Schlagwort: Kritik

Kritik: Quo Vadis, Aida? (BIH 2020) –  Die offene Wunde Europas
Demnächst im Kino, Drama, Kritiken

Kritik: Quo Vadis, Aida? (BIH 2020) – Die offene Wunde Europas

Eine Gastkritik von Sascha Böß In der für den besten fremdsprachigen Film Oscar-nominierten internationalen Koproduktion Quo Vadis, Aida erzählt die bosnische und mehrfach ausgezeichnete Regisseurin Jasmila Žbanić (Esmas Geheimnis, 2006; Zwischen uns das Paradies, 2010) die folgenschweren Ereignisse um Srebrenica während des Bosnienkriegs im Juni 1995, die später als Völkermord bzw. Genozid von Srebrenica in die europäische Geschichte eingehen sollten, bei dem mehr als 8000 muslimisch-bosnische Jungen und Männer im Alter von 13-78 Jahren ermordet wurden. Was dieses Drama dabei von Anfang an von anderen Kriegsfilmen unterschiedet, ist die weibliche Perspektive und das in gleich dreifacher Hinscht: Nicht nur die Regisseurin und die Kamerafrau (Christine A. Maier) bestimmen unseren Blickw...
Cannes-Kritik: Benedetta (FR 2021) – Paul Verhoevens Nonnensploitation
Demnächst im Kino, Drama, Festivals, Französischer Film, Kritiken

Cannes-Kritik: Benedetta (FR 2021) – Paul Verhoevens Nonnensploitation

- gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 74. Internationalen Filmfestspiele von Cannes - Extraordinary accusations require extraordinary evidence. Wie gut kann ein Film schon sein, der mit pupsenden Nonnen in einem mittelalterlichen Kloster startet, die sich obendrein gegenseitig mit einem Dildo verwöhnen, der in eine hölzerne Madonnafigur geschnitzt ist? Das ist selbstverständlich vulgär. trashig und ein ziemlich unsubtiler Giftpfeil gegen religiöse Alltagsstrukturen. Doch in der neusten Regiearbeit des niederländischen Enfant Terrible Paul Verhoeven (Starship Troopers, Robocop*) sind das eigentlich nur Randnotizen, welche beim Publkum für schallendes Gelächter sorgen. Hinter all den Obszönitäten und der überspitzten Gewalt, die in Benedetta dargeboten wird, steckt jedoch wieder ei...
Kritik: Mulholland Drive (US/FR 2001) – Lynchs Meisterwerk bald in 4K
Drama, DVD & Bluray, Kritiken

Kritik: Mulholland Drive (US/FR 2001) – Lynchs Meisterwerk bald in 4K

Hey, pretty girl, time to wake up. 1999 standen die verwirrten Fragezeichen mal wieder über den Köpfen des Zuschauers. Wenn man nun noch die Information erhält, dass es sich in diesem Jahr um einen Film von Regisseur David Lynch handelte, dann sollte der Groschen gefallen sein, doch dieses Mal war es vollkommen anders. Mit seinem Road-Movie-Drama The Straight Story, in dem David Lynch Richard Farnsworth einen großen Auftritt schenkte, ging der Filmemacher einen sensiblen und philosophischen Weg, der über das Leben und das Alter erzählte und in jeder Szene pures Gefühl übertragen konnte. Seltsam daran ist auf den ersten Blick natürlich gar nichts und auch dieser Film ist bis heute ein besonderes Stück Kino, doch betrachtet man die gesamte Filmografie von Mr. Lynch, dann ist die Überrasch...
Kritik: Nomadland (USA 2020)
Drama, Im Kino, Kritiken

Kritik: Nomadland (USA 2020)

Mein Dank für diese englischsprachige Gastkritik geht an Cliff Galiher, Filmexperte & -liebhaber aus Kalifornien, der Nomadland im September 2020 digital im Rahmen des 45. Toronto International Film Festival gesehen hat. I’m not homeless, I’m just houseless. Chloé Zhao continues to weave a cinematic tapestry from the vast heartland of America. As Nomadland begins, Fern (Frances McDormand) is leaving her home in the small factory town on the edge of the Nevada desert, just as it ceases to exist - the factory offering the majority of the local jobs has closed, everyone has gone and the postal code has been discontinued. Piling her household into a storage facility and her most essential treasures and provisions into a white van, she sets off onto the endless road. Fern seems well sui...
Kurzfilm-Tipp: Ein andalusischer Hund (FR 1929) – Der Ursprung des filmischen Surrealismus
Französischer Film, Kritiken, Kurzfilme

Kurzfilm-Tipp: Ein andalusischer Hund (FR 1929) – Der Ursprung des filmischen Surrealismus

Der Ursprung des filmischen Surrealismus. Ein andalusischer Hund, der 1929 seine Uraufführung in Paris feierte, ging als erster Skandalfilm in die Kinogeschichte ein und prägte das Horror- und Fantasykino nachhaltig. Auch heute noch hat Luis Buñuels Avantgardefilm nichts von seiner Kraft verloren und schafft es, fast ein Jahrhundert später, immer noch die Leute ohne Halt in seinen völlig eigenwilligen, aber doch so anziehenden Bann zu reißen. Luis Buñuel wollte hier einen seiner Träume und einen Traum des Künstlers Salvador Dali verfilmen und verweben. Ab hier enthält der Text Spoiler, am besten ihr schaut euch daher zuerst unten den Film an. Die berühmte Anfangsszene, in der einem Mädchen mit einem Rasiermesser das Auge durchtrennt wird, gehört zu den unvergesslichsten Momenten der Fi...
Kurzfilm-Tipp: The Horribly Slow Murderer with the Extremely Inefficient Weapon
Horror, Komödie, Kurzfilme

