Schlagwort: Polit

Kritiken

"¡No!" (CE/FR/US 2012) Kritik – Ein pragmatischer Marketingfeldzug durch die Mechanismen der Diktatur

Autor: Pascal Reis "Ein Regenbogen?" Steht das nicht für die Schwuchteln?" Dass das politisch-engagierte Kino nicht nur kontinental große Bestätigung erhält, sondern auch auf dem globalen Filmmarkt immer wieder neuen Zuwachs beim Gedeihen bestaunen darf, zeigt sich an dem internationalen Output. Natürlich sind die 1970er Jahre schon lange vergangen und kinematographische Großkaliber à la „Die drei Tage des Condor“ (Sydney Pollack, 1975), „Die Unbestechlichen“ (Alan J. Pakula, 1976) oder „I wie Ikarus“ (Henri Verneuil, 1979) rühmen sich heute als echtes Kulturgut, dessen Qualitäten nur noch schwerlich erreicht werden – Von der damaligen Kontinuität darf lediglich im stillen Kämmerlein geträumt werden. Aber auch heutzutage gibt es cineastische Genre-Glücksgriffe wie „Carlos – Der Schakal...
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"The Company You Keep – Die Akte Grant" (USA 2012) Kritik – Die politischen Narben der Vergangenheit

Autor: Pascal Reis "Würden Sie es wieder tun?" Jim Grant (Robert Redford) ist ein verwitweter und alleinerziehender Vater einer 12-jährigen Tochter und führt ein angesehenes Leben als Anwalt in der amerikanischen Oberschicht. Als die Polizei eines Tages auf Sharon Solarz (Susan Sarandon) aufmerksam wird, die in den 60er- und 70er Jahren zu der linksradikalen Oragnistation „Weather Underground“ gezählt hat, ist auch das Leben von Jim Grant schlagartig in Gefahr, denn was die Leute nicht wissen: Auch Jim war in diesen Jahren ein Aktivist der Gruppierung und lebt seit 30 Jahren unter dem Schutz einer falschen Identität. Nachdem Solarz inhaftiert wurde, schaltet sich der Chefredakteur (Stanley Tucci) der Albany Sun Times ein, um den engagierten Journalisten Ben Shepard (Shia LaBeouf) die gan...
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"Der Baader Meinhof Komplex" (DE 2008) Kritik – Ein dunkles Kapitel

"Protest ist, wenn ich sage, das und das passt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür Sorge, dass das, was mir nicht passt, nicht länger geschieht." Jedes beliebige Land unserer Erde kann ganz eigene dunkle Kapitel der Vergangenheit aufweisen. Treffender als mit dem Satz: „Geschichte wird mit Blut geschrieben“, kann man es wohl kaum zusammenfassen, denn blickt man auf die Menschheits- und Gesellschaftsentwicklungen zurück, so wird man relativ schnell feststellen, das Veränderung zwangsläufig immer mit Toten und Gewalt zusammenhängt. Deswegen ist es nicht verwerflich, sondern unbedingt dienlich, wenn an ein Land sich an die eigene Vergangenheit heranwagt und versucht, diese in seriöser und informativer Art und Weise aufzuarbeiten. Dass das nicht immer der Fall ist, sehen wir zum Beisp...
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"Der Krieg des Charlie Wilson" (USA 2007) Kritik – Tom Hanks unterstützt Afghanistan

"Welche Strategie verfolgen Sie in Afghanistan?" - "Streng genommen gar keine, aber wir arbeiten daran." Polit-Kino ist an einem Punkt angekommen, der die Zuschauermasse nicht mehr wirklich tangiert. Die Themen sind zu trocken inszeniert, die Schauspieler nicht ansprechend genug und allgemein bekommt man doch alles in den Nachrichten erzählt, was man über die politischen Probleme in aller Welt wissen sollte. Das könnte man durchaus so sehen, aber erstens wäre das eine viel zu oberflächliche Sichtweise und zweitens auch die vollkommen falsche, denn wenn man sich mit einem Thema wirklich beschäftigten will, braucht es schon etwas mehr, als die alltäglichen Nachrichten zu verfolgen und danach wieder den Kopf auf Durchzug zu schalten. Dokumentationen sind natürlich auch immer hilfreich, Ges...
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"Savages" (USA 2012) Kritik – Oliver Stone und der immer wiederkehrende Drogenkrieg

