"Cockneys vs Zombies" (UK 2012) Kritik – Pussy Galore macht Zombies kalt

„Shut up you soppy tart, those things out there are fucking zombies“

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Als „Cockneys“ werden im englischen Volksmund die alteingesessenen Bürger der Londoner Arbeiterklasse bezeichnet, die in Hörweite der St. Mary-le-Bowdie-Kirchenglocken geboren worden sind. Auch wenn der Slang etwas gewöhnungsbedürftig ist und der Umgangston deutlich rauer als im Rest London zu sein scheint, so sind die Cockneys doch das eigentliche Herz von London. Im Spielfilmdebüt „Cockneys vs. Zombies“ des Berliner Regisseurs Matthias Hoene müssen nun diese waschechten Londoner Originale ihr geliebtes Viertel gegen eine hungrige Zombie-Horde verteidigen. Und auch wenn erst vor ein paar Jahren die „Shaun of the Dead“-Zombies in England für Angst und Gelächter gesorgt haben, muss sich „Cockneys vs. Zombies“ keineswegs vor seinem „großen Bruder“ verstecken. Überaus sympathische Hauptcharaktere, allen voran die waffengeschulten Rentner, ein paar wirklich verrückte Einfälle und ein stimmungsvoller Soundtrack lassen diese kleine Zombiekomödie zu einem äußerst kurzweiligen Filmvergnügen werden.

Um die Seniorenresidenz ihres Großvaters Ray (Alan Ford) vor dem finanziellen Ruin zu bewahren, beschließen die Brüder Andy (Harry Treadaway) und Terry Maguire (Rasmus Hardiker) eine Bank im Londoner Nobelviertel auszurauben. Ein Verbrechen von diesem Kaliber kann man natürlich nicht alleine über die Bühne bringen, und so hat sich das Brüderpaar mit Cousine Katy (Michelle Ryan), dem trotteligen Kleinganoven Davey (Jack Doolan) und dem waffenverrückten Psychopathen Mental Mickey (Ashley Bashy Thomas) mehr oder weniger kompetente Unterstützung besorgt. Doch leider geht der Plan in die Hose und die Ganoventruppe ist gezwungen sich in der Bank vor den angerückten Polizeikräften zu verschanzen. Als sie schließlich mit einigen Geiseln im Gepäck wieder in die Freiheit wagen, haben sich die Probleme mit der Polizei erledigt. Denn diese hat momentan genug damit zu tun, sich gegen eine Zombie-Meute zu erwehren, die im Begriff ist ganz London zu überrennen…

Auch Zombiefilme folgen einem gewissen Regelwerk: Normalerweise begleitet der Zuschauer eine kleinere Gruppe von Menschen durch zombieverseuchte Großstädte auf dem Weg zum nächsten gesicherten Stützpunkt. Diese Gruppen beinhalten Menschen verschiedenen Geschlechts, Alter, Herkunft und Religion. Menschen aus der Nachbarschaft eben, Normalos ohne großartige körperliche Beeinträchtigungen. Doch wie würden sich gesellschaftliche Randgruppen im Kampf mit den wandelnden Untoten schlagen? Wie sähe eine Zombieinvasion in einem Gefängnis, in einer Nervenheilanstalt oder in gar in einem Altersheim aus? Letztgenannter Schauplatz steht nun im Mittelpunkt der Zombie-Komödie „Cockneys vs. Zombies“. Denn während die fürsorglichen Enkel versuchen, sich irgendwie durch das verseuchte London zu kämpfen und ihren Großvater aus dem Seniorenheim zu retten, beweist dieser in der Zwischenzeit, dass sich auch ältere Menschen noch hervorragend gegen Zombies wehren können und längst nicht so hilflos sind, wie allgemein angenommen.

Als besonderes Highlight erweist sich hierbei die Besetzung der rüstigen Zombie-Killer, denn niemand Geringeres als die britische Schauspiel-Legende Alan Ford („Snatch – Schweine und Diamanten“) und das ehemalige Bond Girl Honor „Pussy Galore“ Blackman („Mit Schirm, Charme und Melone“) machen den wankenden Untoten die Hölle heiß. Und dass den beiden britischen Schauspiel-Größen die abgefahrene Zombie-Klopperei sichtlich Spaß gemacht hat, ist den Aufnahmen deutlich anzumerken, denn fast mit jugendlichem Übermut dreschen die alten Recken auf die Zombies ein, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Auch Regisseur Matthias Hoene konnte diesen Eindruck noch durch eine kleine Anekdote bestätigen, die er nach der Vorführung von „Cockneys vs. Zombies“ auf dem Fantasy Filmfest zum Besten gab. Demnach soll besonders Honor Blackman mit einer solchen Inbrunst auf die Untoten losgegangen sein, dass selbst mehrfache „Cut“-Rufe die frühere Hollywood-Schönheit nicht von den bedauernswerten Zombie-Statisten abbringen konnte.

Klar, dass gegen so viele Jahre Schauspielerfahrung die jüngere Generation fast schon zwangsläufig den Kürzeren ziehen muss. Doch auch die machen ihre Sache gut, wobei den größten Spaßfaktor wohl der psychisch labile Kriegsveteran Mental Mickey mit sich bringt. Dieser waffenverrückte Psychopath mit einer Stahlplatte im Kopf sorgt wohl für eine der denkwürdigsten Szenen, die Zombie-Fans in den letzten Jahren zu sehen bekommen haben. An verrückten Ideen spart der Film wahrlich nicht: Wer schon immer mal sehen wollte, wie sich ein Rentner mit Gehhilfe ein spannendes Wettrennen mit einem Zombie liefert, oder eine Prügelei zombifizierter Hooligans miterleben wollte, der ist in „Cockneys vs. Zombies“ genau richtig.

Fazit: Auch wenn „Cockneys vs. Zombies“ das Zombie-Comedy-Rad sicherlich nicht neu erfindet, ist die kleine Horror-Komödie ein amüsanter Genre-Beitrag geworden. Wobei der Charme des Films insbesondere von den gut aufgelegten Schauspielern mit ihrer herrlich derben Cockney-Mundart ausgeht, weswegen man sich diesen Film unbedingt in der Originalfassung ansehen sollte.

Bewertung: 7/10 Sternen