"Django" (1966) Kritik – Nie war der wilde Westen dreckiger

„I sure never thought I’d end up grave-digging and not even getting paid for it, either. Anyhow, it’s better to be above ground doing that than below ground doing nothing.“

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Der Western ist ein dehnbarer Begriff, denn er ist für mich das vielseitigste Genre überhaupt. Alles ist anzutreffen, ob Humor, Drama, Action, Tiefsinn, Emotionen, Politik oder Romantik. Umso erstaunlicher ist es, wieviele Eigenschaften Regisseur Sergio Corbucci in seinem Western ‚Django‘ miteinfließen lies. Der Film zeigt einen der einprägsamsten Anti-Helden der Filmgeschichte, besitzt zudem große historische Relevanz. Der Einfluss der amerikanischen Geschichte, zum Beispiel des Kukluxklans oder der politischen Lage während des Kalten Krieges, liegt nahe.

Trotz all seiner Härte und seines politischen Zusammenhangs ist ‚Django‘ dennoch so unterhaltsam wie kein anderer Western. Im einen Moment wird gemordet oder gefoltert und im nächsten Augenblick ein Gespräch der härteren Gangart geführt, welches seinen Charme dadurch gewinnt, die Coolness aller anderen zu überbieten. Ebenfalls ist ‚Django‘ der wahrscheinlich schmutzigste Western aller Zeiten. Mit all seinen Schreckgestalten und seinem unverkennbar dreckigen, brutalen Stil hat Corbucci hier meiner Meinung nach einen der nachhaltigsten und prägendesten Genrefilme geschaffen. Aber was wäre der Film ohne seine Kostüme, Details und seine Umsetzung? All das garantiert, dass sich eine kultige Szene an die andere reiht: Ein Barbesitzer der seine Zigarre rauchend Geige spielt, die beste Exposition überhaupt, ebenso einer meiner Lieblingsfilmsongs, oder einfach die vielen Höhepunkte des Films. So schnell, mit einem 90-minütigen Film, kann man zum Vorbild werden, zu einer Legende und einen Lieblingswestern kreieren. Corbucci hat es vorgemacht, und alle Nachmacher sind bekanntlich mit ihren Django-Variationen gescheitert.

Natürlich könnte man ‚Django‘ ebenfalls wie der deutsche Filmkritiker Christian Kessler in Worte fassen: „‚Django‘ ist einer der unglaublichsten Filme aller Zeiten. Corbucci malt ein Bild von der Welt, das an Pessimismus nicht zu überbieten ist. Django ist ein durch den Tod seiner Frau gebrochener Außenseiter, der sich nur noch selbst begraben möchte. Doch er muss eine Kreuzigungs- und Wiederauferstehungsgeschichte durchleiden, um am Schluss doch mit leeren Händen dazustehen. Corbucci schafft es Illusionen von Gerechtigkeit zu erzeugen, die letztlich auch zum Scheitern verurteilt sind. Hallo Meisterwerk.“ Das kann ich bezeugen, denn mit nichts geringerem als einem zeitlosen, gesellschaftskritischen Meisterwerk haben wir es hier zu tun. Achja, nicht zu vergessen: Ein Hip-Hip-Hurra auf Franco Nero in der Rolle seines Lebens als titelgebender Held!