Schlagwort: 2010

Kritiken

"Herzensbrecher" (CA 2010) Kritik – Die imaginäre Autorität der Liebe

Autor: Pascal Reis "Hast du dich in letzter Zeit verliebt?" Knapp 10 Minuten haben sie tosend applaudiert, die Kritiker und Journalisten im Kinosaal der Filmfestspiele von Cannes, als der damals 19-jährige Xavier Dolan sein Erstlingswerk „I Killed My Mother“ vorstellen durfte. Was für eine Ehre für einen jungen, beeinflussbaren und aufstrebender Künstler. Stehende Ovationen gab es, die nicht nur dem jungen Filmgeist geschuldet waren, der in seiner jugendlichen Blüte und der umfassenden Bandbreite an verschiedenen (Set-)Positionen, die für dieses Alter schon beeindruckenden genug waren, sondern auch wegen Dolans informaler Weitsicht, die jeden pubertären Tellerrand überquerte und ein menschliches und damit vollkommen ehrliches Porträt über den Generationskonflikt im innerfamiliären Bü...
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"Mad Circus" (FR/ES 2010) Kritik – Ein humorfreies Debakel

Autor: Sebastian Groß "Jetzt geht der Spaß erst richtig los." Er galt als Enfant Terrible des spanischen Films: Alex de la Iglesias. Mit Filmen „Perdita Durango“, „El dia della Bestia“ oder „Aktion Mutante“. Nach seinem Versuch mit dem Thriller „Oxford Murders“ sich abseits des spanischen Filmmarkts zu behaupten, kehrte nun mit „Mad Circus“ zurück zu seinen irrwitzigen, absurden Wurzeln. Sein seltsamer wie brutaler Mischmasch aus Kriegswirren, leicht dadaistischer Revue und Liebesgeschichte wurde auf vielen Festivals gefeiert. Wir gönnen ihm den Erfolg, können uns dem Jubel aber nicht anschließen. Während des Spanischen Bürgerkrieges, in den späte 1930er Jahren, werden die Mitglieder eines Zirkus von Regierungssoldaten kurzerhand und gegen deren Willen rekrutiert. Bei einem Gefecht ...
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"Trust" (USA 2010) Kritik – Clive Owen und tiefe familiäre Narben

Autor: Pascal Reis "People get hurt. There's only so much we can do to protect ourselves, our children. The only thing we can do is be there for each other when we do fall down to pick each other up." Was bedeutet schon „Internetbekanntschaft“? Dahinter versteckt sich ein Mensch, der die volle Anonymität seiner Person ausnutzen kann. Er hat die uneingeschränkte Möglichkeit, sich vom Namen bis zur Altersangabe und dem Aussehen vollkommen zu verändern und neuaufzubauen. Und so kann er die naiven Gesprächspartner am anderen Ende des Chatfensters gnadenlos in sein perfides Netz locken. Aus herkömmlichem Smalltalk wird intensiver, zwischenmenschlicher Kontakt. Man plaudert über alltägliche Dinge, sucht nach Antworten auf persönliche Probleme und teilt sogar gemeinsame Interesse. Wer sich in...
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"Chico & Rita" (ES/GB 2010) Kritik – Heißblütige Liebe im jazzigen Havanna

"Als Erstes musst du dir Respekt erarbeiten." Der europäische Filmpreis, der spanischen Goya, der Preis für die Beste Langanimation auf dem Trickfilmfestival in Stuttgart und eine Oscar-Nominierung standen am Ende neben den unzähligen Lobeshymnen auf der Habenseite des Animationsfilmes „Chico & Rita“. Wenn man bedenkt, mit wie viel Liebe und Elan die Verantwortlichen hier zur Sache gegangen sind, dann haben sie sich die Preise und ein kleines Fleißsternchen durchaus verdient. Mit dem Spanier Fernando Trueba hatte man einen Regisseur zur Verfügung, der nicht nur die nötige Erfahrung mitbringen konnte, sondern auch schon einen Oscar für seine Romanze „Belle Époque“ entgegennehmen durfte, in der die feurige Schönheit Penélope Cruz die Hauptrolle verkörperte. Dazu waren auch noch der bekann...
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"Loft – Liebe, Lust, Lügen" (NE 2010) Kritik – Tätersuche auf niederländisch

"Würden Sie sagen, dass Sie selber das Opfer sind?" Die Niederlande sind nicht gerade für ihre hochwertigen Filmindustrien bekannt, in denen alljährlich unantastbare Klassiker der modernen Kunst geschaffen werden. Vielmehr verbindet man mit dem flachen Land drei prägnante Dinge: Oranje (Die Nationalmannschaft), Käse (Frau Antje) und Coffee Shops (Legaler Konsum von Marihuana). Damit wären dann die altbekannten Klischees auch gleich abgegrast und das Schubladendenken in der typischen Art und Weise kundgetan. Bleiben wir aber mal im Filmbereich und fragen uns, was die Niederlande an namhaften Persönlichkeiten offenbart hat. Da wären Leute wie Paul Verhoeven („Starship Troopers“), Rutger Hauer („Blade Runner“) und Jan de Bont („Das Geisterschloss“). Sicher nicht die ganz großen Superstars,...
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"Tucker & Dale vs Evil" (CA 2010) Kritik – Verkehrte Welt in den Wäldern von West Virgina

