"Thank You For Smoking" (2005) Kritik – Bitte, bitte, gern geschehen

„Ich war ’52 in Korea und hab Chinesen abgeknallt. Heute sind das unsere besten Kunden. Nächstes mal erschießen wir lieber nicht so viele von denen, was?“

2004 irgendwo in Amerika. Ein Mann im Alter von 28 Jahren schreibt ein Drehbuch, in dem es um Raucher, Nichtraucher und die politische Diskussion dahinter geht. Er wird durch aktuelle Debatten, Werbekampagnen und die tagesfrischen Nachrichten inspiriert. Was er nicht wissen kann: Sein Drehbuch wird auch Jahre später genauso aktuell sein, wie zu dem Zeitpunkt, an dem er den letzten Satz schrieb.

6. März 2011 in Deutschland: Im Fernsehen wird auf einem Klatschmohn-Sender namens RTL 2 „Thank You For Smoking“ gezeigt. Das Drehbuch schrieb der damals 28-jährige Jason Reitman. Es stammt aus dem Jahr 2004. Auch heute ist das Thema des Films so aktuell wie es nur sein könnte und das wird es auch erstmal bleiben. In dieser Hinsicht könnte „Thank You For Smoking“ es sich leisten, arrogant zu sein. Ich schreibe „könnte“, denn das ist er nicht. Er ist humorvoll und erzählt seine Geschichte locker-flockig weg. Was sich jetzt so anhört, als würde die Zeit beim Schauen wie im Flug verstreichen, dem befördert meine eigene Erfahrung einen fetten Rauchgestank an die Kleidung: Sie fließt so zäh, wie das Nichtraucherkaugummi getreu dem Motto „Nicorette statt Zigarette“ dafür sorgt, dass man sich alle paar Minuten ein neues einpfeift, oder als würde dieser Film unter dem Motto „Langeweile braucht keine Eile“ funktionieren.

Die ersten 40 Minuten weiß er offenbar gar nicht, wo er eigentlich hin will und erzählt ständig irgendwas anderes, führt immer wieder neue Charaktere ein, die kurz darauf schon wieder weg sind, und begleitet den Lobbyisten Nick Naylor auf seiner Mission: Das Land zu einem einzigen großen Raucherschlot zu machen. Das ist zwar interessant, wird aber so beiläufig erzählt, dass es doch nur langweilig ist. Der Humor ist zwar zu jeder Zeit zur Stelle, ist aber bei weitem nicht so witzig, wie er es gerne sein möchte. Ich habe tatsächlich nicht einmal lachen müssen, hatte aber innerlich immer das Gefühl: Humorvoll. Erzählt Nick gerade von seinen Reisen und warum er lieber im „normalen“ Flugzeug denn in Privatjets fliegt und es fällt der Satz „Wenn ich nur einen von diesen Jungs dazu bringe mit dem Rauchen anzufangen, sind meine Reisekosten wieder drin!“, dann ist das humorvoll, aber nicht zum lauthals drauflos Lachen.
Aaron Eckhart spielt seine Figur stets souverän und gut, doch da ist mir was Komisches aufgefallen: In diesem Film gibt es massig Nebenfiguren, die teilweise nur wenige Minuten zu sehen sind. Die sind aber alle so schräg, erinnerungswürdig und sympathisch, dass Nick „Aaron Eckhart“ Naylor sofort flach, austauschbar und öde wirkt. Ob er nun von den Schauspielerkollegen an die Wand gespielt wird oder ob es erstmal an seiner Figur liegt, dass er dann in den Hintergrund rückt, ist schwer zu sagen. Vermutlich eine Mischung aus beidem: Im Gegensatz zum anderen Charakter ist er langweilig, wodurch er seine Figur quasi schlechter spielen muss als sein Gegenüber. Wie auch immer: Bis auf den Hauptdarsteller und einige wenige Ausnahmen sind die Figuren alle interessant und schräg, was Abwechslung in diesen Film bringt. Und das müssen sie auch, denn die Geschichte gewinnt da keinen Innovationspreis. Die meiste Zeit über flach und langweilig, und an manchen Stellen höllisch interessant. Nämlich immer dann, wenn es um Diskussionen um Argumentationen, Meinungen, Problemlösungen oder schlicht und einfach um das Hauptthema dieses Films geht. Diese Gespräche möchte man verfolgen, man möchte mitdenken, sich beide Seiten anhören, sich seine eigene Meinung bilden und das schafft „Thank You For Smoking“ mit Bravour.
Die Endszene könnte man eigentlich schon früh voraussehen, doch das tut man nicht. Erst im Nachhinein kann man sagen: Ja, so hätte das sowieso kommen müssen. Blöderweise erscheint das Ende, als hätte sich Jason Reitman für sein Filmdebüt das Buch „Hollywoodfilme für Anfänger“ beschafft und das Kapitel „Wie ein ordentliches Ende aussehen muss“ aufmerksam studiert und umgesetzt.

Alles in allem ist „Thank Your For Smoking“ ein humorvoller, teils interessanter, teils langweiliger Film, mit einem flachen Hauptcharakter und einem enorm aktuellen und wichtigen Thema. Kann man sich ansehen. Oder um es mit den Worten Nick Naylors zu sagen: „Michael Jordan spielt Ball, Charles Manson bringt Menschen um, ich rede. Jeder hat irgendein Talent.“ Dieser Film hat das Talent, interessante Gespräche über ein wichtiges Thema zu schaffen.

Bewertung: 6/10 Sternen