“Gangster Squad” (USA 2013) Kritik – Sean Penn vs Josh Brolin in einem Film Noir der etwas anderen Art

Autor: Philippe Paturel

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“We’re not solving a case here. We’re going to war!”

Wenn anfangs „Inspired by real events“ als Schriftzug erscheint, dann erwartet man bereits Schlimmes von Regisseur Ruben Fleischer, dem unter anderem die miserable Komödie „30 Tage oder weniger“ zu verdanken ist. Umso überraschter war ich zwei Stunden später, denn seine neueste Arbeit „Gangster Squad“ ist eine spaßige, komplett überzeichnete Hommage an die großen Gangster-Filme vergangener Tage. Auf die Hommage-Schiene muss sich Fleischer allerdings nicht abstellen lassen, denn mit „Gangster Squad“ ist ihm trotzdem etwas ganz eigenständiges gelungen. Daran werden sich sicherlich manche Mafiafilmfreunde die Zähne ausstoßen, alle anderen, die offen für einen klassischen Mafiafilm der Marke „Style over substance“ sind, werden aus dem Schmunzeln nicht mehr rauskommen und zwei der unterhaltsamsten Stunden des Jahres erleben.

Die Geschichte dreht sich um den legendären Gangster-Boss Micky Cohen (Sean Penn), der in den späten 40ern lange Los Angeles auf Trab hielt. Als es scheinbar keine Möglichkeiten mehr gibt, Cohen hinter Gitter zu bringen – vom kleinen Polizisten bis zu hohen Politikern besticht Cohen schließlich alle, die ihm eine Gefahr sein könnten – stellt Chief Parker (Nick Nolte) in klassischer “Die Unbestechlichen“-Manier eine von der Polizei unabhängige Einheit zusammen, um Micky Cohen endgültig das Handwerk zu legen.

Ruben Fleischer versetzt den Zuschauer gekonnt in die Zeit zurück, als Ermittler noch lässige Oneliner von sich geben und Maschinenpistolen tragen durften und es erfolgversprechender war, die Fäuste als viele Worte sprechen zu lassen. Das L.A. der 40er Jahre vermittelt ein Lebensgefühl, dass sich nicht leicht auf die Leinwand bannen lässt, doch Fleischer gelingt dies mit Bravour. Abgesehen davon geht es Fleischer sowieso nie darum eine Treppenszene so intensiv wie Brian de Palma zu inszenieren oder Bösewichte als wirklich ernst zu nehmende Antagonisten darzustellen. Und das ist gut so, denn durch seine Überzeichnung hebt sich „Gangster Squad“ erheblich vom Genreeinheitsbrei ab. Doch auch der eingefleischte Mafiafan bekommt so genügend Szenen, darunter eine adrenalinbetankte Verfolgungsjagd und ein blutiger Boxkampf der etwas anderen Sorte, geboten, die er dauerhaft im Gedächtnis behalten wird.

Fans gewisser Schauspieler werden sich sicherlich daran stoßen, dass der Film bis in die kleinste Nebenrolle mit großen Namen besetzt ist. So haben weder Ryan Gosling noch Robert Patrick die Möglichkeit, sich voll zu entfalten und trotzdem bekommt jeder von ihnen den nötigen Spielraum. Wenn sie zulangen dürfen, dann stellen ihre Handlungen zumeist selbstironische Kommentare zum Gangster-Genre an sich dar. Schön ist dabei vor allem, dass Fleischer seine Ironie nie so penetrant einsetzt, wie es zuletzt in „The Expendables 2“ gemacht wurde. So badet zwar auch „Gangster Squad“ in vielen Genre-Referenzen, trägt diese aber – abgesehen von Jon Politos („Miller’s Crossing“) Auftritt – nicht so offensichtlich zur Schau wie Arnie und Co. Und spätestens im Showdown, wenn Penn „Here comes Santy Clause“ von sich gibt, sollte dem letzten Kritiker, der „Gangster Squad“ fehlende Ernsthaftigkeit unterstellt, klar sein, dass man es mit der Kritik auch übertreiben kann.

Am Ende könnte man überraschter nicht sein, denn der Kontrast zwischen dem amateurhaften Billigschriftzug „Inspired by real events“ und den grandiosen Postkartenmotiven von L.A., die im Abspann mit herrlicher Musik unterlegt werden, ist groß. Ruben Fleischer lässt „Dick Tracy“ auf „L.A. Confidential“ treffen und so ist „Gangster Squad“ eine comichafte Hommage an all die großen Genre-Klassiker geworden, die durch viele gelungene Einfälle ein äußerst unterhaltsames Eigenleben besitzt. Von einer tiefgründigen Handlung distanziert sich Fleischer glücklicherweise von Anfang an, und so wird in seiner Mafiawelt nicht viel geredet, sondern eiskalt gehandelt. Und wie könnte schon cooler gehandelt werden als wenn der Regisseur eine so namhafte Darstellerriege, welche Stars wie Ryan Gosling, Sean Penn, Josh Brolin, Emma Stone und viele mehr aufweist, in Szene setzen darf.

Fazit: Von Fans für Fans des Mafiafilms. Mehr als ein grandios inszeniertes Feuerwerk an guter Unterhaltung mit blendend aufgelegten Schauspielern, die ihre Spielfreudigkeit problemlos auf den Zuschauer übertragen, ist „Gangster Squad“ nicht und will es auch nicht sein.