"Getaway" (1972) Kritik

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„Getaway!“ Ja wie denn? Ganz ehrlich, ich war nie sehr angetan von ‚Bonnie und Clyde‘, daher hatte ich auch hier meine Bedenken. Allerdings wurde ich aufs Äußerste überrascht.

Sam Peckinpah ist hier meiner Meinung nach ein Meisterwerk des Actiongenres gelungen, welches bis heute nichts von seiner Wirkung eingebüsst hat. Klar, Zuschauer, die auf das hirnverbrandte, seelenlose Actioneinerlei des 21. Jahrhunderts stehen, werden wohl damit ihre Schwierigkeiten haben. Allen anderen, die detailliert ausgearbeiteten Charakteren, langsamen Erzählfluss, schönen Aufnahmen und darstellerischen Leistungen noch Bedeutung beimessen können, sei ‚Getaway‘ ganz besonders ans Herz gelegt.
Wie bereits erwähnt, würde ich das Gangster-Paar Mr. und Mrs. McCoy, hervorragend gespielt von Steve McQueen und Ali MacGraw, als das „gelungenere Bonnie und Clyde“ bezeichnen:
Einerseits, weil es sich hier um eine Ehepaar handelt, welches sich 4 Jahre nicht gesehen hat und nun gemeinsam in Kampf gehen. Dem Kampf können hierbei zwei Bedeutungen zugeschrieben werden! Das macht die ganze Story nachvollziehbarer und authentischer.
Und andererseits, weil mich die nebenbei angesprochenen Thematiken (z.B. Moral), der Ideenreichtum und die Umsetzung (v.a. die außergewöhnliche Kameraführung) begeistert haben.
Ich habe also nach langer Zeit mal wieder einen Actionfilm gefunden, den ich immer wieder anschauen werde, denn Sam Peckinpah hat es hier bravourös geschafft, ruhige Momente mit ausgefallenen Actionszenen zu einem großartigen Ganzen zu vereinen.

Das gipfelt schließlich in einem klimaxartigen Shoot-Out der etwas anderen, aber dennoch nicht kitschigen Art (unter der Voraussetzung, dass man den Film verstanden hat).

Fazit: Zeitloser Action-Klassiker mit Tiefgang!

Bewertung: 9/10 Sterne