Zum Kinostart von La La Land – Die besten Musicals der Filmgeschichte

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Unsere vier Musicals-Fans Conrad, Leonhard, Patrick und Philippe haben zum Kinostart von La La Land heiß darüber diskutiert, welches die wunderbarsten Musicals der Filmgeschichte sind. Herausgekommen ist dabei folgende Top 20 für Musical-Fans und all diejenigen, die das Genre immer noch unterschätzen und noch zum Fan werden wollen. Bei der unglaublichen Vielfalt an herrlichen Musicals ist einfach für jeden etwas dabei. Wir wünschen viel Spaß beim Entdecken!

Platz 20: Blues Brothers (US 1980) von John Landis

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u.a. mit John Belushi und Dan Aykroyd

Kaum einer kann sich der Faszination der Blues Brothers entziehen. Wenn der unwiderstehliche, leider viel zu früh an seiner Drogensucht verstorbene, John Belushi zusammen mit seinem Leinwandbruder Dan Aykroyd Songs wie „Everybody Needs Somebody“ oder „Soul Man“ anstimmt, kennt niemand mehr Haltung. Dass der Film obendrein mit Gastauftritten absoluter Stars wie Ray Charles, Aretha Franklin und Carrie Fisher gespickt ist, macht ihn nur noch besser.

Platz 19: Dr. Horribles Sing Along Blog (US 2008) von Joss Whedon

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u.a. mit Nathan Fillion und Neil Patrick Harris

Einschränkungen machen kreativ. Joss Whedons kleines Webprojekt kam eigentlich nur zustande, weil der Avengers-Regisseur und Serienschöpfer (Firefly, Buffy & Angel) trotz des massiven 2007/2008 Streiks der WGA (die Gilde der US-Drehbuchautoren) ein kostengünstiges Projekt mit seinen Freunden filmen wollte. Zum Glück zählen zu Whedons Freunden auch Stars wie Nathan Fillion und Neil Patrick Harris. Zusammen wollten sie die Geschichte des aufstrebenden Bösewichts Dr. Horrible (Harris) mit Musik von Whedons Bruder Jed erzählen. Der fertige Film, aufgeteilt in 3 Akten, sprudelt vor DIY-Leidenschaft und unbändigem kreativen Talent. Whedons kleiner Ausbruch aus dem restriktiven System der Gilden und Studios ist selbst nach 8 Jahren immer noch so innovativ und bahnbrechend wie eh und je.

Platz 18: Hinter dem Rampenlicht (US 1979) von Bob Fosse

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u.a. mit Roy Scheider und Jessica Lange

Eine Musical-Liste ohne Bob Fosse macht keinen Sinn. Die Frage ist, entscheidet man sich für den Klassiker Cabaret mit Liza Minelli oder für den autobiografischen All That Jazz – Hinter dem Rampenlicht? Wir haben uns für letzteren entschieden, denn Fosses bittersüßer Blick hinter die Produktion eines Broadway-Musicals hat eine der gigantischsten Musical-Nummern der Filmgeschichte zu bieten. Roy Scheider spielt einen ausgebrannten Choreografen, der vorm Tod (Jessica Lange) im Jenseits zu seinem Leben Stellung beziehen muss. Fosse, der den Film nach einer Herzattacke drehte, lässt sein Alter Ego durch einen Herzinfarkt sterben. Die Todesnummer „Bye, Bye Life“ geht elf Minuten und bietet alles, was das Musicalherz begehrt.

Platz 17: Das Leben ist ein Chanson (FR 1997) von Alain Resnais

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u.a. mit André Dussollier und Agnès Jaoui

Ende der 90er überraschte der für eher ernste Filme bekannte französische Regiealtmeister Alain Resnais (Letztes Jahr in Marienbad) erneut die Kinowelt. Die eigensinnige Musical-Beziehungskomödie Das Leben ist ein Chanson mag zwar anfangs, durch das ungewohnte Playback von Chansonklassikern, gewöhnungsbedürftig sein, doch sobald der Zuschauer in dem Strudel an chaotischen Beziehungen versunken ist, erwartet ihn eine der herzergreifendsten und amüsantesten Musicals der Filmgeschichte. Einer der humoristischen Höhepunkte: Sabine Azéma versucht die depressive Agnès Jaoui mithilfe von France Galls „Résiste“ zu motivieren.

