"Der Herr der Ringe – Die Gefährten" (2001) Kritik

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Wie würde Gandalf sagen: „I think there’s more to this ‚movie‘ than meets the eye.“

Lasst mich dazu eine kleine Anekdote erzählen. Da gab es einst einen kleinen Jungen, der eines Tages in der örtlichen Bücherei ganz ungewollt über einen dicken, roten Wälzer stolperte. Er nahm dieses Buch also in seine Hände, setzte sich in die nächste stille Ecke und fing an darin zu blättern. Kurz darauf begann er zu lesen. Nicht ab der ersten Seite. Nein! So etwas macht man als Kind nicht, sondern irgendwo mittendrin fing er an. Es ging um menschenähnliche Geschöpfe namens Hobbits und dann war da ein Zauberer. *Tooooll* Alsbald musste der Junge jedoch wieder nach Hause und so entschied er sich, spontan das Buch auszuleihen. Was nun folgte, waren schlaflose Nächte, so sehr wurde er von der Geschichte in den Bann gezogen. Was sich daraus entwickeln sollte: Eine Liebe. Eine Liebe zu einer Fantasiewelt. Alles schien ihm wie ein Traum. So las er das Buch immer und immer wieder, bis er von jedem Charakter, jedem achso kleinen Winkel Mittelerdes im Tiefschlaf erzählen konnte.

Einige Jahre später schließlich sollte genau diese Geschichte ihren Weg auf die Kinoleinwände finden, und da damals niemand mit ihm gehen wollte, entschloss sich der Junge, das erste Mal einen Film alleine im Kino anzuschauen. Dieses Erlebnis hat er seitdem nie wieder vergessen, diese einmaligen Gänsehautmomente, diese perfekte Adaption eines unverfilmbaren Romans. Danke Peter Jackson, danke J.R.R. Tolkien, danke New Line Cinema, danke an jeden, der mir das Tor in diese Welt sowohl als Buch, als auch als Film, geöffnet hat.

Hobbits, Magier, Zwerge, Elfen, Menschen, Orcs, Trolle und einen Balrog. Feindschaft, Freundschaft, Liebe, Hass, Krieg und Fantasie. ‚Die Gefährten‘ ist ein Film, der so viele wunderschöne Details, Figuren und Facetten zu bieten hat, wie kein zweiter Film auf Erden. Peter Jackson ist für mich ein Genie, denn nur ein Genie vermag es einen solch‘ komplexen Stoff dermaßen episch, emotional, spannend, liebenswert und der Vorlage gerecht auf Zelluloid zu bannen. Ob Howard Shores meisterlicher Soundtrack, die bis in die kleinste Nebenrolle perfekt gecasteten Darsteller, die eindrucksvollen Aufnahmen oder die revolutionierenden Effekte. Dialoge zum Totlachen, zum Weinen und zum Staunen. Ich könnte hier tagelang aufzählen, wieso ich diesen Film liebe, nur möchte ich niemanden mit unnötigen Sätzen belasten.

Jedoch möchte ich noch erwähnen, dass alles, was ich hier angesprochen habe, für die beiden anderen Teile ebenfalls zutrifft. Der einzige Unterschied besteht darin, dass ‚die Gefährten‘ mehr abenteuerlich, denn actionreich ist, was ihn für mich von ‚die zwei Türme‘ und ‚die Rückkehr des Königs‘ abhebt.

„My dear Frodo. Hobbits really are amazing creatures. You can learn all there is to know about their ways in a month, and yet after a hundred years they can still surprise you.“

Es scheint, als hätte sich Peter Jackson dieses Zitat sehr sehr langsam auf der Zunge zergehen lassen, denn mit ‚der Herr der Ringe – die Gefährten‘ schuf er meiner Meinung nach nicht nur einen absolut herausragenden Film, sondern ein Monument, die beste Buchverfilmung aller Zeiten und bis heute einen meiner absoluten Lieblingsfilme. Was wohl Tolkien gedacht haben muss, als er von diesem Geniestreich Wind bekommen hat?