"It started here in paradise, Laguna Beach, where they say God parked himself on the seventh day, but they towed him on the eighth." Oliver Stone steht seit eh und je für optischen Genuss. Nur was macht den Unterschied zwischen dem 80er und dem 2000er Stone aus? Ganz klar seine Art und Weise des Geschichtenerzählens. Vor 20 Jahren war Stone noch einer der konsequentesten Kinovirtuosen, dem kontroverse Gewalt ebenso egal war wie ein mainstreamtauglicher Erzählgestus. Das war für die einen zu viel des Guten, aber zumindest konnte sich Stone damit von der breiten Masse abheben. Spätestens seit der Jahrtausendwende muss man sich jedoch im Klaren sein, dass man von Stone nichts mehr erwarten sollte. Er scheint dem Kino nichts mehr Neues abgewinnen zu können, denn auch von ihm hat die Alter...
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"Unthinkable" (USA 2009) Kritik – Wie weit darf ein Mensch gehen?

"Der Mann hat 53 Menschen auf dem Gewissen, darunter Frauen und Kinder, und ich bin jetzt der Böse?" Bei dem Wort „Terrorismus“ dürften inzwischen überall die Alarmglocken klingeln, denn Osama Bin Laden und die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2011 sind jedem Menschen ein Begriff. Taliban, Spekulationen und nukleare Gefahr. Hier lassen sich viele Bereiche verknüpfen, denn all die Spekulationen beziehen sich auf die möglichen Anschlagsziele der arabischen Miliz, die auf der ganzen Welt ausgeübt werden können. Verbunden mit diesem aktuellen und ebenso brisanten Thema, ist allerdings auch ein ganz anderer Bereich, der nicht weniger diskutabel und heikel ist: Die Anwendung von Foltermethoden. Natürlich fallen die ersten Gedanken nun auf die üblichen Torture-Pornos, die...
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"Fair Game" (USA 2010) Kritik – Sean Penn und Naomi Watts zwischen den Fronten

"Bei uns zuhause haben wir eine Regel: Keine Politik am Tisch." Wenn ein bestimmter Regisseur oder Schauspieler in seiner Karriere einen mehr oder weniger großen Hit gelandet hat, dann kann es sein, dass dieser Filmemacher einen leichten Hang dazu hat, sein bewährtes Erfolgskonzept noch einmal zu kopieren oder in einem neuen Wortlaut zu wiederholen. Ob man das nun gut oder schlecht finden soll, ist jedem Menschen selber überlassen, denn der eigene Eindruck und die Meinung stehen doch letztlich über allem. Dieses „Wiederholen“ kann allerdings auch zu einem Problem werden, was man in letzter Zeit wohl vor allem bei Johnny Depp sieht, der auf seiner Captain Jack Sparrow Darstellung hängengeblieben ist und den torkelnden Piraten immer wieder in anderen Film raushängen lässt. Auch Filmemache...
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"Blood Diamond" (USA 2006) Kritik – Blutiger Diamantenhandel in Sierra Leone

"Wenn du mein Leben noch einmal derart gefährdest, dann werde ich dir das Gesicht nach hinten über den Kopf ziehen." Das uns heute bereits schon im Kindesalter eingeredet wird, wir müssten uns politisch engagieren und dem Staat bei seinen Entscheidungen folgen, um später vielleicht auch etwas zu bewirken und zu verändern zu können, ist mit Sicherheit nicht falsch. Gerade weil sich unzählige Bürger auf Aussagen stürzen wie: „Ich allein kann ja sowieso nichts bewirken.“ Wenn man sich nicht einsetzt oder auch mindestens wählen geht, dann kann man nichts erreichen, das stimmt, und wenn jeder zweite Mensch so denkt, dann wird es nie zu Veränderungen kommen, sondern nur zu größeren sinnlosen Aufständen der Bürger. Ebenso wichtig wie diese Auseinandersetzung mit der Politik, ist es auch, die...