Die besten Filme des Kinojahres 2018 – Leonhard stellt seine Lieblinge vor

Eighth Grade © A24

Kann ich ernsthaft über meine Top 10 schreiben, ohne meine Top 1 zu erwähnen? Ohne Eighth Grade, der zwar Anfang 2018 erfolgreich in Sundance und US-Kinos lief, aber hierzulande immer noch auf sich warten lässt. Wie soll ich eine Top 10 Liste meiner Lieblingsfilme des Jahres machen, wenn Bo Burnhams Regiedebüt weder einen deutschen Kino- noch einen VOD-Start hatte? Selbst eine DVD hätte ich akzeptiert! Aber nichts. 2018 ist jetzt fast vorbei und ich habe umsonst gewartet. Wie soll es jetzt weitergehen? Einfach 2019 abwarten? Pfft. Wer weiß, ob wir in einem Jahr noch Top 10 Listen machen werden, so wie sich die Welt entwickelt. Außerdem: Warum muss ich mich den Launen der internationalen Verleih-Mafia beugen? Eighth Grade ist ein 2018 Film, durch und durch. So viel kann doch jeder sehen!

Aufgepasst: Das hier ist eine Protestliste!

Achtung: Manchmal werde ich Eighth Grade falsch schreiben. Aber das ist OK.

10. Eihgth Grade (oder, hm, Auslöschung?)

Eighth Grade © A24

Nach Ex Machina beweist Alex Garland erneut sein Gespür für posthumanen Sci-Fi-Horror, der die Grenzen des Menschlichen abtastet, wobei er hier mit einer Reihe furchteinflößender neuer Kreationen aus der Romanvorlage von Jeff VanderMeer spielen kann. Neben mutierenden Bären und Alligatoren (oder Krokodilen? Ich kann die immer noch nicht auseinanderhalten.) sind die Veränderungen der eigenen Person, des Körpers und der Psyche, am erschreckendsten. Genauso wie bei Eighth Grade, wo die Hauptfigur Kayla (gespielt von Elsie Fisher) einen ähnlichen Wandel erlebt, nur ohne Krokodile. Aber mit Instagram. Scary!

9. Eighth Grade (oder, keine Ahnung, Thelma…)

Eighth Grade © A24

Joachim Triers übernatürlicher Coming-Of-Age Thriller behandelt genau diese Angst vor dem eigenen Körper, Angst vor Dingen, die man nicht kontrollieren kann. Aber wisst ihr, was man auch nicht kontrollieren kann? Pubertät! Bei Eighth Grade ist nichts übernatürlich. Dieser Film ist real.

8. Eigth Grade (Searching, von mir aus)

Eighth Grade © A24

Searching, das Regiedebüt von Aneesh Chaganty, macht sehr viel sehr richtig. John Cho gibt die beste Performance seiner Karriere (sorry, Harold & Kumar) und der Film versteht es, zwischenmenschliche Entfremdung mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel darzustellen. Gibt es etwas traurigeres als ein Smartphone? Searching sagt Nein, und Eighth Grade weiß das eh schon längst.

7. Eighth Grade (äääähh… Menashe?)

Eighth Grade © A24

Noch ein Regiedebut. Leider ohne Smartphones. Allerdings spielt der Film in einer abgekapselten, streng konservativen, chassidischen Gemeinde in Brooklyn, also lasse ich das durchgehen. Guter Film.

6. Eighth Grade (The Rider oder so)

Eighth Grade © A24

Gleiches gilt für The Rider, wo Chloé Zhao das einsame, verarmte Leben der Rodeo-Reiter und Cowboys auf den leeren Steppen und Feldern Dakotas in quasi dokumentarischer Form abbildet. Obwohl, einmal sehen wir einen Laptop und eine Nebenfigur hat, glaube ich, einen alten iPod. Keine Smartphones, aber dafür viele Pferde. Beides traurig. Eighth Grade ist trotzdem besser.

5. Eighth Grade (lass mal First Reformed machen)

Eighth Grade © A24

Paul Schrader hat wohl sein altes Buch über Ozu wiederentdeckt und einen sehr guten Film in diesem, von ihm so beschriebenen, „transzendentalen“ Stil gemacht. Die Story ist ein sehr passendes Update des Konflikts aus Bergmans Licht im Winter. Eighth Grade hat wenig mit Ozu und Bergman zu tun. Dieser Film ist der Ausdruck einer komplett neuen filmschaffenden Stimme, dieser Film ist den großen Meistern absolut NICHTS schuldig!

Außerdem: Der US-Filmverleih A24 brachte First Reformed zwar in Deutschland auch nicht ins Kino, hat ihn dafür aber ohne langes Warten international auf Amazon verfügbar gemacht. Warum nicht auch Eighth Grade, der auch bei A24 liegt? A24, ich dachte, ihr wärt cool! Ich musste mich für Eighth Grade kriminalisieren! Was ist euer Plan? Was ist eure Entschuldigung? [Unsere Kritik]

4. Eighth Grade (Der seidene Faden, konnte ich ertragen)

Eighth Grade © A24

Keine Smartphones. Dieser Film ist fake.

3. Eighth Grade (Lady Bird ging)

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Auch keine Smartphones, dafür aber Coming-Of-Age und eine ehrliche Mutter-Tochter Beziehung. Greta Gerwig mag bestimmt auch Eighth Grade.

2. Eihght Grade (Private Life, auch gut)

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In Tamara Jenkins’ Indie-Drama wollen Paul Giamatti und Kathryn Hahn unbedingt ein Kind. Aber es gibt keine einzige Szene, wo die beiden angehenden Eltern überlegen, was sie machen würden, wenn ihr Kind einen YouTube Kanal startet und dort Vlogs hochlädt, die sich niemand ansieht. Wie gehst du als Vater und/oder Mutter damit um? Eighth Grade weiß es.

1. Eighth Grade (joa, Call Me By Your Name, oder?)

Eighth Grade © A24

Klar, Luca Guadagnino ist ein geiler Typ. Kino kann er, und einen klasse Namen hat er auch. Aber YouTube-Star Bo Burnham ist ein gottverdammtes Multitalent und, ich meine, dieser Name lässt sich doch auch sehen. Wofür steht „Bo“? Wahrscheinlich Robert oder so. Ist egal, Eighth Grade war gut.

Neben diesen Filmen fand ich natürlich auch Cold War, Roma, Shoplifters und The Florida Project sehr gut (ich meine, ich hab ja schließlich guten Geschmack!). Sehr viel Spaß hatte ich dazu noch mit Set It Up, Vollblüter und Bad Times at the El Royale.

HIER geht es zu Pascals und Philippes Lieblingsfilmen des Jahres 2018. Weitere Listen folgen bis Ende des Jahres täglich.

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