Die 10 besten "Title Sequences" aller Zeiten – Conrad-Mildner stellt seine Lieblinge vor

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Die Gretchenfrage: Wenn sie im Kino sitzen, was wollen sie? Sich Werbung ansehen? Eher nicht, was dann? Sich ein paar Trailer vor dem Hauptfilm zu Gemüte führen? Auch nicht? Was wollen sie denn? Das der Film sofort losgeht? Gut, wie sie wünschen.

Irgendwann im Laufe der Filmgeschichte gab es einen Wandel vom Vorspann zum Abspann. Es gab bis in die 60er hinein gar keine richtigen Abspänne. Alle Beteiligten wurden bereits im Vorspann genannt. Zum Schluss signalisierte ein simples „The End“ das Ende des Films. Bis in die 50er waren Vorspänne auch recht einfach gestaltet. Sie bestanden aus Texttafeln. Irgendwann, mit der Verbreitung des Fernsehens, kamen kluge Leute auf die Idee den Vorspann als Filminhalt und gestalterischen Raum zu begreifen. Auf den Kinokopien von Otto Premingers „Der Mann mit dem goldenen Arm“ (1955) stand ein Hinweis für die Filmvorführer, „Bitte den Vorhang vor dem Vorspann aufziehen.“ Da gab es etwas neues zu sehen, nicht nur bloße Texttafeln. Die „Title Sequence“ war geboren.

Die Vorspänne wurden immer ausgefallener und reichten nicht mehr aus um alle Beteiligten schriftlich aufzuführen. So verschwand das „The End“ und der Abspann erblickte das Licht der Welt, dessen minimalistisches Weiß-Auf-Schwarz uns heute noch begleitet. Der Vorspann war nun nur noch gestalterisches Produkt. Er war nicht mehr nötig, aber er blieb uns erhalten, eine lange Zeit sogar. Seit den 2000ern kann man aber ein rapides Verschwinden der „Title Sequence“ beobachten. Die Filme fangen nun einfach an. Viele Hollywood-Blockbuster („The Dark Knight“) verzichten schon ganz auf „Titles“ oder zeigen sie erst am Filmende („The Avengers“). Nun, auch ich kann diese Art von Vorspann nicht leiden, bei dem die Handlung bereits läuft und man mit Texteinblendungen davon abgelenkt wird. Das will keiner haben. Ich wünsche mir die „Title Sequence“ als Kurzfilm zurück, eben als Einstimmung auf den Film, der da folgen mag. Ich möchte das die Leinwand zu mir spricht: „Hey, es geht gleich los, schnall dich an.“

Die folgenden zehn „Title Sequences“ leisten das mit Bravour.

10. James Bond – 007 jagt Dr. No

Es gibt zwei Namen, die als Hebammen der „Title Sequence“ gehandelt werden. Einer von ihnen ist Maurice Binder, der mit seinen „Title Designs“ für die „James Bond“-Filme Geschichte schrieb. „Dr. No“ war der Erste von ihnen und wurde zum Vorbild aller 007-Filme.

9. Enter The Void

Gaspar Noes Filme polarisieren ungemein. Ich selbst bin kein großer Fan von ihm. Sein letzter Film ertränkte seine guten Ideen gerne in Kitsch und Langeweile, doch eine Sache war schier genial, die Titles. Obwohl sie den Ton des Films nicht wirklich widerspiegeln, faszinieren sie mich noch heute und ich schaue sie mir regelmäßig an, ein Trip.

8. Thank You For Smoking

Jason Reitmans Komödie stieg bei jedem mal mehr in meiner Gunst. Vorallem der wunderbare Vorspann macht Lust auf mehr oder auf eine Zigarette.

7. Romeo + Julia

Hier dienen die Titles nicht als Credits, sondern als Ouvertüre für das größte Drama aller Zeiten. Ein fiebriger Trip in MTV-Manier in dem uns die Protagonisten und Teile des Films gezeigt werden, quasi der Trailer als Teil des Films.

6. Edward mit den Scherenhänden

Tim Burton gehört bis heute zu denen, die sich von der Kunst des Vorspanns nicht verabschieden konnten. In einem seiner schönsten Filme gibt es auch eine der schönsten „Title Sequences“ zu sehen, eine Mischung aus „Haunted-Castle“, Weihnachten und „Grotesque Font“.

5. Catch Me If You Can

Auch Altmeister Spielberg hält bis heute an der „Art of the Title“ fest. Sein Hochstaplerfilm „Catch Me If You Can“ fängt mit einem kleinen Zeichentrickfilm an, choreographiert durch John Williams minimalistischen Score.

4. Crash

Wahrscheinlich kann man keinen Zuschauer auf Cronenbergs Opus „Crash“ vorbereiten. Keine Inhaltsangabe, kein Trailer wird ihm gerecht. Einzig der schimmernde Vorspann vermag das zu tun.

3. Shining

Keine aufwendigen Animationen, keine besondere Schrift. Der Vorspann zu Kubricks „Shining“ scheint so klar und deutlich, wären da nicht diese Bilder, die wie die Augen Gottes den kleinen Familienwagen verfolgen. Der Vorspann erzeugt eine Illusion des Überblicks, schlicht eine Illusion.

2. Sieben

Diese Liste wäre eine Lüge, würde man nicht David Fincher würdigen, einem Regisseur, der durch seine Filme eine zweite goldene Ära der „Title Sequence“ eingeläutet hat. Der Vorspann zu „Sieben“ war stilbildend und ist ein Meisterwerk.

1. Vertigo

Zu Beginn dieser Liste habe ich über die zwei Hebammen der „Title Sequence“ geschrieben. Einer von ihnen war Mr. 007, Maurice Binder. Der Andere war niemand anderes als Saul Bass, der für die Filme Hitchcocks und Premingers einzigartige Kunstwerke schuf. Sein größtes Meisterwerk bleibt für mich „Vertigo“, ein Vorspann wie eine Hypnose.

Wer mehr über „The Art of the Title“ erfahren möchte, der besuche die gleichnamige Website.