"Planet der Affen: Revolution" (USA 2014) Kritik – Die Affen blasen zum Angriff

Autor: Stefan Geisler

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„Apes not kill apes!“

Die „Planet der Affen“-Serie ist ein Spiel von Licht und Schatten. Während Franklin J. Schaffners („Papillon“) Sci-Fi-Klassiker „Planet der Affen“ aus dem Jahre 1968 das Genre neu definierte und insbesondere insbesondere durch seine intelligent eingebundene Sozialkritik begeisterte, verkamen die Nachfolger zusehends zu billigen Trash-Spektakeln, die lediglich die billigen Affenkostüme mit dem Original gemeinsam hatten. Nach „Die Schlacht um den Planet der Affen“ war die Reihe endlich in den Annalen der Filmgeschichte verschwunden, daran konnte auch 2001 der klägliche Versuch einer Wiederbelebung durch Meisterfantast Tim Burton („Ed Wood“) wenig ändern. Entsprechend groß war dementsprechend die Skepsis, als 2011 ausgerechnet ein Prequel dem Sci-Fi-Klassiker neues Leben einhauchen sollte. Rupert Wyatts „Planet der Affen: Prevolution“ wurde wieder erwarten jedoch genau zu dem neuen Ansatz, den die Reihe benötigte – dabei besann sich der Blockbuster eigentlich nur auf die ursprünglichen Stärken der Serie und verband intelligente Gesellschaftskritik mit bestem Popcorn-Kino. Diesen Weg führt Regisseur Matt Reeves („Let Me In“) mit „Planet der Affen: Revolution“ nun konsequent fort und kann dank des düsteren Grundtons seinen Vorgänger punktuell sogar noch übertreffen.

Zehn Jahre sind seit den Ereignissen aus „Planet der Affen: Prevolution“ ins Land gezogen. Ein Virus, der durch die entflohenen Affen freigesetzt wurde, hat fast die gesamte Menschheit ausgerottet. Die Überlebenden dieser Katastrophe hausen in den Ruinen der „alten“ Zivilisation. Die Überlebenden haben sich in Gruppen zusammengerottet – so auch in San Francisco. Hier hat sich unter der Führung der Männer Malcolm (Jason Clarke) und Dreyfus (Gary Oldman) eine Überlebensgemeinschaft gebildet, die wächst und gedeiht. Doch Malcolm und Dreyfus haben ein Problem, denn langsam neigt sich die Energieversorgung zur Neige und mit der Energie würde auch die letzte Chance auf den Wiederaufbau schwinden. Die Reaktivierung des Staudamms würde alle Probleme lösen, dieser befindet sich jedoch in einem Waldgebiet, in dem seit einigen Jahren die Affen das Sagen haben…

Gleich die ersten Minuten in „Planet der Affen: Revolution“ beginnen eindrucksvoll. Wilde Kamerafahrten durch einen ungezähmten Urwald, schonungslose Jagdszenen im immergrünen Dickicht. Nein, wir befinden uns hier nicht irgendwo im tropischen Regenwald, sondern in einem Waldgebiet nahe der ehemaligen Millionenmetropole San Francisco. Viel hat sich verändert seit den Geschehnissen aus „Planet der Affen: Prevolution“. In wenigen Bildern schafft es Regisseur Matt Reeves dem Zuschauer in diese neue Welt zu führen. Eine Welt, in der sich die Natur ihren Platz zurückerobert hat, Menschen wie verängstigte Herdentiere wirken und die Affen zu den heimlichen Herrschern der Welt aufgestiegen sind.

Das eigentliche Highlight bleiben, wie schon in „Planet der Affen: Prevolution“, jedoch die Affen selbst. So gehört die Auftaktviertelstunde ganz den vernunftbegabten Tieren und der Zuschauer kann ein Gefühl für die sich noch im Aufbau befindliche Affen-Gemeinschaft bekommen. Matt Reeves lässt seinen Affen Platz im Film und lässt diese auch gerne minutenlange nonverbal miteinander kommunizieren. Natürlich gibt es konsumentenfreundliche Untertitel, diese wären jedoch an vielen Stellen überhaupt nicht nötig gewesen. Andy Serkis („Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“) und Kollegen packen in die Mimik und Gestik der Affen so viel Gefühl, dass der Inhalt oftmals auch aus der Zeichensprache und den Affenlauten allein verständlich gewesen wäre. „Am Anfang war das Feuer“ lässt grüßen: Zwar hat Reeves nicht den Mut bewiesen, seinen Zuschauern die Interpretation der Affen-Gespräche zu überlassen, dennoch war es bereits ein Wagnis, den „stillen“ Waldbewohner so viel Spielzeit einzugestehen.

Auch in Sachen Charakterzeichnung hat Reeves alles richtig gemacht. Keine typische Schwarz-Weiß-Zeichnung der „Schurken“ und „Helden“. Jeder Charakter findet während der 130-minütigen Spielzeit einen Platz, um seine Motive in irgendeiner Weise glaubhaft darzulegen. Selbst Koba, der der klassischen Bösewichtsrolle noch am nächsten kommen würde, handelt stets mit besten Absichten, auch wenn er dabei gehörig über die Stränge schlägt. Reeves entwirft lebensechte Charaktere, die erkennbar ein Produkt ihrer Umwelt sind. Jeder noch so kleine Konflikt, jedes Missverständnis kann zum totalen Kollaps der zerbrechlichen Beziehungen zwischen Menschen und Affen führen. Dadurch erreicht „Planet der Affen: Revolution“ seinen Spannungshöhepunkt nicht etwa dann, wenn es zur tatsächlichen Auseinandersetzung zwischen Menschen und Affen kommt, sondern dann, wenn diese zum gemeinsamen Handeln verdammt sind.

Fazit: Regisseur Matt Reeves lässt die Affen zum Angriff blasen: „Planet der Affen: Revolution“ ist gefühlvolles Popcorn-Kino mit Köpfchen und wahrscheinlich der beste Blockbuster des Jahres.