Kurzfilm-Tipp: The Horribly Slow Murderer with the Extremely Inefficient Weapon

>>> Mehr Kurzfilm-Tipps <<< Man glaubt heutzutage ja immer wieder, dass man als Zuschauer bereits alles gesehen hat. Nichts kann noch überraschen, nichts kann noch vom Hocker hauen und der große Überraschungseffekt wird zur Seltenheit. Gerade im Horror-Genre kann man dieses Gefühl nicht abschütteln, denn von den Zombies, über Vampire bis zu Mörderpuppen hatten wir schon alles. Genau wie wir auch schon gesehen haben, wie besagte Monster, Mörder und Bösewichte jegliche Instrumente für ihre Taten benutzt haben. Macheten, Schlachtermesser, Kettensägen, Äxte und Beile, Schaufeln und Schippen, oder auch die Sense. Im Kurzfilm The Horribly Slow Murderer with the Extremely Inefficient Weapon aus dem Jahre 2008 ist das doch ein wenig anders. Im Film geht es nämlich um einen gan...
Kritik: Big Fish (USA 2003) – Tim Burtons legendärer Zauber jetzt in 4K
DVD & Bluray, Kritiken, Science Fiction / Fantasy

Kritik: Big Fish (USA 2003) – Tim Burtons legendärer Zauber jetzt in 4K

Ein Mann erzählt seine Geschichten so oft, bis er selbst zu seinen Geschichten wird. Sie leben nach ihm weiter. Und auf die Art wird er unsterblich. Tim Burton ist nicht für seine realitätsnahen Filme bekannt. Mit Ausnahme von Ed Wood verzichtet keiner seiner Filme auf eine ordentliche Prise Fantasie. Und genau dafür wird er von seinen Fans weltweit geliebt und verehrt. Ob es nun sein Kurzfilm und Einstieg in die Filmwelt Vincent ist oder das Gruselmärchen Sleepy Hollow, Tim Burton zieht uns immer wieder in seine ganz eigene Welt und begeistert dabei in den 90ern immer wieder aufs Neue. Im Jahr 2001 kam es jedoch zur ersten herben Enttäuschung und Burtons Remake Planet der Affen war nicht nur seine bis Dato schlechteste Regiearbeit, sondern auch allgemein ein furchtbarer Streifen. Der e...
Kritik: Serpico (USA 1973) – Sidney Lumets brillanter Cop-Thriller jetzt in 4K
DVD & Bluray, Krimi, Kritiken, Thriller

Kritik: Serpico (USA 1973) – Sidney Lumets brillanter Cop-Thriller jetzt in 4K

Ach Frank, seien wir doch mal ehrlich. Wer traut schon einem Cop, der nicht bestechlich ist? Sidney Lumet zählte seiner Zeit zu den ganz großen Regisseuren, der die Erwartungen immer auf ganz eigenen Wegen umging und sich den Konventionen des Publikums nie beugen wollte. Er war sein eigener Herr und die Filme waren 100% Lumet. Sein Debütfilm Die zwölf Geschworenen* mit Henry Fonda und Montgomery Clift gilt längst als ewiger Klassiker und einer der Jahrhundertfilme. Schaut man sich seine weitere Filmografie an, fallen Namen wie Hundstage oder Network* auf, die sicher zu den besten Genrebeiträgen überhaupt zählen. Doch dann gibt es da noch einen anderen Film von Lumet, der ebenfalls in die Filmgeschichte einging und auch heute noch zu den besten Polizeifilmen überhaupt zählt: Serpico aus ...
Kritik: Laurence Anyways (FR/CA 2012) – Kleider machen Leute
Amazon Prime, Drama, Kritiken, Streaming

Kritik: Laurence Anyways (FR/CA 2012) – Kleider machen Leute

Eine Gastkritik von Florian Feick Unsere Generation ist bereit dafür. Wir können es schaffen. Der 34-Jährige Laurence (Melvil Poupaud= ist Lehrer für Literatur, führt seit zwei Jahren ein bescheidenes, dafür aber umso glücklicheres Leben mit seiner Freundin Frédérique (Suzanne Clément) und wird von den Kollegen respektiert und geschätzt. Doch tief in ihm brodelt bereits lange der leidenschaftliche Drang nach der Veränderung, die eigentlich gar nicht erst nötig sein sollte. Bereits seit 2009 gilt der aufstrebende Xavier Dolan als das Regiewunderkind des 21. Jahrhunderts, wurde sein erstes Werk I Killed My Mother doch vielfach von der Kritik gefeiert und dem damals erst 20-jährigen Dolan, der bereits im Kindesalter als Schauspieler erste Filmerfahrung sammelte, eine vielversprechend...
Kritik: Blade Runner 2049 (USA 2017)
Amazon Prime, Kritiken, Science Fiction / Fantasy

Kritik: Blade Runner 2049 (USA 2017)

You've never seen a miracle. Ridley Scotts Blade Runner aus dem Jahre 1982 hat es vollbracht, Geeks und Cineasten gleichermaßen in Ströme der Begeisterung zu versetzen, obwohl sich dessen ikonische Stellung innerhalb der Filmgeschichte, nachdem er an den Kinokassen gnadenlos unterging, erst Jahre später herausstellen sollte. Inzwischen jedenfalls sollte den Menschen, die sich mit voller Hingabe dem Medium Film unterwerfen, bewusst geworden sein, welche immense Bedeutsamkeit Blade Runner anhaftet – und welche Maßstäbe er (nicht nur) innerhalb des Sci-Fi-Genres setzte, eben weil er es verstand, genau dieses Genre allezeit zu transzendieren. Ridley Scott stellte dem Zuschauer Fragen, ohne Antworten auf diese zu liefern. Fragen, die sich von einer exorbitanten philosophischen Größenordnung ...