Schlagwort: Drama

Filmkritiken

"Magic, Magic" (USA 2013) Kritik – Roman Polanski hat einen Erben gefunden

Autor: Pascal Reis "Please don't shoot." Chile, das Land am „Ende der Welt, wo der Teufel seinen Poncho verlor“, so ein Sprichwort, ist gerade aufgrund seiner klimatischen Kontradiktion für Globe-Trotter interessant: Dort gibt es nämlich nicht nur die Anmut des pazifischen Ozeans zu bestaunen, sondern auch die schneebedeckten Gipfel der Anden, grüne Seenregionen und spröde Wüsten – Für Naturdokumentationen also ein echtes Schlaraffenland. Filmisch aber konnte uns der letzte Ausflug in das südamerikanische Land im Januar mit „Aftershock“ nicht gerade in Verzückung setzen. Eli Roth, der dort als Hauptdarsteller, Co-Autor und Produzent in Personalunion fungierte, präsentierte einen blutig-zynischen Genre-Film, dem so ziemlich alles missraten ist, was einem solchen Projekt nur missraten kann...
Filmkritiken, Serien

"True Detective" 1. Staffel (USA 2014) Kritik – Die Antithese des Buddy-Movies

Autor: Pascal Reis "I don't sleep, I just dream." Menschliche Silhouetten legen sich über den Bildschirm, gespickt, umklammert und gleichzeitig entrückt und verfremdet von Landschaftsfragmenten, maroden Gebäudekulissen, ornamentierten Gegenständen. Alles verschmilzt inmitten motivischer Symbolik, wird eins, um mit dem nächsten Wimpernschlag schon wieder voneinander getrennt zu werden, sich abzustoßen, Grenzen innerhalb dieser Kadrage aufzuweisen, während The Handsome Family mit „Far from Any Road“ das Geschehen musikalisch so passend wie abwegig begleitet. Diese Sequenz, das Opening von „True Detective, lässt Großes erahnen, es nimmt den Zuschauer gefangen, öffnet ihm die Pforten in eine neue Welt. Diese neunzig Sekunden sind in ihrer symbiotischen Stilistik für die Ewigkeit; einprägsam...
Filmkritiken

"Zulu" (FR 2013) Kritik – Südafrika fleht um Gerechtigkeit

Autor: Pascal Reis „No brain, no pain.“ Als Kind ist Ali Neumann zusammen mit seiner Mutter den bestialischen Inkatha-Milizen geradeso entwichen, während er mitansehen musste, wie sein Vater gefoltert und bei lebendigen Leibe verbrannt wurde: Ein Schicksal von unzähligen, doch vom Schmerz dieser Tage kann sich Ali bis heute nicht losreißen. Inzwischen als Chef der Mordkommission in Kapstadt tätig, hat Ali seinen Weg gemacht, doch ausgerechnet einer seiner Vorgesetzten gehört zu den Verbrechern jener Tage, die sämtliche Schwarze gefoltert und ermordet haben. Zusammen mit dem weißen Polizisten Brian Epkeen kämpft Ali gegen die stetig steigende Kriminalitätsrate Kapstadts an und stoßen auf die Leiche einer 20-Jährigen, die erst Opfer einer synthetischen Droge und später den Schlägen ihres ...
Filmkritiken

"Jung & Schön" (FR 2013) Kritik – Kann Prostitution auch seelische Freiheit bedeuten?

Autor: Pascal Reis „Es hat mir gefallen, mich zu verabreden.“ Francois Ozon gehört in die Reihe aktiver französischer Filmemacher, die nicht darauf erpicht sind, einer klaren thematischen Kategorisierung unterstellt zu werden. Ob der gebürtige Pariser nun in seinem nächsten Werk wieder eine beschwingte Komödie inszenieren wird, ein Loblied auf die Rhetorik, auf die Möglichkeit, sich seine eigene Welt zu erschaffen oder ob es dann doch einen abgründigen Thriller geben wird, bleibt von Mal zu Mal spannend. Sicher sind Ozons Arbeiten dabei nicht immer auf einer exakten qualitativen Stufe anzutreffen, interessant und vielseitig liest sich sein bisheriges Schaffen ohne Wenn und Aber. Mit seinem vierzehnten Film „Jung & schön“, der ihm gleichzeitig seine erst zweite Einladung für den Wettbew...
Filmkritiken

"Philomena" (FR/GB/US 2013) Kritik – Judi Dench sucht ihren verlorenen Sohn

Autor: Pascal Reis "If God were in there, he'd say you were a fucking idiot!" Im streng katholischen Irland der 1950er Jahre galt es als schwere Sünde, ein uneheliches Kind zu gebären. War dies dennoch der Fall, wurden die Frauen kurzerhand in ein Kloster verfrachtet; nicht nur, um dort ihr Kind auf die Welt zu bringen, sondern auch um danach – quasi als Sündenerlass – im Kloster der Zwangsarbeit verpflichtet zu werden. Philomena Lee ist eine dieser jungen Frauen, die sich in einer solchen Situation wiederfinden musste und hilflos dabei zusah, wie die hiesigen Ordensschwestern ihren Sohn Anthony leichtfertig zur Adoption freigaben. Heute ist Philomena schon über 70 und eröffnet ihrer Tochter das über Jahrzehnte still bewahrte Geheimnis, denn die nach wie vor streng gläubige Dame möchte ...
Filmkritiken