Platz 16: Phantom of the Paradise (US 1974) von Brian de Palma

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u.a. mit Paul Williams und William Finley

Brian DePalma (Scarface) vermischt einfach mal locker Das Phantom der Oper, Das Bildnis des Dorian Gray und Faust, versetzt das Ganze in einen 70er Jahre Rock-Palast, und schafft es, alles in einigen ansprechenden Musical-Nummern zu verpacken. In diesem Horror-Comedy-Musical wird an Einflüssen so ziemlich alles verbunden, was nur irgendwie zusammenpasst. Unbedingt anschauen!

Platz 15: Vorhang auf! (US 1953) von Vincente Minnelli

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u.a. mit Fred Astaire und Cyd Charisse

Der Name Liza Minnelli fiel ja bereits. Ihr Vater, Vincente Minnelli, gehörte zu den großen Musical-Regisseuren des klassischen Hollywood. Seine bekanntesten Arbeiten sind wohl Gigi und Ein Amerikaner in Paris mit Gene Kelly. Vorhang auf! hat eine ganz andere Größe des Musicals zu bieten: Fred Astaire. Sichtlich gealtert, in Technicolor, spielt Astaire den Entertainer Tony Hunter, der nach einem neuen Erfolg lechzt. Das Revue-Musical hat eine der schönsten Tanzszenen zu bieten, inklusive der göttlichen Cyd Charisse. Die lange Noir-Nummer mit Astaire als Detektiv inspirierte Michael Jackson zum Musikvideo von Smooth Criminal.

Platz 14: Hair (DE/US 1979) von Milos Forman

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u.a. mit Treat Williams und John Savage

Wenn am Ende von Hair die Gruppe um das Grab des fälschlicherweise nach Vietnam verfrachteten George Berger steht und zusammen die Friedens-Hymne „Let the Sunshine“ anstimmt, stellen sich einem die Nackenhaare auf. Freie Liebe, Freundschaft und Frieden durchziehen das politisch motivierte Musical über die in den USA entstandene Protestbewegung gegen den Krieg und lassen uns mit Songs wie „Aquarius“ und „I Got Life“ in das Lebensgefühl der Hippies eintauchen.

Platz 13: Disneymanie: Aladdin, Robin Hood und Mary Poppins

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Wir konnten uns einfach nicht entscheiden! Schließlich trägt jeder ein paar Disney-Filme mit sich herum, die einen in der Kindheit besonders geprägt haben und auch in späteren Jahren verlässlich ein Gefühl von Geborgenheit geben.

Platz 12: Der Zauberer von Oz (US 1939) von Victor Fleming

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u.a. mit Judy Garland und Frank Morgan

Ganze vierzehn Autoren und fünf Regisseure verschliss die Produktion aus der großen Studiozeit in Hollywood. Der Zauberer von Oz ist ein farbenprächtiges und herzerwärmendes Musical über die Macht der Träume und den Wunsch nach Sorglosigkeit und Perfektion. Wenn Judy Garland, die für die Rolle der Dorothy mit 16 Jahren eigentlich zu alt war, den unsterblichen Song „Somewhere over the Rainbow“ anstimmt, um ihrer Sehnsucht nach der Ferne Ausdruck zu verleihen, dann ist das nicht nur eine Sternstunde amerikanischer Kinogeschichte, sondern vor allem Wohlfühlkino der Extraklasse.

Platz 11: Der kleine Horrorladen (US 1986) von Frank Oz

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u.a. mit Rick Moranis und Ellen Greene

Wir alle vermissen Rick Moranis, DEN Comedy-Star der 80er und 90er Jahre. In Frank Oz‘ Musical-Adaption des B-Films von Roger Corman spielt Moranis den gutmütigen Blumenhändler Seymour, der an eine außerirdische, fleischfressende Pflanze gerät und sie mit Blut aus der Nachbarschaft versorgen muss. Die Songs von Alan Menken und Howard Ashman sind grandios. Der Humor ist schwarz. Der Film als Produkt der Reagan-Ära ist zudem reizend subversiv. Ein Film zum immer und immer wieder schauen, natürlich nur im Director‘s Cut.

