"Bambi" (USA 1942) Kritik – Das Leben im Walde

„Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, dann sollte man besser den Mund halten.“

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Was wäre die Filmwelt ohne die legendären Walt Disney-Filmstudios? Mit Sicherheit nicht die, die sie heute ist, einfach aus dem Grund, weil viele dieser wunderbaren Zeichentrickfilme den Kindern die Türen für die Filmwelt öffnete und den Erwachsenen ebenfalls immer und immer wieder die Herzen. Das 1923 von Walt und Roy Oliver Disney gegründete Studio, ist auch heute noch die Seele der Filmwelt. Unzählige Klassiker wurden ab der Mitte der 1920er Jahre serviert, darunter Werke wie „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, „Cap und Capper“, „Das Dschungelbuch“ und Disneys erfolgreichster Streich „König der Löwen“. Eigentlich sind das alles Filme, die jeder Mensch, ob Filmfan, Cineast oder Gelegenheitsgucker, kennt, nicht zuletzt deswegen, weil sie ein fester Bestandteil der Kindheit waren und das weitere Leben immer weiter begleiten, seien es die Momente, die nie mehr aus den Gedanken gehen wollen, oder die Musik, die immer wieder in den Ohren erklingt. Natürlich gibt es noch weitere Klassiker, die zu den Glanzstücken von Disney zählen, doch ein ganz bestimmter Film hat sich den Titel „unvergesslich“ mehr als nur verdient: „Bambi“ aus dem Jahre 1942, der auf der gleichnamigen Romanvorlage von Felix Salten basiert.

Der Frühling ist endlich wieder da, die Blumen dürfen ihre Köpfe der Sonne entgegenstrecken, die Natur wird wieder eingedeckt mit den schönsten Farben und die Sonnenstrahlen beglücken den Wald und seine Bewohner in ihrer schönsten Wärme. Unter den Bewohnern gab es jedoch Zuwachs und der kleine Hirsch Bambi hat das Licht der Welt erblickt. Zusammen mit seiner Mutter, die sich fürsorglich um ihren Zögling kümmert, dem frechen Hasen Klopfer und dem süßen Stinktier Blume erkundet Bambi die für ihn noch unbekannte Welt, wenn auch zu Anfang natürlich auf sehr wackeligen Beinen. Doch im Leben eines Hirsches ist nicht immer alles schön und nicht nur der Winter macht den Tieren zu schaffen, sondern auch die Jäger, die Bambis Leben maßgeblich verändern und ihn selbst auf den schweren Weg der Selbstfindung schicken…

Wer sich an die Anfänge des Disneyzeichenstils erinnern kann, der wird direkt die noch sehr unpräzisen und lockeren Cartoon-Zeichnungen vor Augen haben, die sich durch charmantes, aber dennoch recht ungenaues Schwarz-Weiß auszeichneten. Diese Zeiten hat „Bambi“ natürlich längst überstanden und in den wunderbaren Zeichnungen lässt sich so viel authentische Natürlichkeit finden, dass es eine wahre Freude ist, jedes noch so kleine Detail im Hintergrund des Filmes zu entdecken. Die Mühe des Teams ist klar sichtbar, doch sie hat sich mehr als gelohnt, denn zum einen ist die Natur, die Blumen und Wälder, nicht fantasievoll festgehalten, sondern realitätsnah und die Tiere selbst sind keine „Menschen in Tierkostümen“, wie Walt Disney es bezeichnete, sondern ebenfalls realistisch dargestellt, in Bewegungen und Handlungen, auch wenn sie natürlich sprechen, aber einen Walt Disneyfilm in durchgehendem Schweigen wäre wohl zu keiner Zeit Sinn der Sache gewesen. Der Soundtrack setzt sich aus gefühlvollen Liedern, die sanft im Hintergrund gesungen werden und der orchestralen Musik zusammen, die die Emotionen wie auch die Jahreszeiten wunderbar untermalen.

„Bambi“ zählt nach wie vor zu den meistdiskutiertesten Filmen der Disneyschmiede. Zum einen sahen sich die Jäger diskriminiert, die sich seit dem Kinostart strickt gegen den Film wehrten und auf der anderen Seite war „Bambi“ den Eltern zu realistisch, die mit den unzähligen Tränen der Kinder kämpfen mussten, weil sie mit einer derartigen Ernsthaftigkeit nicht gerechnet hätten. Und dem zweiten Teil darf man wirklich zustimmen, denn „Bambi“ zählt nicht nur zu den ehrlichsten Werken Disneys, sondern auch zu den wichtigsten. Wir lernen den kleinen Hirsch kennen, der die Welt mit seinen kleinen Freunden erkundet und sich immer mehr in den Wald und seine Gewohnheiten hineinlebt. Er tobt, tollt und hat viel Spaß, genau wie jedes andere Kind. Kommt es dann jedoch zur Winterzeit, dann lernt Bambi auch den bitteren Schmerz des Lebens kennen und verliert nicht nur die wichtigste Bezugsperson in seinem Leben, sondern auch die Unschuld, die ihm vorher durchgehend klar aus den brauen Kulleräuglein strahlte. Auch wenn „Bambi“ natürlich die Niedlichkeiten und wunderschönen Momente auf seiner Seite hat, die Inszenierung geht den ernsten Augenblicken nie aus dem Weg, wenn sie sich auch zumeist in den Gedanken der Zuschauer abspielen. Dazu wird natürlich nicht der pädagogische Standpunkt vergessen, der eine klare Botschaft in sich trägt und ganz besonders die kleinen Zuschauer ansprechen wird, die sich in einer sensiblen Geschichte über Reife, Liebe und Abschied wiederfinden und die Situationen des Films immer wieder auf ihr eigenes Leben beziehen können.

Fazit: „Bambi“ weiß auch nach 70 Jahren noch voll und ganz zu überzeugen, gerade weil der Film sich gekonnt zwischen den ernsten und niedlichen Momenten im Leben des Hirsches festsetzt und den Zuschauer immer wieder berührt, nicht zuletzt wegen der unvergesslichen Szene mit Bambis Mutter, die man im Leben einfach nie abschütteln wird und sicher zu den traurigsten Augenblicken der Filmgeschichte zählt. Die wunderbaren Bilder, die noch mit Herzblut gezeichnet wurden und bis ins kleine Detail gefallen, der schöne Soundtrack und natürlich die Charaktere selbst, die nicht nur sofort liebenswert und sympathisch sind, sondern auch über das Leben erzählen und dem Zuschauer etwas mitteilen dürfen. „Bambi“ ist und bleibt großes Zeichentrickkino, welches wirklich jeder mal im Leben gesehen haben sollte.

Bewertung: 8/10 Sternen