Autor: Pascal Reis

Filmkritiken

"God Bless America" (USA 2011) Kritik – Probleme sind da, um erschossen zu werden

Autor: Pascal Reis "I didn't kill her because I couldn't have her. I killed her because she wasn't nice." Würde uns ein Fremder auf der Straße begegnen, den Zeigefinger selbstbewusst in unsere Richtung erheben und uns mit felsenfester Überzeugung vorwerfen, dass wir uns viel zu gerne in unserer von Abscheu angetriebenen Feindschaft gegenüber den Medien, der Politik und der abgestumpften Gesellschaft im Allgemeinen verrennen, so hätte dieser Jemand in so gut wie jedem Fall Recht. Es ist nun mal kein Geheimnis mehr, dass wir in einer beschlagenen Ära angekommen sind, in der die Dümmsten und Lautesten immer evidenter in den Fokus gerückt werden. Und ja, es sind immer die Menschen bei der breiten Masse am beliebtesten, die ohne Skrupel agieren, die keinen Wert auf Anstand legen, keine Rück...
Filmkritiken

"Broken City" (USA 2013) Kritik – Mark Wahlberg und Russell Crowe im Kampf der Egomanen

Autor: Pascal Reis "There are some wars you fight and some wars you walk away from, this is the fighting kind." Geschwister auf dem Regiestuhl gibt es in Hollywood ja zu genüge: Joel und Ethan Coen („No Country for Old Men“), Andy und Lana Wachowski („Matrix“) und Bobby und Peter Farrelly („Verrückt nach Mary“). Zugegeben, der anhaltenden Qualität der sagenumwobenen Coen-Brothers kann kein Geschwister-Pärchen in der heutigen Zeit das Wasser reichen, es ist aber auch der Fall, dass man sich die Gebrüder aus Minnesota gar nicht mehr als individuelles Unikat vorstellen kann, denn dafür sind ihre Rollen als Künstler in der Branche bereits untrennbar legiert. Ein ganz anderes Doppel hat die Nabelschnur der Zusammenarbeit im Jahre 2013 jedoch durchtrennt und den Versuch gewagt, sich einmal ges...
Filmkritiken

Regisseure im Fokus: Einsamkeit, Sehnsucht und Gesellschaftskritik – Drei Werke des Ulrich Seidl

Autor: Pascal Reis Unangenehm und unverstellt. Zwei flüchtige Adjektive, die sich hervorragend für eine saloppe Beschreibung der gesamten Œuvre von Ulrich Seidl eignen. Warum aber berühren die Outputs des antizipierten Österreichers den Betrachter in einem solch schmerzhaften Ausmaß? Warum schafft Seidl es immer wieder in leibeigener Perfektion, den Zuschauer in seinem charakteristischen Fasson bis an die Grenzen zu führen? Die Brandmarkung „schwierig“ ist in Bezug auf seine Werke natürlich von äußerst bequemer Beschaffenheit zu wählen, um aber bis zum tatsächlichen Kern vordringen zu können, benötigt der Zuschauer nicht nur willensstarkes Durchhaltevermögen, er benötigt auch die autorisierte Fähigkeit zur gesellschaftlichen Selbstreflexion, die sich eben auch direkt vor und hinter der ...
Filmkritiken

Trailer zum neuen Tatort "Willkommen in Hamburg" mit Til Schweiger

Wie uns der Trailer gefällt: Heute Abend um 20:15 Uhr in der ARD gibt es die große Tatort-Premiere für Til Schweiger als Ermittler Nick Tschiller. Veränderungen sollten her, so Schweiger, ob das Konzept am Ende auch wirklich aufgeht, wird sich später zeigen. Der Trailer macht jedenfalls den Eindruck, als hätte man alle Schweiger-Versatzstücke der letzten Kinojahre in einen Topf geworfen und durch den Fleischwolf gedreht. Deftige Einschaltquoten wird das mit Sicherheit bringen.
Filmkritiken

"Detachment" (USA 2011) Kritik – Adrien Brody auf der Suche nach sich selbst

Autor: Pascal Reis "A child's intelligent heart can fathom the depth of many dark places, but can it fathom the delicate moment of its own detachment?" Bei seinem Debütfilm aus dem Jahre 1998, kann der britische Regisseur Tony Kaye auch gleichzeitig vom persönlichen und bis dato einzigen Höhenflug in der Filmwelt sprechen. Die Rede ist dabei natürlich vom intensiven Neonazi-Drama „American History X“, bei dem Kaye auch Edward Norton – unvergesslich mit stählerner Physis und demonstrativen Hakenkreuz auf der Brust – zum großen Durchbruch verhalf, um seiner Karriere nur ein Jahr später in David Finchers „Fight Club“ bereits die frühzeitige Krone aufzusetzen. Kaye hat sich jedoch auch in einem anderen Fall im Filmgeschäft einen Namen gemacht: Der Engländer hatte das Privileg, mit dem unant...
Filmkritiken