Platz 10: Nightmare Before Christmas / Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street (US 1993/2007) von Tim Burton

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u.a. mit Johnny Depp und Alan Rickman

Zwei der famosesten Musicals haben wir eindeutig auch Tim Burton zu verdanken. Seine filmische Adaption der tragischen Geschichte des Barbiers aus der Fleet Street ist ebenso ein schauspielerischer, musikalischer wie auch inszenatorischer Leckerbissen wie das Fantasy-Animations-Musical Nightmare Before Christmas. Beide Filme sind absolute Glanzstücke in dem bis vor wenigen Jahren fast durchgehend beispiellosen Schaffen des kalifornischen Regieexzentrikers.

Platz 9: Chanson der Liebe” (FR 2007) von Christophe Honoré

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u.a. mit Louis Garrel und Ludivine Sagnier

Liebe, Leben und Tod in Paris. Ein wahrhaft magisches Musical. Egal ob wir traurig sind oder fröhlich, die Musik ist unser ewiger Begleiter. Chanson der Liebe zeigt das auf wunderbar einnehmende Art und Weise, denn schöner werden Filme einfach nicht mehr. Ein Meisterwerk der Emotionen, eine Hommage auf menschliche Beziehungen, das mit jeder Sichtung an Kraft gewinnt. Dazu wurde Paris nur selten besser photographiert. All das macht Honorés Liebeserklärung an die Nouvelle Vague schon jetzt zu einem modernen Klassiker.

Platz 8: Der König der Löwen (US 1994) von Roger Allers

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Auf zwei Disney-Filme konnten wir uns dann aber doch einigen: Darunter einmal der König unter den Disney-Musicals. Die 90er Jahre brachten uns viele Klassiker aus dem `Mouse House´, doch kaum einem darunter gelang die Mischung aus erwachsenen Emotionen, alter Zeichenkunst und unvergesslichen Songs so gut wie Der König der Löwen.

Platz 7: Das Dschungelbuch (US 1967) von Wolfgang Reitherman

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Der andere Disney-Film, bei dem wir uns einig sind. Sobald Balu der Bär in seine Hände klatscht und mit seinem „Probiers mal mit Gemütlichkeit“ loslegt, um Mogli seine Lebensweise nahezubringen, weiß jeder in Deutschland um was es geht. Nicht umsonst ist Das Dschungelbuch nach wie vor der erfolgreichste Disney-Streifen bei uns und einer der erfolgreichsten Kinofilme überhaupt. Die unvergleichlichen Evergreens (im Deutschen fantastisch übersetzt von Heinrich Riethmüller) laden Generation um Generation zum Mitsingen und Tanzen ein. Ein Klassiker der Trickfilm- und Musicalgeschichte!

Platz 6: Die Regenschirme von Cherbourg / Die Mädchen von Rochefort (FR 1964/1967) von Jacques Demy

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u.a. Catherine Deneuve und Francoise Dorléac

Hier konnten wir uns wirklich nicht entscheiden. Europa war noch nie eine Hochburg des Filmmusicals, doch während in den USA die glorreiche Musical-Ära zu ende ging, belebte sie Jacques Demy eigenhändig im Frankreich der 60er Jahre wieder, in schönstem Technicolor wohlgemerkt. Die Regenschirme von Cherbourg und der danach entstandene Die Mädchen von Rochefort bilden die Speerspitze seines Schaffens, das sich von den Werken seiner französischen Kolleg*innen doch überaus unterschied. Die Regenschirme von Cherbourg bildet dabei die experimentelle Hälfte. Zwar erzählt der Film eine eher klassische, tragische Liebesgeschichte, allerdings vor dem Hintergrund des Algerienkriegs und komplett im Rezitativ gesungen. Die Mädchen von Rochefort, ebenfalls mit Catherine Deneuve, besitzt übliche Musical-Nummern und knüpft deutlicher an Hollywood an. Ein gealterter Gene Kelly spielt eine Nebenrolle. Die Musik von Michel Legrand ist zudem ein wahrer Hit-Garant und kann immer wieder gehört werden.

