Schlagwort: 2009

Kritik: The House of the Devil (USA 2009) – Von der suggestiven Kraft der bedrohlichen Ungewissheit
Horror, Kritiken

Kritik: The House of the Devil (USA 2009) – Von der suggestiven Kraft der bedrohlichen Ungewissheit

Am meisten fürchten wir uns vor den Gefahren, die wir glauben zu spüren, aber nicht sehen können. Deshalb empfinden wir Unbehagen in der Dunkelheit und horchen erschreckt auf, wenn das große unbekannte Haus plötzlich Geräusche von sich zu geben scheint. Ti Wests anachronistischer Genre-Beitrag ist in erster Linie eine nostalgische Erinnerung an das ehrenwerte Terrorkino der 1980er-Jahre. Mit voyeuristischer Lusthaftigkeit und dokumentarischen Grobkorn-Einstellungen zelebriert er seine leichtfüßig inszenierte Exposition, deren hitchcockesker Spannungsbogen genau an den richtigen Stellen mit beidseitigen Ausbrüchen ausgestattet ist. Sein The House of the Devil ist die ehrende Verneigung vor den Tugenden des amerikanischen Horrorfilms und dessen Schöpfern. Virtuos werden Genre-Sujets modul...
Kritiken

"Mutants" (FR 2009) Kritik – Die Menschheit am Abgrund, doch die Liebe bleibt

Autor: Pascal Reis „Du musst verhindern, dass ich so werde wie sie.“ Selbstverständlich hat „Mutants“ das Zombie-(Sub-)Genre nicht neu erfinden können, der Franzose David Morley aber hat es immerhin zustande gebracht, der durch unzählige Ausformungen schon reichlich trivialisierten Thematik um carnivorische Wiedergänger und virulente Infektionskrankheiten Facetten abzuringen, die über den 'Gefressen und gefressen werden'-Topos hinausgehen. Dass sich das französische (Horror-)Kino im Jahre 2009 ohnehin in eine rein auf das Genre bezogene Vormachtstellung zurechtrückte und durch heftige Reißer wie „High Tension“, „Inside – Was sie will ist in dir“ und „Martyrs“ wiederholt in Sachen Schonungslosigkeit und inszenatorischer Stringenz aus dem Output des internationalen Marktes herausstach, l...
Kritiken, Serien

"Californication" 3. Staffel (USA 2009) Kritik – …Und ewig lockt der verhängnisvolle Weg

Autor: Pascal Reis „I may be easy, but I'm not sleazy.“ Am Ende der Staffel 2 schlich sich so etwas wie der Ansatz von Frieden, ein Hauch von gegenseitiger Besänftigung, in die Szenerie. Die Charaktere konnten sich wieder in die Augen schauen und ja, sogar das Wunder der Geburt beglückte uns in einer der witzigsten Szenen. Musikproduzent und Bonvivant Lew Ashby (Callum Keith Rennie) war daran nicht unbeteiligt und seine Person, die auch eine Analogie für die von F. Scott Fitzgerald entworfene Kunstfigur Jay Gatsby dargestellt, kühlte die kollektive Anfeindung etwas herunter. Hank (David Duchovny) jedenfalls hatte seine Karen (Natascha McElhone) wieder, die allerdings für einen Job zurück nach New York ist, und Becca (Madeleine Martin) fand sich in einem echten Familienkonstrukt wieder. A...
Kritiken

Das "Männerherzen" Doppel (DE 2009-2011) Kritik – Beziehungen, Liebeleien und Probleme

"Männerherzen" (DE 2009) Im angesehenen Sportstudio „Fitnessworld“ laufen sich fünf verschiedene Männer immer wieder über den Weg. Zum einen wäre da Niklas, der keinen Schritt wagt, ohne ihn vorher bis ins kleinste Detail zu planen. Philip, ein Freund von Niklas, ist da das genaue Gegenteil, denn Philip lebt in den Tag und nimmt alles so wie es kommt. