"Ralph reichts" (USA 2012) Kritik – Die geheimen Helden der Videospiele

„Ich machs kaputt!“

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Spätestens mit dem NES haben Videospiele endgültig Einzug in die Kinderzimmer der Welt gehalten und mit ihnen auch Namen wie Super Mario, Sonic the Hedgehog, Megaman und Samus Aran. Doch was wären all diese Videospielhelden ohne ihre fiesen Gegenspieler? Was wäre Mario ohne Donkey Kong und Bowser? Was täte Sonic ohne Doctor Robotnik/Doctor Eggman? Und wo würde Pacman ohne die bunten Geister heute sein? Ein fieser Gegenspieler macht ein Videospiel erst richtig gut, das weiß wohl jeder Gamer. Also warum nicht einmal all den Fieslingen und Bösewichtern Tribut zollen, über die wir nach zähen Kämpfen und langen Nächten triumphiert haben? Mit „Ralph reichts“ unternimmt Disney den Versuch, den Oberschurken des Arcade-Zeitalters ein würdiges Denkmal zu setzen und scheitert auf hohem Niveau. Doch zumindest die erste Hälfte des Films ist ein herrlich nostalgischer Rückblick auf die längst vergessene Prä-Heimkonsolen-Ära der Videospielgeschichte.

Randale-Ralph (John C. Reilly / Christian Ulmen) hat genug! Ihm reichts! Seit nunmehr 30 Jahren stehen immer die anderen im Rampenlicht, werden bejubelt während er Abend für Abend wieder mit dem Gesicht voran im Dreck landet. Aber damit soll jetzt Schluss sein, denn Ralph plant seinen Job als Oberfiesling in dem Spiel „Fix it Felix, Jr.“ niederzulegen und sich in einem anderen Spiel als Held zu versuchen, doch dieser Plan ist nicht ungefährlich. Denn anders als in seinem eigenen Spiel ist Ralph dort nicht unsterblich…

Dass auch Bösewichte eigentlich ein gutes Herz besitzen, haben uns in den letzten Jahren bereits Filme wie „Megamind“ oder „Ich – Einfach Unverbesserlich“ bewiesen. Und auch Ralph, der titelgebende Held des neusten Disney-Animationsspektakels, wäre eigentlich viel lieber einer von den Guten, statt Tag für Tag seiner zerstörerischen Arbeit nachzugehen und dafür nichts als Hass und Verachtung von seinen Videospielkollegen zu ernten. Doch einer muss ja schließlich diese Aufgabe übernehmen, oder? Wenn sich Ralph seelischen Beistand bei einer Selbsthilfegruppe für Videospiel-Bösewichte sucht, dann ist das Zucker für jedes Gamerherz. Hier sitzt Bowser neben Zangief und plauscht mit Dr. Eggman und M. Bison über die täglichen Probleme eines Superschurken.

Besonders die erste Hälfte des Disney-Animationsfilms quillt förmlich über vor Anspielungen auf bekannte Game-Klassiker, denn fast an jeder Ecke stößt man hier auf mehr oder weniger bekannte Vertreter gängiger Spiele-Klassiker wie Sonic the Hedgehog oder Ryu und Ken aus der „Street Fighter“-Reihe. Leider endet dieser Nostalgie-Trip viel zu schnell, denn sofern Ralph in die quietschbunte Welt des Mädchen-Rennspiels „Sugar Rush“ eintaucht und dort auf den kessen Game-Glitch Penellope von Schweetz (Sarah Silverman / Anna Fischer), wird „Ralph reichts“ zu einem äußerst kindergerechten und konventionellen Disney-Film, in dem zum x-ten Mal Themen wie „Der Wert der Freundschaft“ oder „Selbstverwirklichung“ durchgekaut werden. Auch der anfängliche Biss und der ernste Unterton weichen nach und nach vergnüglichen Slapstickeinlagen und turbulenten Rennpassagen, die besonders in 3D die kleinen Kinozuschauer bei Laune halten dürften. Es ist direkt ärgerlich, dass man sich bei Disney nicht getraut hat, den Film ein wenig konsequenter auf ein älteres Publikum zuzuschneiden. Doch letztendlich bleiben Animationsfilme doch immer nur Kinderfilme – schade eigentlich.

Dabei hat Regisseur Rich Moore („Futurama“) mit Ralph einen liebenswerten Anti-Helden erschaffen, der eigentlich gar nicht so recht in die kinderfreundliche Disney-Welt passen will. Denn Ralph ist ein grantiger Nörgler mit depressiver Ader, der seine Probleme lieber in Stamm-Videospiel-Kneipe zu vergessen versucht, als sich diesen zu stellen. Gerade auf Grund seiner vielen Charakterschwächen bietet Ralph gerade für die älteren Semester genügend Produktionsfläche um sich mit ihm zu identifizieren und wird dadurch zu einer der sympathischsten und auch erwachsensten Figuren im Disney-Kosmos. Denn wenn sich Ralph über seinen Job beschwert, bei seinen Arbeitskollegen um Anerkennung kämpft und jeden Abend wieder in seine schäbige „Behausung“ zurückkehrt, während nur ein paar Meter weiter das Leben so viel besser scheint, dann kann man nur zu gut mit dem tollpatschigen Hitzkopf mitfühlen.

Fazit:
„Ralph reichts“ scheitert letztendlich daran, dass sich der Film nicht entscheiden kann, ob er nun ein quietschbunter Kinderfilm oder ein nostalgischer Trip für Videospielnerds sein möchte. Für einen vergnüglichen Familienausflug reicht das Spektakel aber dennoch allemal.

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