Regisseure im Fokus: Rohe Gewalt, gezielte Provokation, menschliche Abgründe und liebevolle Subtilität – Fünf Werke des Michael Haneke

Autoren: Pascal Reis, Sebastian Groß "Funny Games" (AT 1997) Mutter, Vater, Sohn. Ein Urlaub im Ferienhaus. Zwei höfliche Fremde die sich ein paar Eier ausleihen wollen. So beginnt wohl einer der umstrittensten Filmes des Michael Haneke. Bereits im Vorspann, wenn die harmonische Mozartmusik plötzlich verdrängt wird von lauten, brachialen, musikalischem Gekreische, wird klar, dass die gutbürgerliche Urlaubsidylle etwas heimsuchen wird, etwas Verächtliches „Funny Games“ erzählt vom Bösen und macht kompromisslos klar, dass es überall sein kann. Was klingt wie ein Thriller erweist sich aber nach und nach als Reflexion. Nicht nur über menschliche Finsternis, sondern viel mehr über die Rolle der Medien in unserem Alltag. In der Schlüsselszene, wenn es so scheint dass Haneke uns, den Zuschaue...
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"Get the Gringo" (USA 2012) Kritik – Mel Gibsons Sommerferien im mexikanischen Gefängnis

Autor: Pascal Reis "Is this a prison, or the world's shittiest mall?" Wenn man das gegenwärtige Action-Genre etwas genauer unter die Lupe nimmt, dann ist der angestrebte Fasson mehr als überdeutlich zu erspähen: Alter vor Schönheit. Das Zepter im sogenannten „Männerkino“ dürften heute erneut die Helden der Vergangenheit gen Himmel strecken und erleben so ihren zweiten Frühling, in dem sie wieder an dem Punkt angekommen sind, der auch schon den Karrierestartschuss in den frühen 80er Jahren gegeben hat. Arnold Schwarzenegger ist mit „The Last Stand“ als grimmiger Sheriff zurück in die Kinos gekehrt, Bruce Willis darf als John McLane in „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ zum fünften Mal die Welt retten und die große Seniorenzusammenkunft mit fulminanten Kalibern und eminenten Stic...
Filmkritiken

Erster deutscher Trailer zu "Die Jagd" mit Mads Mikkelsen

Wie uns der Trailer gefällt: Wenn sich einer der interessantesten Schauspieler unserer Zeit (Mads Mikkelsen) und ein ebenso interessanter europäischer Regisseur (Thomas Vinterberg) zusammentun, dann darf man auf die gemeinsame Zusammenarbeit mehr als nur gespannt sein. In „Die Jagd“ spielt Mikkelsen, der auch mit dem Schauspielerpreis von Cannes geehrt wurde, einen beschuldigten Mann, der angeblich ein kleines Kind sexuell missbraucht haben soll. Vinterberg hat in der Vergangenheit schon bewiesen, dass er mit brisanten Themen hervorragend umgehen kann (siehe „Das Fest“) und auch „Die Jagd“ könnte ein intensives wie schweres Charakter-Drama werden. Deutscher Kinostart ist der 28. März.
Filmkritiken

Deutscher Trailer zu "Take This Waltz" mit Michelle Williams und Seth Rogen

Wie uns der Trailer gefällt: Die Regisseurin Sarah Polley scheint mit "Take This Waltz" eine der einfühlsamsten Liebesgeschichten dieses Jahres in die Kinos zu bringen. Mit Michelle Williams als Frau zwischen zwei Männern, könnte "Take This Waltz" ein gefühlvoller Film voller subtiler Zwischentöne werden, der Trailer erweckt diesen Eindruck jedenfalls bereits nach wenigen Sekunden. Und außerdem kann Seth Rogen sich auch mal in einer seriöseren Rolle zeigen. "Take This Waltz" sollte man in jeden Fall im Auge behalten. Deutscher Kinostart ist der 07. März.
Kritik: Das siebente Siegel (SE 1957) – Ein anachronisches Schachspiel um Leben und Tod
Drama, Filmklassiker, Filmkritiken

Kritik: Das siebente Siegel (SE 1957) – Ein anachronisches Schachspiel um Leben und Tod

Wisch die Tränen weg und gefall' Dir in Deiner Gleichgültigkeit. Philosophiestunde à la Ingmar Bergman, verknüpft mit den essenziellen Motiven des generalisierten Menschentums. Dabei kann der Schwede in „Das siebente Siegel“ von seiner leibeigenen Effizienz Gebrauch machen, die anderen Regisseuren in Anbetracht der demonstrativen Metaphorik und der allegorischen Laxheit die nicht den analytischen Kern beinhalten, den man von Bergmans psychologischen Sondierungen der menschlichen Verhaltensmuster durch andere Werke kennenlernte, gefehlt und so in die Knie gezwungen hätte. Ja, „Das siebente Siegel“ erhebt sich nicht durch seine spitzfindige Komplexität, die jedes optionale Charakter-Drama aus dem europäischen Raum in den Schatten stellen würde. Und doch schafft es der Meisterregisseur die...