"Fast Verheiratet" (USA 2012) Kritik – Jason Segel fordert zum Lachen

„This is supposed to be exciting. It’s your wedding – you only get a few of these!“

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Bei den zahlreichen Romantik-Komödien, welche jedes Jahr erscheinen, von denen natürlich eine einfallsloser als die andere ist und an denen man dementsprechend immer mehr die Lust verliert – warum soll ich schon wieder einer dieser selbsternannten Lachnummern eine Chance geben? – da muss man schon lange warten, bis man auf etwas erträgliches stößt. Eine romantische Komödie, die in diesem Jahr mal wieder Spaß bringt, ist nun ausgerechnet ein Film mit Jason Segel, den man nach seiner Peinlichkeit „Nie wieder Sex mit der Ex“ am allerliebsten meiden möchte.

Verlobt sind Victoria und Tom schon lange, nur mit der Heirat mag es nicht so wirklich klappen. Das hat berufliche Gründe, liegt aber auch daran, dass sie irgendwann nicht mehr an den anderen als Lebenspartner auf Zeit glauben. Victoria wird schließlich eine Stelle an der Uni von Michigan angeboten, welche ihr eine große Karriere sichern dürfte. Wider Willen zieht Tom mit ihr in die Stadt, wohl fühlen tut er sich dort ab dem ersten Moment allerdings nicht. Die Beziehung gerät daher in eine Krise und das Ende, nun ja, das kennen wir bereits aus allen erdenklichen anderen Liebesgeschichten.

„Fast verheiratet“ zeichnet sich vor allem durch seine erste Stunde aus, welche an Einfallsreichtum einiges zu bieten hat. Dazu gehören romantische Dinner, Heiratsangebote, Silvesterpartys und die Tätigkeiten am Arbeitsplatz. Zwischen schwarzem Humor und Dialogwitz legt der Film ein Tempo an den Tag, wie man es in vergleichbaren Komödien in letzter Zeit oft vermisst hat. Die Charaktere entwickeln sich gut, die Protagonisten sind optimal besetzt und kitzeln aus ihren Figuren das Bestmögliche heraus. Leider Gottes verrennt sich Regisseur Nicholas Stoller aber nach einer knappen Stunde in genreüblichen Standards. Der Film wirkt dadurch teils unglaublich zäh, und obwohl es weiterhin ein paar Lacher gibt, mag man nicht so ganz glauben, was hier mit dem Film angestellt wird. Als ob es den grandiosen Anfang nicht gegeben hätte, wird hier gekitscht und übertrieben, was das Zeug hält.

Auch wenn „Fast Verheiratet“ eine gewisse Aussage hat – die perfekte Liebe gibt es nicht, also gebt euch mit demjenigen zufrieden, den ihr habt, und macht das Beste daraus – nach einem tieferen Sinn braucht man in diesem Gefühlschaos nicht suchen. Der Slapstick ist dank Segels gutem Timing fast immer einen Lacher wert, zudem ist Emily Blunt mal wieder ein echter Hingucker, und auch wenn mal wieder segeltypisch einige Witze unter die Gürtellinie zielen, findet der schwarze Humor dieses Mal zum Glück anderweitig Verwendung. Dazu gehören beispielsweise ein abgehackter Finger oder eine Lebensmittelschlacht. Aber auch die Art und Weise, wie in „Fast Verheiratet“ die Depression thematisiert wird, ist eine Sichtung wert. Schade ist es dann nur um das einfallslose Finale, denn da wäre noch mehr drinnen gewesen.

Bewertung: 6/10 Sternen