"Der Teufel mit der weißen Weste" (1962) Kritik

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„Il faut choisir. Mourir… ou mentir?“ – „Man muss wählen. Sterben… oder lügen?“

Vom König der komplexen und hochstilisierten Gangster-Filme, Monsieur Jean-Pierre Melville, inszeniert, ist ‚Le Doulos‘ ein düsteres Schattenspiel über Mord, Vertrauen und Verrat. Das Zusammenspiel zwischen den schwarzen und weißen Tonstufen ist absolut außergewöhnlich. Hier zelebriert Melville mal wieder was es bedeutet, eine perfekte Inszenierung zu schaffen. Anfangs glaubt der Zuschauer kaum etwas zu verstehen, denn viele Figuren werden auf einen Schlag eingeführt. Nach und nach bringt Melville jedoch Licht in die Finsternis, der Zuschauer beginnt zu begreifen und darf sich darüber freuen, immer weiter Zeuge eines bedeutenden Meisterwerks zu werden.

Die Technik ist revolutionierend. Viele für das Genre typische Elemente werden in ‚Le Doulos‘ erstmalig benutzt und beeinflussten die Filmemacher der letzten Jahrzehnte. Dazu gehört der für Melville typische kühle Stil, die brillante Ausleuchtung, aber auch die einmalige Kameraführung.

Jean-Paul Belmondo bietet, hier noch am Anfang seiner langen Karriere, eine seiner großartigsten Leistungen. Die wunderbare Welt der Gangster, so wird sie zumindest in den meisten amerikanischen und asiatischen Filmen zelebriert. Melville jedoch schafft eine meisterhafte Atmosphäre, einen Sog, der diese Welt als abscheulich, düster und nicht lebenswert darstellt. Wie ihm das im Detail gelungen ist? Schaut euch den Film an und ihr werdet um eine bedeutsame Erfahrung reicher. Denn ‚Le Doulos‘ ist nicht mehr und nicht weniger als einer der herausragendsten Beiträge zur Geschichte des Film-Noir.

Bewertung: 9/10 Sternen