Die 30 besten Schauspielerinnen und Schauspieler aller Zeiten – Conrad-Mildner stellt seine Lieblinge vor

Ich habe ja vor kurzem meine zehn Lieblingsregisseure vorgestellt, wobei mir aufgefallen ist, dass es nicht eine einzige Regisseurin in meine Liste geschafft hat, wodurch mir wieder klar wurde, wie dieser Beruf von Männern geprägt und dominiert wurde. Das ist heute noch so. Nur schwerlich schaffen es Frauen in den Regiehimmel, doch zum Glück werden es jedes Jahr mehr. Man darf also hoffen, dass die Listen der Filmfans in zwanzig Jahren ein weitaus gleichberechtigteres Bild abgeben.

Was hat das aber nun mit der folgenden Liste zu tun? Die Antwort versteckt sich im Titel. Schauspieler_innen werden gerne geschlechtlich sondiert. Das ist bei Filmpreisen so und auch bei den meisten persönlichen Bestenlisten. Dagegen habe ich nichts, aber warum wird das bei Regisseuren_innen nie gemacht, weil das eine „Männerdomäne“ ist, weil es zu wenige Regisseurinnen gibt, die man kennt und die man angemessen differenzieren kann? Ich schließe mich davon nicht aus. Alles ist wahr, aber auch total falsch. Schauspieler_innen dagegen sind wirklich gleichgestellt, weil in den meisten Filmen eben „Er“ und „Sie“ vorkommen. Warum sollte man sie also nicht miteinander vergleichen? Schauspiel bleibt doch Schauspiel. Ist das eine Frage des Geschlechts?

Hier sind meine 30 liebsten Schauspielerinnen und Schauspieler:

30. Madeleine Carroll

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Ich kann nicht verhindern und will es auch nicht, dass der Eindruck entsteht meine Auswahl wäre äußerst subjektiv. Das ist sie und da ich schlecht sagen kann, was einen Schauspieler so gut macht, begründet sich meine Auswahl überwiegend mit Filmen, die ich mag. Wer Hitchcockfilme schaut, stolpert früher oder später über Madeleine Carroll, dem Prototypen aller Hitchcock-Heroinen. Ob in „The 39 Steps“ oder in „Secret Agent“, man muss sie lieben.

29. Sam Neill

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Sam Neills Gesicht hat sich in mein Hirn gebrannt als ich das erste Mal „Jurassic Park“ gesehen habe. Allein wie er im Moment des Staunens die Sonnenbrille abnahm, überstieg meinen kindlichen Verstand. Seitdem freue ich mich ihn zu sehen, ganz egal in welchem Film. Seine schauspielerische Kraft beweist er eindringlich in Zulawskis „Possession“.

28. Samantha Morton

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Ich finde immer noch, dass Samantha Morton für ihre Rolle in „Minority Report“ einen Oscar bekommen sollte. Gegen sie wirkt Tom Cruise gerade mal wie ein Model mit schauspielerischen Ambitionen, ein unterschätzter Film, eine unterschätzte Schauspielerin. Demnächst ist sie in Cronenbergs „Cosmopolis“ zu sehen.

27. Haley Joel Osment

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Ziemlich komisch, dass gleich dreimal Spielberg-Filme als Begründung herangezogen werden müssen, aber Haley Joel Osment hat es als einziger Kinderdarsteller in die Liste geschafft, weil seine Figur des Davids in „A.I.“ mir jedesmal das Herz zusammenschnürt.

26. Martina Gedeck

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Meine Liebe für Martina Gedeck entstand schon vor vielen Jahren, lange bevor sie in jedem zweiten Film mitspielen musste. Damals war es der TV-Film „Hunger auf Leben“ über das Leben der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann, der mir die Augen öffnete. Ihre Stimme ist einzigartig. Alle ihre Figuren tragen diesen Gedeck-Touch, der selbst das Unglaubwürdigste glaubwürdig macht.

25. Jeff Goldblum

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Wieder so ein „Jurassic Park“-Gesicht, aber das ist mir egal. Der Mann ist der Inbegriff von Ausstrahlung und in Cronenbergs „Die Fliege“ steigt er sogar in ungeahnte schauspielerische Höhen.

24. Laura Dern

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Wer jetzt noch den restlichen Cast von „Jurassic Park“ erwartet, den kann ich beruhigen. Laura Dern ist die letzte, wobei sie eigentlich erst seit „INLAND EMPIRE“ eine meiner Lieblingsschauspielerinnen ist. Unter David Lynchs Ägide hat sie ihre größten Leistungen hervorgebracht, ob in „Blue Velvet“ oder „Wild at Heart“.

