksgrenzen. Wer damit ein Problem hat, der wird auch mit „Ted“ schnell seine Probleme bekommen. Die Gags sitzen dennoch, vorausgesetzt, man kann mit ihnen umgehen, genau wie John und der niveaulose Teddy schnell die Sympathien auf sich ziehen können. Es bleibt aber natürlich nicht auf dieser Ebene und Ted lässt sich von der 08/15-Beziehungskrise zwischen John und Lori kontrollieren, die die Reibungen zwischen John und Ted ebenfalls weiter anstacheln. Zwar schafft es MacFarlane in diesen Szenen auch den dramatischen Ton durchaus zu treffen, doch gesehen hat man das inzwischen oft genug, dementsprechend vorhersehbar sind auch der Verlauf der Geschichte und der schlussendliche Stand der Beziehungen.

Das klare Highlight des Films ist der zügellose Teddy, denn wenn MacFarlane ihn von der Leine lässt, dann sind die großen Lacher garantiert. „Ted“ ist respektloses, derbes, aber trotzdem liebenswertes Unterhaltungskino, voller Anspielungen und schöner Cameos, welches zwar eine Standard-RomCom mit sich bringt, aber durch seine politische Unkorrektheit und die herrliche Überspitztheit des Teddys einfach viel Laune macht, wenngleich er nicht das große Highlight ist und ganz bestimmt keine nennenswerte Rolle in der Filmwelt spielen wird. Anschauen, abschalten und den kurzweiligen Spaß mit Freunden genießen.

Bewertung: 6/10