"Helden der Nacht" (USA 2007) Kritik – Heldenhaft ist hier nichts

„Ich hab ein gutes Produkt. Komm vorbei und mach dir selber ein Bild.“

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Wie in jedem Jahr, gab es auch 2007 genügend Crime-Filme im Kino. Mit ‚American Gangster‘ und ‚Tödliche Versprechen‘ wurde die Messlatte in Sachen Qualität wieder verdammt hoch gehängt. Nicht so gut kam James Grays toll besetztes Crime-Drama ‚Helden der Nacht‘ bei den Kritikern und beim Publikum an. Zu Recht muss man leider sagen. ‚Helden der Nacht‘ ist enttäuschend spannungsarmes Kino, das sich jedoch nicht ganz aus dem Feld schießt.

Das 80er Jahre Feeling wurde in authentischen Bildern festgehalten. Leicht farblos, düster und immer mit einem sanften Schleier bedeckt schafft Kameramann Joaquin Baca-Asay es, eine stimmige und dichte Atmosphäre zu erzeugen. Zu Anfang wird in ‚Helden der Nacht‘ noch auf zeitgenössische Songs zurückgegriffen, aber auch Kilars Soundtrack unterstreicht die Szenen durchaus überzeugend.

Besetz ist der Film mit einigen großen Namen. Die Hauptrolle darf Joaquin Phoenix als Robert Gursinsky übernehmen. Das Phoenix eigentlich ein toller Schauspieler ist, hat er unlängst bewiesen. In der Rolle des Mannes zwischen den Fronten erscheint Phoenix nicht so wirklich glaubwürdig und kann nicht richtig Fußfassen. Eine akzeptable Leistung bringt er aber dennoch. Mark Wahlberg als Robert Bruder Joseph wurde völlig verschenkt und bleibt blass. Wahlberg kriegt keine Zeit um irgendwelche Akzente zu setzen und geht ganz einfach unter. Altstar Robert Duvall als Vater Chief Albert liefert eine solide Vorstellung ab, als besonders ist seine Leistung aber auch nicht zu bezeichnen. Eva Mendes als Roberts Freundin Amada kann auch keine Impulse setzen und macht eben das, was sie am besten kann: gut aussehen. Alex Vedaor als Vadim Nezhinski, ein Mitglied der russischen Drogenmafia, bringt hingegen eine gute Leistung und füllt seinen verdorbenen Charakter kraftvoll aus.

Wir tauchen in die späten 80er Jahre und direkt in den Club von Manager Robert Grusinsky, dort jedoch nur als Bobby Green bekannt. Mit seiner hübschen Freundin Amada macht Robert die Nacht zum Tag. Er lebt ein unbeschwertes Leben ohne Sorgen, mit reichlich Sex und Drugs. Dementsprechend viele krumme Dinger werden in seinem Club gedreht, denn Bobby sieht das nicht so eng. Was seine Gäste dort jedoch nicht wissen, Roberts Bruder und Vater sind beide Cops. Nach einer Razzia, in der der russische Dealer Vadim eingebuchtet werden sollte, der aber durch ein Täuschungsmanöver fliehen konnte, liegen die Hoffnungen nun auf Robert. Dazu wurde Joseph noch auf offener Straße von einem Mitglied der Mafia angeschossen. Robert soll Spitzel fungieren und in die Drogenhölle mit Vadim absteigen. Der Plan geht schief und Roberts Vater, der Chief, wird erschossen. Robert muss endgültig die Seiten wechseln und gegensein altes Leben sowie endlich mit seiner Familie kämpfen.

James Gray möchte uns in Helden der Nacht die Beziehung zwischen Robert, dem schwarzen Schaf der Familie, und seinem enttäuschtem Vater und Bruder näherbringen. Robert ist durch seinen lockeren Lebensstil zwischen die Fronten geraten, zwar ist er noch nicht ganz gefallen, aber er steht an der Schwelle dazu. Dabei hatte er immer die Chance, allein durch die Beziehung seines Vaters, ein besseres Leben als Polizist zu führen. Als es jedoch hart auf hart kommt und Robert langsam realisiert, dass die Familie über allem steht, hilft er auch der Polizei. Er gibt sich natürlich die Schuld am Tod seines Vaters und tut alles dafür, wieder ein besserer Mensch zu werden.

Dieser Weg, die familiären Bindungen zwischen allen zu beleuchten, erweist sich nicht als richtiger Weg. Gray bleibt bei seiner Geschichte leider zu meist oberflächlich. Dazu hat ‚Helden der Nacht‘ noch ein ganz anderes Problem in Sachen Spannung. Höhepunkte gibt es nur einen richtigen, sonst treibt die Geschichte eben so vor sich her, bleibt spannungsarm und vorhersehbar. Die Interessanten Charaktere werden kaum ausgebaut und drehen sich im Kreis. Vor allem das Ende, in dem Robert den Helden raushängen lässt, ist ein fieser Dorn im Auge.

Neben einer gut inszenierten Verfolgungsjagd gibt es jedoch eine Szene, die es besonders in sich hat und der ganz große Höhepunkt des Films ist. Robert muss in die Drogenhölle, in seiner Hosentasche ein Feuerzeug in dem ein Abhörgerät eingebaut ist. Eine fantastische Kameraeinstellung eröffnet die Szene in der Robert mit seinem russischen Begleiter in die Dunkelheit vorschreitet um ins nächste Zimmer zu kommen. Die Situation ist unheimlich angespannt und Robert wird sichtlich nervöser. Er wird darauf nochmal von Vadim durchsucht und der findet das Feuerzeug und dazu noch eine Schachtel Streichhölzer. Alles gerät aus dem Ruder und es kommt zu einer Schießerei die sich gewaschen hat. Eine äußerst brutale Sequenz bleibt dabei im Kopf. Leider ist diese Szene wirklich die Ausnahme.

James Gray verliert sich größtenteils in langen Dialogen, die uns doch nichts sagen. Dass der Film nur einen richtigen Höhepunkt besitzt, spricht natürlich nicht gerade für ihn. Dem Film fehlt zwar der richtige Schwung, zum Stillstand kommt er jedoch nie. Dazu tut auch Joaquin Phoenix sein nötigstes und weckt den Zuschauer immer wieder auf. Trotzdem wurden die Charaktere nicht richtig ausgearbeitet und von Tiefgründigkeit kann kaum die Rede sein. Schade, denn mit diesem Cast hätte ‚Helden der Nacht‘ das Zeug zu etwas Großem gehabt.

Fazit: James Gray inszeniert ein mäßig spannendes Crime-Drama, dem der richtige Tiefgang fehlt. Eine grandiose Szene hat der Film zwar zu bieten, die rettet ihn aber auch nicht aus dem Mittelfeld. Die tollen Darsteller bringen keine guten Leistungen und bleiben im Durschnitt kleben. Dafür besitzt der Film aber eine wirklich authentische Atmosphäre.

„Oh, ich fühl‘ mich leicht wie ’ne Feder von dem Zeug.“

Bewertung: 4,5/10 Sternen