"Ich hab in ein Wespennest gesägt. - "Wieso?" - Das hab ich nicht aus Spaß gemacht, du Idiot." Wir alle kennen die Geschichten, von den Jugendlichen, die in einer Hütte irgendwo in den tiefsten Wäldern die Freiheit genießen wollen und dann von den fiesen Hinterwäldlern überrascht werden. In wie vielen Filmen dieses Thema schon verarbeitet wurde, kann man wahrscheinlich kaum noch aufzählen, eben auch deswegen, weil jährlich immer wieder neuer Genre-Zuwachs dazukommt und das durchaus plattgefahrene Subgenre des Backwood-Horrors nur noch reizloser darstellt. Filme eines Kalibers wie „Beim Sterben ist jeder der Erste“, der noch eine mehr als sozialkritische Botschaft in sich trug oder Wes Cravens/Alexandre Ajas „The Hills Have Eyes“, sind inzwischen nur noch Mangelware und der sehnsüchtige ...
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"The Ward" (USA 2010) Kritik – Vom Regen in die Traufe

"Was ist das erste, woran du dich erinnerst?" – "Feuer…" „Halloween – Die Nacht des Grauens“, „The Fog – Der Nebel des Grauens“, „Die Klapperschlange“ und „Das Ding aus einer anderen Welt“. Das sind vier mehr als wichtige Klassiker, die ihren unzerstörbaren Status in der Filmwelt wohl bis in alle Ewigkeit genießen dürfen und das Horror wie Science-Fiction-Genre maßgeblich beeinflussten. Hinter diesen Werken versteckt sich ein Name: John Carpenter. Einst ein Meister mehrerer Fächer, ein Visionär, ein Könner, mit einem inszenatorischen Verständnis, welches den Zuschauer unhaltbar in die Geschichten aufsaugen konnte und wohlig gefangen nahm. Aber es gibt auch die berüchtigten Schattenseiten im Schaffen eines beliebten und angesehenen Filmemachers, die sich in manchen Fällen nur über einen ...
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"Vincent will meer" (DE 2010) Kritik – Mit Florian David Fitz ans Meer

"Ich hab einen Clown im meinem Kopf, der mir ständig zwischen die Synapsen scheißt. Der mich immer zwingt, gerade das zu machen, was ich am wenigsten gebrauchen kann!" Der Wunsch von einem normalen Leben ist für Vincent längst in den unmöglichen Bereich gerutscht, denn Vincent leidet am schwierigen Tourette-Syndrom und verliert immer wieder die Kontrolle über seinen Körper. Seine Mutter, eine schwere Alkoholikerin, hat gerade das Zeitliche gesegnet und sein Vater Robert, der seinem Sohn keine Zeit schenkt, schiebt Vincent kurzum in ein Therapiezentrum ab. In diesem Zentrum sollen seine ausufernden Anfälle behandelt werden und im besten Fall auch verschwinden, denn für Robert war das Tourette immer der Grund der gescheiterten Familienverhältnisse. Das Problem bei der ganzen Sache: Vincen...
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Die "Resident Evil" Reihe (2002-2010) Kritik – Milla Jovovich und die Zombies

"Resident Evil" (USA 2002) Als Alice in der Badewanne aufwacht, hat sie ein schwerwiegendes Problem: Sie kann sich an nichts mehr erinnern. Nachdem sie gerade Villa erkunden wollte, in der sie erwacht ist, trifft sie auch schon auf Matt, der sich als Freund erweist, und kurze Zeit darauf stürmen auch schon eine Handvoll Elitesoldaten, geführt von One und Rain, in die noble Villa. Alice, Matt und der ebenfalls gedächtnislose Spence werden von den Soldaten mitgenommen und in den Hive geführt, ein unterirdisches Labor, in dem die Umbrella Corporation mit lebensgefährlichen Viren arbeitet. Allerdings ist hier nichts mehr beim Alten und Alice erfährt, dass der Hauptcomputer des Hive, genannt Red Queen, ein tödliches Gas ausgesetzt hat und die unterirdischen Arbeiter des Labors getötet. Der G...
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"Fair Game" (USA 2010) Kritik – Sean Penn und Naomi Watts zwischen den Fronten

"Bei uns zuhause haben wir eine Regel: Keine Politik am Tisch." Wenn ein bestimmter Regisseur oder Schauspieler in seiner Karriere einen mehr oder weniger großen Hit gelandet hat, dann kann es sein, dass dieser Filmemacher einen leichten Hang dazu hat, sein bewährtes Erfolgskonzept noch einmal zu kopieren oder in einem neuen Wortlaut zu wiederholen. Ob man das nun gut oder schlecht finden soll, ist jedem Menschen selber überlassen, denn der eigene Eindruck und die Meinung stehen doch letztlich über allem. Dieses „Wiederholen“ kann allerdings auch zu einem Problem werden, was man in letzter Zeit wohl vor allem bei Johnny Depp sieht, der auf seiner Captain Jack Sparrow Darstellung hängengeblieben ist und den torkelnden Piraten immer wieder in anderen Film raushängen lässt. Auch Filmemache...