23. Harrison Ford

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Nur wenige Schauspieler haben die New-Hollywood-Ära so geprägt wie Harrison Ford. Er war Han Solo, Indiana Jones und Deckard aus „Blade Runner“. Er hat mit Coppola und Polanski gedreht. Er hat sich einen Sitz in meinem Olymp redlich verdient.

22. Shelley Duvall

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Ich gehöre anscheindend zu den wenigen Menschen auf diesem Planeten, die finden, dass nicht Jack Nicholson in „Shining“ schauspielerisch den Ton angibt, sondern seine Filmpartnerin Shelley Duvall. Von Kubrick wurde sie getriezt und litt unter Nicholsons Starpersona, doch auf der Leinwand spielt sie sich die Seele aus dem Leib. Eine solche Darstellung gab es nur selten. Heute wäre so etwas gar nicht mehr möglich, in den Zeiten wo alle mit eiserner Miene agieren, doch damals lotete man noch die Grenzen aus. Die Baseballschläger-Szene musste sie 120 mal spielen. Heute ist das nur Legende. Ihren Namen liest man nirgends mehr, leider.

21. Julie Andrews

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Die Frau war Mary Poppins und somit fester Bestandteil meiner Kindheit. Abgesehen davon, hat auch Andrews einen besonderen Touch. In ihren Musicals sprüht sie förmlich über vor Esprit und Gefühlen. Sie gibt der Musik erst die angemessene Form.

20. Emmanuelle Seigner

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Für mich ist Polanskis Muse Emmanuelle Seigner der Inbegriff von Erotik und Ausstrahlung. Da das Kino ja nun auch eine äußerst oberflächliche Angelegenheit ist, hilft es jedem Film, wenn sie mitspielt, sogar so einem Film wie Argentos „Giallo“.

19. Rutger Hauer

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„All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen, Zeit zu sterben.“

18. Naomi Watts

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Watts ist die einzige Schauspielerin, die mich an das alte Hollywood erinnert, was auch ihre Besetzung in „King Kong“ erklärt, wo ich mich das erste mal in sie verguckt habe. Ihre Rollenauswahl ist ungemein vielseitig und passt in kein Schema. Seit ihrem Debüt als lesbische Schauspielerin in David Lynchs Meisterwerk „Mulholland Drive“, zeigt sie bei jedem Film, wie großartig sie ist.

17. Casey Affleck

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Die bessere genetische Hälfte der Affleck-Brüder gehört wahrscheinlich zu den eigentümlichsten Schauspielern Hollywoods. Zuletzt hat er in der Rolle des Regisseurs zusammen mit Joaquin Phoenix der ganzen Welt einen großen Streich gespielt. Sonst kennt man ihn in starken Charakterrollen in Filmen von Gus van Sant, Andrew Dominik oder Michael Winterbottom.

16. Devid Striesow

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Der beste deutsche Schauspieler unserer Zeit. Seitdem ich ihn in Christian Petzolds „Yella“ gesehen habe, will ich ihn überall sehen und zum Glück wird er auch sehr oft besetzt.

15. Michael Shannon

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Neben Ashley Judd war Michael Shannon einer der Gründe, warum William Friedkins Comeback „Bug“ ein solch gelungener Film war. Shannon wird gerne in eine Schublade gesteckt. Er spielt häufig die Psychos und Geisteskranken, doch auch wenn er „gesunde“ Figuren spielt, zeigt er wie hauchdünn die Membran unseres Verstandes sein kann, ein außergewöhnlicher Schauspieler.

14. Sigourney Weaver

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Sie ist die Gallionsfigur der Emanzipation des Actionkinos. Auch wenn sie auf ewig eng verbunden bleibt mit ihrer größten Rolle, der Lt. Ellen Ripley aus den „Alien“-Filmen, so hat sie bereits in vielen Filmen, u.a. in Ang Lees „Der Eiststurm“, gezeigt, was für eine tolle Charakterdarstellerin sie ist.

13. Paul Bettany

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Was ist eigentlich mit Paul Bettany los? Seit ein paar Jahren sieht man die einstige Schauspielhoffnung nur noch in hochbudgetiertem Trash ala „Priest“ oder „Legion“. Dabei fing alles mal so rosig an, als spielsüchtiger Side-Kick in der Ritterkomödie „Ritter aus Leidenschaft“ oder als Lars von Triers Alter Ego im Meisterwerk „Dogville“, nicht zu vergessen sein bekanntester Auftritt in Ron Howards „A Beautiful Mind“. Was kommt als nächstes Paul?

12. Isabelle Adjani

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Die Grande Dame des europäischen Kinos der 70er und 80er Jahre. Wer einmal Zulawskis „Possession“ gesehen hat, weiß wozu diese Frau fähig ist.

