Die 10 besten "Gay Moments" aller Zeiten – Conrad-Mildner stellt seine Lieblinge vor

Heute will ich mal den „Käfig voller Narren“ aufmachen. Ich zeige euch meine liebsten Filme mit schwulen Inhalten. Dabei ist alles vertreten, von subtilen Anspielungen bis zu unverhohlenen Darstellungen. Die Liste ist natürlich mal wieder total subjektiv, aber sonst macht es ja auch keinen Spaß.

null

10. Tanz der Vampire

Roman Polanskis prophetisches Genreexperiment, dass den Geist der 68er atmet, ist ja eigentlich nichts anderes als eine komödiantische Gruselmär über die Bilder unserer Kinovergangenheit und ihren Reflektionen in der Gegenwart. Der Subtext altbekannter Vampirgeschichten gerinnt bei Polanski zum heiteren Aufruf zur sexuellen Befreiung. Da scheint es umso logischer, dass der Sohn des Vampirgrafen schwul ist und Gefallen am Schlossbesucher Alfred gefunden hat.

9. Mysterious Skin

Gregg Araki gilt als ein Begründer des New Queer Cinemas und drehte 2004 mit der Literaturverfilmung „Mysterious Skin“ eine interessante Studie über sexuelle Abhängigkeiten. Der Film zeigt den Missbrauch zweier Jungen und ihre Folgen. Während der eine Jahre später offen schwul und hypersexuell lebt, ist der andere fast asexuell und introvertiert.

8. Dem Himmel so fern

Ich liebe Todd Haynes Sirk-Imitat. Ich finde die Idee großartig das 50er-Jahre Melodram neu zu verfilmen. Haynes Film versetzt seine Geschichte aber nicht in die Gegenwart, sondern bleibt in der Zeit der alten Filme. Was damals Gegenwart war und oftmals subtiler verhandelt wurde, spricht Haynes offen an. Dadurch wird „Dem Himmel so fern“ zu einer Art Spiegel und auf einmal wird uns wieder klar, dass Homophobie und Rassismus leider noch keine überwundenen Probleme sind.

7. Faustrecht der Freiheit

Ein bemerkenswerter Film, nicht nur dass Fassbinder die Hauptrolle spielte und den Film in seinem gewohnten Tempo abdrehte, sondern besonders, weil er schwule Beziehungen vollkommen unaufgeregt zeigt. Fassbinders Melodram um Liebe und Verrat, über sozialen Aufstieg und Ausbeutung, spielt eben im Schwulenmillieu.

6. Die Katze auf dem heißen Blechdach

Das alte Hollywood hatte viele Probleme, die Filmzensur zum Beispiel. Heute, rückblickend, haben die vielen Restriktionen die wahrlich großen Filmemacher dazu beflügelt ihre Inhalte subtiler an den Mann und die Frau zu bringen. Was Hitchcock an der Zensur vorbei in den Kinosaal schleuste, ist heute legendär, doch dazu komme ich später noch. Im Auge des Drehbuchautors der Tennessee-Williams-Verfilmung „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ war die Erzählung der Homosexualität der Hauptfigur gescheitert. Im Film blieben, aufgrund der Zensur, nur noch ein paar Andeutungen, doch diese Andeutungen wirken heute umso stärker, finde ich.

5. Coming-Out

Der einzige Queerfilm der DDR, der so auch nur kurz vor der Wende möglich war und am Ende sogar eine mutige Anklage gegen das Regime bereithält. Im Gegensatz zum Westen, gab es im Osten zwar keinen Paragraph 175, doch Carows Film bezieht sich nicht nur auf die gegenwärtige Situation der damaligen Zeit, sondern auch auf die Achtung der homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

4. Cruising

Das ist wahrscheinlich der kontroverseste Film auf meiner Liste. William Friedkin war schon immer ein Erzeuger von Männerbildern im Kino, überwiegend im Action- und Polizeifilm. Es war nur eine Frage der Zeit bis er sich mit dem Schwulenmillieu beschäftigen sollte. 1980 protestierten viele Community-Anhänger gegen den Film. Sie befürchteten, dass ihre neugewonnenen Rechte durch die düstere Millieuzeichnung im Film kompromittiert werden würde. Diese Bedenken waren berechtigt. Heute kann man „Cruising“ mit anderen Augen sehen. Er schildert ein authentisches Millieu, in das Schatten wie Licht gleichzeitig fallen. Al Pacinos Figur stellt immer mehr die eigene sexuelle Identität in Frage und zum Schluss lösen sich alle normativen Grenzen auf, ein Queerfilm durch und durch.

3. Cocktail für eine Leiche

Mein liebstes Schwulenpaar im Kino sind die zwei Protagonisten aus Hitchcocks berühmten Filmexperiment. Natürlich erzählt der Film das abseits der von der Zensur überwachten Wege, aber es ist schon sehr deutlich, wenn nicht sogar die treibende Kraft hinter dem Film und das im Jahre 1948.

2. Rocky Horror Picture Show

Das ist nicht nur ein spaßiges Rockmusical, sondern auch eine gesellschaftliche Utopie. „Don’t dream it! Be It!“

1. Brokeback Mountain

Ang Lees Liebesdrama ist der jüngste Film in meiner Liste. Er ist nicht nur auf Platz 1 gelandet, weil er einer meiner Lieblinge ist. Mir hat vorallem die Rezeption des Films eines gezeigt, nämlich, dass wir noch weit davon entfernt sind, wo wir eigentlich hin sollten. Ich dachte immer, wir wären schon weiter, doch ich habe mich geirrt. Schade, dass es gerade ein Film wie dieser zeigen musste. Ang Lee erzählt hier eine schwule Liebesgeschichte, gerichtet an ein Massenpublikum, kein Klientelfilm und kein Mainstreamfilm in der Homosexualität „out of focus“ stattfindet. Sie steht im Zentrum und auf einmal fängt ein Teil der Welt an zu meckern. Der Film sei langweilig. „Schwule Cowboys“, wer will denn so etwas sehen? Es gab auch direkte homophobe Äußerungen. Natürlich stand davon nichts in den Kritiken. Ich rede von zigtausend Kommentaren im Internet, die Filmseiten angesammelt haben, keine professionellen Stimmen, die Stimmen des Publikums eben. Es gab wohl keinen Film der letzten Jahre, der so gerne negativ beurteilt wurde, ohne vorher gesehen zu werden. Das ist doch ein nachdenklicher Eintrag in die Filmgeschichtsbücher wert, oder?

Wer mehr über Filme mit queeren Inhalt wissen will, der schaue hier.