Platz 5: West Side Story (US 1961) von Robert Wise

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u.a. mit Natalie Wood und Richard Beymer

Michael Bays Lieblingsfilm (stimmt wirklich, googelt es) hat nicht nur ihn, sondern wohl jeden Filmemacher in und außerhalb Hollywoods geprägt. Voller ikonischer Momente und Melodien, versetzt der Film von Regisseur Robert Wise (The Sound of Music) Shakespeares Romeo und Julia nahtlos in das Manhattan der 50er Jahre. Das Original-Musical von Leonard Bernstein und Stephen Sondheim erwacht unter Wises dynamischer Inszenierung zum Leben und erstrahlt hell vor Lebensfreude und Herzschmerz.

Platz 4: The Rocky Horror Picture Show (GB 1975) von Jim Sharman

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u.a. mit Susan Sarandon und Barry Bostwick

Heute ist man ja schnell dabei, einem Film den Kultstatus-Stempel aufzudrücken, sei es im werbewirksamen Marketing oder im schnelllebigen Status von 150-Zeichen-Texten. Ein Film, der diesen Stempel aber definitiv verdient hat, ist Jim Sharmans Klassiker The Rocky Horror Picture Show. Nicht nur die Songs des Musicals haben mittlerweile den Weg in jeden CD-Koffer eines ordentlichen DJs gefunden, auch die Darstellungen der Schauspieler, darunter eines fantastischen Tim Currys, haben mittlerweile Legendenstatus erreicht. Munteres mitsingen, mitgröhlen und mittanzen während der Vorführung ist mittlerweile zur absoluten Normalität geworden.

Platz 3: Moulin Rouge” (AU/US 2001) von Baz Luhrmann

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u.a. mit Nicole Kidman und Ewan McGregor

Moulin Rouge ist die Renaissance des Musicals: Schauspieler singen um ihren Verstand, die Liebe des Lebens ist zum Greifen nah und optisch ist Baz Luhrmann sowieso ein perfektes, überwältigendes, epochenübergreifendes Stück gelungen, in dem die Bühne und das wahre Leben miteinander verschmelzen. Moulin Rouge ist so schön wie seine Protagonistin, so versessen wie sein Antagonist und genauso in sich selbst verliebt wie McGregor in Kidman. In diesem Sinne: „Come what may!“

Platz 2: Dancer in the Dark” (DK/FR 2000) von Lars von Trier

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u.a. mit Björk und David Morse

Lars von Trier zeigt mal wieder sein Gespür für starke Frauenrollen, bricht einem mit diesem Ausnahmedrama das Herz und verleiht uns eine vollkommen neue Perspektive auf Musicals. Das ist wahnsinnig gewöhnungsbedürftig, verdammt originell und emotional so sehr fordernd wie nur wenige andere Filme.

Platz 1: Du sollst mein Glücksstern sein (US 1952) von Stanley Donen

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u.a. Debbie Reynolds und Gene Kelly

Es kann nur EIN bestes Musical geben und das kann letztendlich nur Stanley Donens und Gene Kellys Über-Klassiker Singin‘ in The Rain sein. Das Vermächtnis dieses Jukebox-Musicals ist kaum zu überschätzen. La La Land würde es ohne diesen Film wohl gar nicht geben. Fast jeder Mensch auf dieser Welt kennt den Titelsong und Gene Kellys Tanz durch den Regen. Die vor kurzem verstorbene Debbie Reynolds hat sich für die Good-Morning-Nummer die Füße blutig getanzt und dass Donald O‘Connor seine artistische Tanz-Nummer („Make‘em Laugh“) überlebt hat, gleicht sowieso einem Wunder. Das American Film Institute wählte den Film zum besten Musical aller Zeiten. Wir schließen uns dem voll und ganz an.

Falls ihr noch nicht genug von Bestenlisten habt, hier geht es zu:

– unserer Top 25 der besten Horrorfilme

– unserer Top 25 der besten Western