11. Gena Rowlands

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Die Muse von John Cassavetes hat ihre größten Leistungen unter seiner Führung hervorgebracht. Ihre Performances in Filmen wie „Opening Night“ oder „Eine Frau unter Einfluss“ gelten heute immer noch als Meilensteine der Schauspielkunst.

10. James Mason

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Seine Augen waren die tiefsten von Hollywood. Man konnte sich herrlich in ihnen verlieren. Er gab uns damit Einblick in das Innenleben seiner Figuren und das wie kein zweiter. Ich kann keinen Film besonders hervorheben. Seht sie euch einfach alle an!

9. Julianne Moore

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Die beste Schauspielerin der Gegenwart, ohne Frage. Es gibt genügend Beweise. Ich empfehle „The Hours“, „Dem Himmel so fern“ und „Boogie Nights“, für den Anfang.

8. Theresa Russell

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Die zweite Frau von Nicolas Roeg trat in vielen seiner Filme auf und zeigte erstaunliche Leistungen. Besonders hervorheben möchte ich „Eureka“. Der Film ist ein wenig untergegangen, aber schauspielerisch gibt es nur wenige andere, die ihm das Wasser reichen könnten.

7. Robert De Niro

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Hier braucht man ja eigentlich nicht viel schreiben. Da wird wohl jeder nicken und das zurecht. Was der Mann zusammen mit Scorsese geschaffen hat, bildet heute einen eigenen Kontinent in der Filmgeschichte. Meine Lieblingsperformance von De Niro ist seine Figur des Rupert Pupkin in „The King of Comedy“.

6. Peter O’Toole

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O’Toole hat es einzig mit seiner Leistung in David Leans „Lawrence von Arabien“ geschafft mein Herz zu erobern und sich einen Platz in der Top 10 zu sichern.

5. Ingrid Bergman

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Eine wundervolle Frau, schön, charismatisch und talentiert. Sie ist meine liebste Hitchcock-Blondine und auch in ihrer bekanntesten Rolle in „Casablanca“ kann man sich nur in sie verlieben. Ich empfehle jedem den etwas unbekannten Hitchcock-Film „Sklavin des Herzens“ zu schauen, wo Frau Bergman in einem achtminütigen Monolog alles und jeden an die Wand spielt.

4. Paul Newman

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Newman ist der pure Sex, der Inbegriff von männlicher Schönheit und war zudem so dermaßen talentiert, dass man ihn gleich mit nach Hause nehmen wollte, ob in „The Verdict“ oder „Die Katze auf dem heißen Blechdach“.

3. James Stewart

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Francois Truffaut äußerte mal Hitchcock gegenüber: „Wenn sie Cary Grant besetzen, wird es meistens komisch, wenn sie Stewart nehmen, emotional.“ Das stimmt.

2. Julie Christie

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Es gab nie und wird nie eine talentiertere und schönere Frau auf diesem Planeten geben. Sogar heutzutage hat sie nichts von ihrem Charme verloren. Damals in den 60ern und 70ern war sie die führende europäische Kraft. Filme, wie „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ oder „Doktor Schiwago“ wurden erst durch sie zu Meisterwerken. Ich verneige mich vor ihnen. Heiraten sie mich bitte, Frau Christie!

1. John Carroll Lynch

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„Wer ist das?“ Das fragen sich jetzt bestimmt viele, wobei das Gesicht von John Caroll Lynch vielen bekannt sein sollte. Er ist einer von diesen ewigen Nebendarstellern, so wie Philip Seymour Hoffman vor „Capote“. Vielleicht ändert sich daran ja nochmal was, irgendwann. Jedenfalls, ist es Lynch bisher gelungen bei mir einen solchen Eindruck zu hinterlassen, dass er nun den ersten Platz belegen darf. Es war 2007. Ich ging ins Kino zu David Finchers neuem Film „Zodiac“, ein beeindruckender Streifen. Ich war wie gebannt, doch wenn man denkt, es kann nicht mehr besser werden, kommt John Carroll Lynch durch die Tür, im Blaumann. Im Warteraum einer Chemiefabrik wird er von den Polizisten befragt. Seine Figur des Arthur Leigh Allen gehört für mich zu den größten schauspielerischen Momenten, die ich bisher auf einer Leinwand erleben durfte. Ich bekam höllische Angst vor diesem Mann, der angeblich all diese Morde begangen haben soll und in einem scheinbar belanglosen Moment schlägt Lynch seine Beine übereinander, was wie ein Messerstich wirkte. Das war die einzige große Szene, die Lynch in „Zodiac“ bekam und er schaffte es, dass ich ihn den Rest des Filmes vermisste. Wenn das ein Nebendarsteller ist, wer braucht da noch Hauptrollen?