Kritik: Captain Underpants – Der supertolle erste Film (USA 2017)

© Dreamworks

Tra-La-Laaaaaaaaaaaaaaaaaa!

Dav Pilkeys Kinderbuch-Reihe um die aufmüpfigen Viertklässler George und Harold und deren fiktiven Superhelden Captain Underpants hat eine erfolgreiche, aber auch turbulente Historie aufzuweisen. Inzwischen gehört die Serie zu den beliebtesten Kinderbüchern der Welt, wurde in zwanzig Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 70 Millionen Exemplare verkauft, doch als Captain Underpants 1997 in Amerika veröffentlicht wurde, zeigten sich einige „besorgte“ Eltern ganz und gar nicht begeistert von den aberwitzigen und zuweilen ziemlich derben Abenteuern der Grundschüler, die mit Witz, Fantasie und Fäkalhumor stets den Tag zu retten vermögen. In Folge wurde das Buch an vielen amerikanischen Schulen verboten – und hat so mit genau den gleichen Problemen zu kämpfen, mit denen sich auch die Protagonisten George und Harold in David Sorens (Turbo – Kleine Schnecke, großer Traum) Leinwand-Adaption Captain Underpants – Der supertolle erste Film herumschlagen müssen. Zwar ist die Umsetzung des Kinderbuch-Hits ein jugendgerechter Animationsspaß, der insbesondere durch seinen Meta-Humor zu punkten weiß, dennoch verliert sich Captain Underpants – Der supertolle erste Film letztendlich im belanglosen Action-Krach eines erzwungenen Finales.

George (Kevin Hart) und Harold (Thomas Middleditch) sind seit Grundschultagen beste Freunde. Gemeinsam verbringen die beiden jeden Nachmittag zusammen, lästern über doofe Lehrer, planen neue Streiche und verfassen Comic-Hefte. Ihr ganzer Stolz ist dabei Captain Underpants, ein dickbäuchiger Superheld in Unterhosen, der das Böse mit seinen ganz eigenen, reichlich unorthodoxen Methoden zu bekämpfen weiß (Ein unbegrenzter Vorrat an Unterhosen, die er auf seine Widersacher schießt, ist nur eine seiner Superkräfte). Ganz und gar nicht begeistert von dieser eigenwilligen Comicfigur ist ihr fieser Schulleiter Mr. Krupp (Ed Helms), der es sich zum Ziel gemacht hat, das Chaos-Duo ein für alle Mal zu zerschlagen. Ein missglückter Streich der Beiden kommt dem Rektor da gerade recht und so beschließt dieser, die Querulanten in getrennte Klassen zu stecken. Der Weltuntergang für George und Harold, doch als George versehentlich mit Hilfe eines Hypno-Ring den Schuldirektor unter seine Kontrolle bringt, kommt den Jungen eine Idee…

Kinderfilme können so frei sein… Frei von begrenzenden Hürden, frei von logischen Handlungsmustern, frei von jeglichem Schamgefühl, aber auch frei von gutem Geschmack. In den seltensten Fällen stören sich die jungen Kinozuschauer an platten Späßen, die irgendwo zwischen Furzwitzen, Bremsspuren in Unterhosen oder albernen Namensschöpfungen à la Madame-Muffelpo oder Mr. Poopypants verortet sind – lediglich für die mitgeschleppten Eltern können solche Momente zu einer echten Härteprüfung werden, gerade dann, wenn aus einem Kinderfilm ein nicht enden wollender „Uranus“-Witz wird. Zwar bietet Captain Underpants – Der supertolle erste Film einige solche Momente, doch glücklicherweise schafft es Regisseur David Soren über weite Strecken des Films die Balance zwischen infantilen Toilettenwitzen und durchdachten Meta-Späßen zu halten und das Ganze in eine leicht verständliche, emotionale Geschichte um die Zerbrechlichkeit und den Wert der Freundschaft zu verpacken. Daran dürfte auch der Drehbuchautor Nicholas Stoller (Nie wieder Sex mit der Ex) nicht ganz unschuldig sein, denn dieser verleiht der kindgerechten Buddy-Komödie ein ums andere Mal einen kreativen Anstrich. Kleinere Episoden werden mittels Daumenkino oder durch Comic-Strips illustriert und mit Hilfe von Sockenpuppen werden düstere Zukunftsfantasien über zerbrochene Freundschaften und Killerroboter zum Leben erweckt.

Wenn der emotionale Teil der Handlung in den Hintergrund gerückt wird und die Geschichte um den verrückten Wissenschaftler Mr. Poopypants (Nick Kroll) ins Rollen kommt, verliert Captain Underpants – Der supertolle erste Film seine Leichtigkeit und beschwert sich unnötig mit geistlosen Action-Elementen. Gerade das Finale, in welchem sich eine gigantische Killer-Toilette mit Captain Underpants eine erstaunlich unkomische Schlacht um die Zukunft des Humors liefert, gehört zu den größten Schwachpunkten des Films. Im gleichem Maß, wie der Realitätsbezug des Gezeigten verloren geht und die Absurditäten überhand nehmen, verliert die Flucht der beiden aufgeweckten Grundschüler aus dem grauen Schulalltag in die abgedrehte, farbenfrohe Welt der eigenen Vorstellungskraft an Identifikationspotenzial und somit letztendlich auch an Wirkungskraft.

Fazit: Captain Underpants – Der supertolle erste Film erinnert in seinen besten Momenten an die Abenteuer früherer Comic-Rabauken wie Dennis the Menace und weiß durch einige abgedrehte Ideen und Späße lange zu unterhalten. Letztendlich werden jedoch stupide Schauwerte über eine emotionale Entwicklung der Charaktere gestellt.

Captain Underpants – Der supertolle erste Film startet am 12.10.2017 in den deutschen Kinos.