Klassiker-Tipp der Woche "Jenseits von Eden" (USA 1955) Kritik – James Dean und der Wunsch nach Anerkennung

„Heute wollte ich mir deine Liebe sogar erkaufen, aber jetzt will ich sie nicht mehr. Ich könnte sie gar nicht brauchen. Ich brauche überhaupt keine Liebe mehr, es kommt nichts dabei raus…“

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Elia Kazan zählt zu den besten Regisseuren seiner Generation. Vor allem in den 50er Jahren konnte er seine ganz große Zeit erleben. Mit ‚Endstation Sehnsucht‘ von 1951 machte er Marlon Brando zum Star, der Oscar-Erfolg ‚Die Faust im Nacken‘ von 1954 schrieb ebenfalls Filmgeschichte. 1955 wurde die erfolgreiche Karriere fortgeführt und Kazan inszeniert mit der Romanverfilmung ‚Jenseits von Eden‘ ein dramatisches Familiendrama, an dem die Zeit allerdings nicht spurlos vorbeigezogen ist.

Das strenge und gesittete Leben in der amerikanischen Kleinstadt wurde sowohl in warmen, als auch in wunderbar-nostalgischen Bildern festgehalten. Ted D. McCord überzeugt hier durch seine standhafte Kameraführung, die den Film in seinen herzlichen, als auch in den schweren Momenten grandios fotografiert. Leonard Rosenman kann mit seiner Musik den Film immer exzellent begleiten und überträgt die nötigen Emotionen und Gefühle direkt auf den Zuschauer.

In ‚Jenseits von Eden‘ erleben wir die Geburtsstunde einer der größten und tragischsten Legenden der Filmgeschichte: James Dean. Dean, der hier seine erste Hauptrolle zugesprochen bekommen hat, kann als ungeliebter Sohn Cal Trask mehr als nur überzeugen. Das Dean etwas zu alt für die Rolle des rebellierender Sohnes ist, fällt kaum auf, viel zu schnell wird er Eins mit seiner Figur und kann durch sein facettenreiches Schauspieler schnell begeistern und den Zuschauer in seinen Bann zieht. Raymond Massey als bestimmender Vater Adam kann durch sein aufrechtes Schauspiel überzeugen. Richard Davalos als Zwillingsbruder Aaron füllt seine Rolle ebenfalls stark aus, kann mit Dean aber lange nicht mithalten. Julie Harris als Arons Freundin Abra weiß in ihrer Rolle einige Impulse zu setzen und harmoniert wunderbar im Zusammenspiel mit Dean. Jo Van Fleet als vertriebene Mutter Kate konnte für ihre feine Darstellung sogar den Oscar gewinnen, hat aber dennoch recht wenig, dafür aber wichtige, Screentime.

Jenseits von Eden. Ein Ort, weit weg vom Paradies. Jenseits von Eden. Ein Ort, an dem sich Cal gefangen fühlt. Die sonnige Kleinstadt ist nur die trügerische Kulisse der heilen Welt. Die Familie in der Cal lebt, ist jedoch mehr als nur verworfen. Cal ist der ungeliebte Sohn, das schwarze Schaf der Familie. Sein Vater bezeichnet ihn nur als schlecht, immer wieder wird er als Nichtsnutz abgetan. Vater Adam ist nur auf Aron Stolz, denn Aron weiß was er will, er hat sein Leben im Griff und führt dazu auch noch eine aufrechte Beziehung mit der hübschen Abra. Aron wird nicht schräg angeschaut, sondern akzeptiert. Er mag Cal, auch wenn er ihn für eigenartig hält. Cal sondert sich immer mehr ab, obwohl er doch nur angenommen werden möchte. In Abra findet er endlich jemanden, mit dem er sprechen kann und wahre Gefühle aufbauen. Gefühle, die er für Frauen sonst nur vorgetäuscht hat. Sie zeigt ihm die Zuneigung, die er sein ganzes Leben vermissen musste. Er will endlich wieder Teil der Familie werden und versucht sich die Liebe zu erkaufen. Wie immer trifft er auf Ablehnung und Unverständnis. Die Rache von Cal trifft die ganze Familie. Er erzählt seinem Bruder die Wahrheit über seine Mutter, die Cal schon lange vorher herausgefunden hat. Aus Neid und Eifersucht treibt er die Familie so in einen Abgrund…

„Sei nicht gekränkt, Junge! Wenn du mir was schenken willst, dann werde ein guter Mensch. Das wäre das schönste Geschenk für mich.“

‚Jenseits von Eden‘ erzählt uns eine Geschichte voller verdrängter und erwachender Gefühle, voller Abschiede von Verhaltensweisen und Menschen, voller emotionaler Kälte und doch voller Menschlichkeit. Ein Film voller verlorener Anerkennung, voller Sehnsüchte, Neid und Rebellion. Egal wie pessimistisch ‚Jenseits von Eden‘ streckenweise auch sein mag, zum Schluss bleibt es trotzdem ein Film, der uns zeigt, dass wir uns in einer ausweglosen Situation nicht verlieren sollen. Jedes Ende kann auch ein Neuanfang bedeuten. In schrecklichen Momenten kann man wieder zusammenfinden und füreinander da sein, auch wenn man schwerwiegende Fehler gemacht hat. Man muss vergeben, auch wenn es schwer ist und man dabei über seinen Schatten springen muss.

Das ‚Jenseits von Eden heute nicht mehr die volle Wirkung wie zu seiner Zeit erzielt, liegt eben klar am Alter des Filmes. Vor über 50 Jahren waren der große Krach und die daraus resultierenden Folgen weit schockierenden und brisanter. Dazu hat der Film gelegentlich mit einigen Längen zu kämpfen, die ihn aber zum Glück nicht zu sehr aus der Bahn werfen und den roten Faden der Geschichte nicht aus den Augen verlieren lässt. Dass der Film inzwischen etwas angestaubt ist, heißt aber nicht, dass er nicht fesselt oder auch wachrüttelt. Das tut er, dafür sind aber vor allem die grandiosen Schauspieler verantwortlich, die sowohl mitreißen als auch mit ihren Schicksalen mitfühlen lassen können. Die Ruhe vor dem Sturm ist im Film durchgehend spürbar. Kazan verstand es schon immer, aus seinen Schauspielern das Maximum an Leistung rauszukitzeln und konnte sie so perfekt in Szene setzen. Das erzeugt einen wahren Vulkan an Gefühlen, dem man sich nicht entziehen kann und auch nicht entziehen möchte.

Fazit: ‚Jenseits von Eden‘ ist ein tragisches, kraftvolles, hochdramatisches und trotzdem hoffnungsvolles und berührendes Familiendrama. Zeitlos ist der Film allerdings nicht und auch einige Längen muss man besiegen. Diese Schwächen werden allerdings von den herausragenden Schauspielleistungen, allen voran der fantastische James Dean, und der tollen Atmosphäre wieder ausgebügelt und ‚Jenseits von Eden‘ wird zu einem intensiven Klassiker, den man sich allein wegen Dean nicht entgehen lassen darf.

„Du fühlst keine Reue. Du bist schlecht, von Grund auf schlecht!“

Bewertung: 8/10 Sternen