2 Comments

  • Gänsehaut pur hatte ich bei diesem Filmbericht. genauso war es bei mir. Ich war noch jung damals und mein Sohn erst recht. Und Tolkin begleitet uns beide in eine wunderbare Parallelwelt. Heute ist mein Sohn fast 42 und ich bin 62 und immernoch ist es für uns keine Frage. Die besten Bücher, die besten Filme. Es gab schon einmal eine Verfilmung als Zeichentrick, wenn ich mich recht erinnere. Das war so furchtbar und oberflächlich (wenn man die Bücher kennt), das mein Sohn sich anfangs standhaft geweigert hat, sich diese Verfilmung anzusehen. Allerdings, nachdem er sie gesehen hat stimmt er uns voll zu. Mein Tochter (31) übrigens auch. Sie ist erst spät ans Lesen überhaupt gekommne, aber dann mit voller Wucht. Aber Filme liegen bei ihr immer noch etwas weiter vorn. 🙂

    Übrigens, was ganz anderes, „Die Nordsee von oben“, ein wunderbarer Naturfim über unser Weltnaturerbe Wattenmeer. Den sollte man sich auch nicht entgehen lassen.

  • Es soll ja Leute geben, die mit der HdR Verfilmung nix anfangen können. Tolkiens Bücher waren für mich eine erste Reise in die Fantasy Welt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich als Kind von der Bibliothekarin immer aus der „Erwachsenen“abteilung der Bücherei gescheucht wurde, weil ich dort rumgestöbert hab. Die Hobbit und HdR Bücher hab ich dann tatsächlich IN der Bücherei gelesen, weil ich sie im damaligen Alter noch nicht ausleihen durfte. Dann hab ich mich in der Kinderabteilung versteckt und bin in diese unglaubliche Welt eingetaucht. Diese Geschichten haben auch heute noch einen extrem hohen Wert für mich – alle zwei, drei Jahre greif ich zu den Büchern und lese von neuem, kann Passagen quasi mitsprechen, wenn ich auch im dritten Band die elendige Wanderung von Frodo und Sam gerne mal überschlage.
    Als damals die ersten Neuigkeiten zu Peter Jacksons Verfilmung ans Licht kamen, war ich gelinde gesagt schockiert. Über all die Jahre haben sich die Bilder aus dem Buch in meinem Kopf manifestiert, ein Eigenleben gebildet. Ich hatte Land und Leute vor meinem inneren Auge und konnte mit den Entscheidungen in Sachen Cast oder gar Storyänderungen überhaupt nicht umgehen. Dann kamen „Die Gefährten“. Eine passende Nacht für den Filmstart in Berlin. Es war eisig kalt, zuvor hatte es geschneit, dann geregnet. Verzaubert aus dem Film bin ich nachts durch den Berliner Tiergarten gelaufen, wo im Mondlicht die gefrorenen Tropfen und Zapfen an den Bäumen glitzerten. Ich glaube, erst zuhause habe ich gemerkt, dass der Film vorbei war. Jeder Vorwurf, den ich Jackson in Unkenntnis der Filme vorab gemacht habe, war vergessen. Für mich ein absolut perfektes Kinoerlebnis und ein Versprechen, dass die anderen beiden Filme eingelöst haben.
    Deswegen halte ich mich jetzt auch mit Kommentierungen der Berichte zum Hobbit zurück. Klar stören mich erstmal die zusätzlichen Charaktere, die in dem Film eigentlich nichts zu suchen haben, auch dort wird es wieder Storyänderungen geben, um die GEschichte glaubhaft auf die Leinwand zu bringen. Aber mittlerweile habe ich – zumindest was die Tolkien-Stoffe anbetrifft – blindes Vertrauen in Jackson.
    Oh, soviel wollte ich gar nicht schreiben.

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