"Dallas Buyers Club" (USA 2013) Kritik – Matthew McConaughey ist endlich in der Filmwelt angekommen

Autor: Pascal Reis "That shit is purer than a preacher daughter's pussy, right there." Es gibt ja immer wieder diese ganz bestimmte Art von Schauspielern, denen man einfach keinen seriösen Karriereverlauf zutrauen möchte. Grund dafür ist die in den meisten Fällen wirklich grauenhafte Rollenauswahl, die sich beinahe gänzlich auf die immer selbe Figurenzeichnung beschränkt. Einer dieser eigentlich unbrauchbaren Darsteller war bis vor einigen Jahren auch Matthew McConaughey, der sich als braungebrannter Frauenschwarm von einer seichten RomCom zur nächsten Schmonzette durchschlug und, so hatte man jedenfalls den Eindruck, einzig wegen seines konvergenten Aussehens gebucht wurde – Von echtem Talent war lange Zeit wenig bis gar nichts vorhanden. Aber wie es eben der Lauf der Dinge nun mal mit ...
Kritik: All Is Lost (USA 2013)
Filmkritiken, Heimkino

Kritik: All Is Lost (USA 2013)

Autor: Pascal Reis I'm sorry. I know that means little at this point, but I am. Es gibt rein gar nichts, was der generalisierten Weltbevölkerung so überdeutlich die kollektive Hilflosigkeit gnadenlos vor Augen hält, wie die destruktive Macht der Natur und der erbarmungslose Einfluss differenter Witterungsverhältnisse auf unsere behütete Existenz. Naturkatastrophen jeder Couleur, von brachialen Tornados in den Vereinigten Staaten, die ganze Landstriche verwüsten über Tsunamis in Südostasien, die tausende Menschenleben unter sich begraben, bis hin zu Vulkanausbrüchen in Island, die uns die Hölle auf Erden darbieten, sind natürlich die erste Anlaufstelle und sorgen reflexartig für Angstzustände. Doch auch die Tiefen des Dschungels in ihrer unberührten Form, die mit Schneestürmen ver...
Filmkritiken

"Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" (USA 2013) Kritik – Auf der Suche nach der Quintessenz des Lebens

Autor: Pascal Reis "Beautiful things don't ask for attention." Die Meisten assoziieren mit dem Künstler Ben Stiller wohl eher den mit gerne seichten Zoten jonglierenden, aber eigentlich doch recht sympathischen Pausenclown und gutmütigen Durchschnittstrottel aus der amerikanischen Mittelschicht. Dabei berührt die Qualitätsskala im Schaffen Stillers jede äußere Grenze mit Leichtigkeit und kann mit wirklich großartigen Genre-Vertretern wie beispielsweise „Verrückt nach Mary“ und „Meine Braut, ihr Vater und ich“ glänzen, muss sich aber ebenso genügend verdiente Schelte für seine blamablen Auftritte in Danny DeVitos „Der Appartement-Schreck“ und Barry Levinsons wahrlich grauenhaften „Neid“ gefallen lassen. Doch Ben Stiller weiß sein Glück nicht nur als Schauspieler an mehreren Fronten heraus...
Filmkritiken

"The Counselor" (GB/US 2013) Kritik – Michael Fassbender möchte mit den großen Jungs spielen

Autor: Pascal Reis "I'm pretty skeptical about the goodness of the good. I think that if you ransacked the archives of the redeemed you would uncover tales of moral squalor quite beyond the merely appalling." Erwähnt man Cormac McCarthy in literarischen Fachkreisen, so zucken die Anwesenden, vornehmlich amerikanischer Natur, bereits vor der Aussprache der letzte Silbe seines Namens ehrfürchtig zusammen und verfallen in nachfolgenden Diskussionen in tranceartige Heiligsprechungen des Mannes. McCarthy, seines Zeichens Gewinner des renommierten Pulitzer-Preises und adaptierter Vorlagengeber für „The Road“ mit Viggo Mortensen und das Meisterwerk der Coen-Brüder „No Country for Old Men“, ist ohne Zweifel echtes Kulturgut der Stars and Stripes-Nation, sein Können hingegen steht auch auf dem gl...
Filmkritiken

"Redemption – Stunde der Vergeltung" (GB/US 2013) Kritik – Auf der Suche nach religiöser Erlösung

Autor: Pascal Reis "Did you hurt someone?" - "Only myself." Jason Statham ist einer der namhaften Erben, die es mit ihrer physischen Qualifikation geschafft haben, sich in der A-Liga der modernen Action-Helden einen Namen zu machen und somit auch über eine echte Schar an Befürwortern verfügt, die sich konsequent um den regelmäßigen Output statuieren. Obwohl seine relativ eingleisige Karriere zwar eher in den Gangster-Klamotten von Guy Ritchie („Bube, Dame, König, grAs“) das Licht der Welt erblickte, ist der drahtige Engländer doch so tief in sein schlagkräftiges Image verwurzelt, dass jeder Ansatz von wirklich ernstzunehmenden Schauspiel oberflächlich in polternden Gewehrsalven und krachenden Fausthieben untergeht. Ein guter Darsteller jedoch sollte es im Laufe seines Lebens jedoch weni...