Kritik: Pirates Of The Caribbean 5: Salazars Rache (USA 2017)

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Guillotine? Sounds French. I love the French!

Und ewig segelt die Black Pearl: Nach Pirates Of The Caribbean 4: Fremde Gezeiten war es lange Zeit ruhig um Disneys ehemaliges Box-Office-Flagschiff. Sechs Jahre später nimmt das Franchise wieder Fahrt auf, wozu auch der katastrophale Niedergang Johnny Depps beigetragen haben dürfte, der in der Rolle des extrovertierten Piratenkapitäns Jack Sparrow seine (zumindest in finanzieller Hinsicht) goldenen Zeiten erlebte. Der Schauspieler braucht inzwischen dringend einen neuen Erfolgsfilm, denn in der Post-Fluch-der-Karibik-Ära hat Johnny Depp ein schlechtes Händchen in seiner Rollenauswahl bewiesen. Box-Office-Gurken wie Gore Verbinskis Western-Actionkomödie Lone Ranger, der spannungsarme Sci-Fi-Thriller Transcendence oder die Detektiv-Groteske Mortdecai, die zurecht nicht nur beim Publikum, sondern auch den Kritikern durchfielen, sorgten dafür, dass Depp seinen Kredit bei den großen Produktionshäusern einzubüßen begann. Bei den Kritikern dürfte auch mit dem neusten Ableger der Fluch-der-Karibik-Reihe Pirates Of The Caribbean 5: Salazars Rache kein Blumenstrauß zu gewinnen sein, denn trotz gelungener Ansätze erstickt der Sommer-Blockbuster des Regie-Duos Rønning/Sandberg (Kon-Tiki) an seinem eigenen Action-Bombast.

Jack Sparrow (Johnny Depp) ist ganz unten angekommen: Von der Mannschaft verlassen fristet der ehemals gefürchtete Piratenkapitän ein einsames Dasein und flüchtet sich in den Alkohol. Selbst sein ehemals stolzes Kopfgeld ist inzwischen zu einem kümmerlichen Sümmchen geschrumpft. Als er von Wachleuten aufgegriffen und anschließend zum Tode verurteilt wird, ist dies nur ein weiterer Tiefschlag… und der nächste folgt sogleich: Eine geisterhafte Schiffsmannschaft, angeführt vom skrupellosen Piratenjäger Captain Salazar (Javier Bardem), möchte den Kapitän der Black Pearl einen Kopf kürzer machen. Dieser hatte in seinen Jugendjahren das unbezwingbare Schiff von Salazar vernichtend geschlagen und dessen Mannschaft zu endlosem Leid verdammt. Um dem geisterhaften Lynchmob zu entkommen, muss der schrullige Kapitän ein legendäres Artefakt aus den Tiefen des Meeres bergen: Den Dreizack des Poseidon. Unterstützung erhält er dabei von der schlagfertigen Astronomin Carina Smyth (Kaya Scodelario) und dem jungen Henry Turner (Brenton Thwaites), der die Kraft des Dreizacks nutzen möchte, um seinen Vater vom Fluch der Flying Dutchman zu befreien.

Pirates Of The Caribbean 5: Salazars Rache startet mit einer fulminanten Actionsequenz, die wohl gleichzeitig eine der großartigsten gescheiterten Raubzüge der jüngeren Kinogeschichte sein dürfte. In dieser Eröffnungssequenz versucht die Crew um Captain Jack Sparrow einen Tresor aus einem verschlafenen Küstenstädtchen zu entwenden und reißt dabei versehentlich gleich das gesamte Bankgebäude aus seinem Fundament. Die anschließende Verfolgungsjagd quer durch den Küstenort steht den absurd überzogenen Actioneinlagen der Fast & Furious-Reihe in nichts nach. Slapstick-Humor trifft auf Action-Bombast, die Kon-Tiki-Regisseure Joachim Rønning und Espen Sandberg, die für den neusten Teil der Piraten-Blockbuster verantwortlich zeichnen, haben mit dieser Hochgeschwindigkeits-Eröffnung eine der unterhaltsamsten Momente des Franchises kreiert.

Trotz Action-Overkill fühlt sich der aktuelle Ableger der Fluch-der-Karibik-Reihe bis zu diesem Zeitpunkt angenehm geerdet an. Keine hochhausgroßen CGI-Kraken oder bombastische Green-Screen-Seegefechte, die das Szenario trügen könnten. Passend dazu auch die dem Bankraub nachfolgende Beinahe-Hinrichtung des unverwüstlichen Captains, in welcher Johnny Depp eben jene schwarzhumorig-nihilistischen Tugenden vollends ausspielen kann, die seinen Charakter zu einem unverwechselbaren Fan-Favorit machten. Es braucht keinen computeranimierten Overkill, eine Rückbesinnung auf alte Stärken reicht vollkommen. Insbesondere dann, wenn die eigentlich auserzählte Figur des Captain Jack Sparrow um ein paar düstere Facetten erweitert wird. Der armselige Niedergang des einst legendenumwobenen Piratenkapitäns, der in Pirates Of The Caribbean 5: Salazars Rache einen neuen Tiefpunkt erreicht, hätte dem abgestandenen Franchise eine frische Note verleihen können. Alkoholkonsum und Kontrollverlust sind jedoch zwei Themen, die im Hause Disney von jeher nicht gern gesehen werden (Hier braucht man sich nur die Kontroverse um Iron Man 2 ins Gedächtnis zu rufen) und so geht diese kurze Episode im nachfolgenden Krawall schlichtweg unter.

Spätestens wenn sich der Piratenjäger Salazar (Javier Bardem) aus seinem nassen Grab erhebt, hält der gewohnte CGI-Bombast wieder krachend Einzug. Mutierte Kriegsschiffe, gigantische Seeschlachten und zerstörungswütige Geister sorgen für ein höhepunktarmes Actiongewitter, das dem Zuschauer kaum Zeit zum Durchatmen und den Charakteren den möglichen Platz zur Entfaltung nimmt. Kleine Akzente, wie die Liebesbekundung an die Arbeit des legendären Tricktechnikers Ray Harryhausen, der in Sindbads gefährliche Abenteuer 1973 eine Galionsfigur zum Leben erweckte, gehen in diesem CGI-Getöse unbeachtet unter. Noch schlimmer steht es dabei um die als emotionalen Ankerpunkt gedachten Henry Turner (Brenton Thwaites) und Carina Smyth (Kaya Scodelario), deren angehende Liebesverbandelungen vollends am Zuschauer vorbei erzählt werden. Während Henry Turner dabei zum charakterlosen Schönling degradiert wird, ist es insbesondere um die Figur der schlagfertigen Wissenschaftlerin Carina Smyth schade, die als angenehmes Gegengewicht zu Johnny Depps tief im Mythenmeer verankerten Charakter funktioniert hätte. Wie stark das junge Liebesglück im Schatten des einstigen Vorzeigepärchens William Turner (Orlando Bloom) und Elisabeth Swann (Keira Knightley) steht, zeigt sich im emotional-nostalgischen Finale des Films, in der die Beiden kurzerhand zu unfreiwillig komischen Zaungästen degradiert werden.

Fazit: Der anfänglich frische Wind stellt sich nur allzu schnell als laues Lüftchen heraus, das generischen CGI-Actionsequenzen weichen muss. Letztlich liefert das Regie-Duo Rønning/Sandberg mit Pirates Of The Caribbean 5: Salazars Rache lediglich mehr vom Altbekannten.

Pirates Of The Caribbean 5: Salazars Rache startet am 25. Mai 2017 deutschlandweit im Kino.