Kritik: Teen Titans Go! To the Movies (USA 2018)

Titans! Why did you do that to Superman? He’s a national treasure!

Wenn die Pressevorführung eines Films gerade einmal anderthalb Tage vor dem Kinostart gezeigt wird, dann lässt das nichts Gutes erahnen. Die gezeigten Filme entpuppen sich – wenig überraschend – zumeist als cineastische Gurken, die im Vorfeld des Kinostarts möglichst wenig mediale Aufmerksamkeit erzeugen sollen, damit zumindest ein paar verirrte Seelen in den Film stolpern. Im Falle von Teen Titans Go! To the Movies hat der deutsche Verleih dem Film mit diesem Vorgehen aber keinen Gefallen getan. Die Hochgeschwindigkeits-Animationskomödie verfügt nicht nur über eine treue Fanbase, sondern hätte, mit ein wenig mehr Vorlauf, sicherlich auch neue Zuschauer in die Kinos locken können. Die hyperaktive Persiflage auf das Superheldengenre verfügt über eine überraschend hohe Gag-Trefferquote, liebevolle Charaktere und durchgeknallte Musical-Einlagen. Zwar richtet sich Teen Titans Go! To the Movies in erster Linie an ein jüngeres Publikum, DC-Fanboys und Freunde des Kifferhumors dürften bei dem bunten Treiben aber ebenso auf ihre Kosten kommen.

Robin (Stimme im Original: Scott Menville), Cyborg (Khary Payton), Raven (Tara Strong), Starfire (Hynden Walch) und Beast Boy (Greg Cipes) sind die Teen Titans – Superhelden in spe, die jedoch von ihren Vorbildern nicht für voll genommen werden. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Kindsköpfe allzu oft von infantilen Albernheiten ablenken lassen… oder vielleicht liegt es auch nur daran, dass noch kein Superheldenfilm über sie gedreht wurde. Richtig, das wird es sein. Und warum wurde noch kein Film über die Teeniehelden gedreht? Genau, ihnen fehlt ein würdiger Gegenspieler, eine Nemesis! Also macht sich die Truppe um Anführer Robin auf, um einen geeigneten Widersacher zu finden. Fündig werden sie in Oberschurke Deathstroke aka Slade (Will Arnett), der das Team mit seiner fiesen Gedankenmanipulation vor ungeahnte Herausforderungen stellt.

Das Regie-Duo Aaron Horvath und Peter Rida Michail hat mit der Kino-Adaption der hyperaktiven Cartoonserie Teen Titans Go! etwas außergewöhnliches geschafft, denn der schmal budgetierte Animationsfilm ist einer der wenigen DC-Filme, die bei Rotten Tomatoes einen Score über 90% erzielen konnten. Das gelang in den letzten Jahren lediglich Wonder Woman und The Lego Batman Movie. Also eben genau jene Filme, die die düster-grimmige Ausrichtung des DCEU entweder ignoriert haben, oder das Bad-Boy-Image gezielt aufs Korn nahmen. In diese Kerbe schlägt auch Teen Titans Go! To the Movies, denn hier werden nicht nur die DC-Superhelden, sondern auch die Produktionspolitik des DCEU aufs Korn genommen. Superhelden werden hier zu kamerageilen Luftikussen, deren heroischer Stellenwert im Superheldenkosmos sich nur noch durch den Erfolg der aktuellen Kinoumsetzungen und nicht mehr über die eigenen Heldentaten bemisst.

Um in den vollen Genuss aller Witze und Anspielungen zu kommen, die hier im Sekundentakt abgefeuert werden, ist es durchaus von Vorteil, mit den entsprechenden Vorlagen vertraut zu sein. Wer nicht in gänzlich in der Materie steckt, wird einige gelungene Filmreferenzen und Insider-Jokes schlichtweg verpassen. Das macht den Film nicht unbedingt schlechter, besser amüsieren sich aber in jedem Fall Comic-Aficinados. Ikonischen Filmszenen („MARTHA!“) und verballhornte Origin-Storys finden hier ebenso ihren Platz wie Seitenhiebe auf Konkurrenten Marvel. Besonderen Spaß bereitet aber das ausgefallene Figurenensemble: Hier bekommt jeder der obskuren Helden und Superschurken, die im Laufe der Jahre in Vergessenheit geraten sind, seinen Auftritt. Wer kennt heute noch die furchteinflößenden Superschurken Rainbow Raider, Ballon Man oder die auffällig unauffällige Heldentruppe Challengers of the Unknown? Wenn dann auch noch Stan Lee vorbeischaut und seinen obligatorischen Cameo-Auftritt (im falschen Comic-Universum) abliefert und Nicolas Cage in die ihm lange verwehrte Rolle des Superman schlüpfen darf, ist der Nerd-Overkill erreicht. Bei so viel vergnüglichem Schwachsinn ist es kaum möglich, den Film nicht zu mögen.(Jedem, der mehr darüber erfahren möchte, wie Nicolas Cage in einem Tim-Burton-Film fast in die Rolle des Superman geschlüpft wäre, kann ich nur die Dokumentation The Death of „Superman Lives“: What Happened? ans Herz legen)

Fazit: Das Regie-Duo Aaron Horvath und Peter Rida Michail schickt den Zuschauer mit Teen Titans Go! To the Movies auf eine wilde Achterbahnfahrt quer durch das gesamte DC-Comic-Universum. Zwar geht dem überdrehten Spektakel im letzten Drittel die Puste aus, dennoch ist der hyperaktive Animationsfilm ein Geheimtipp für alle Liebhaber der Materie.

P.S.: Freunde der ursprünglichen Teen-Titans-Serie sollten während des Abspanns unbedingt sitzen bleiben.

Teen Titans Go! To the Movies startet am 16. August 2018 deutschlandweit in den Kinos.

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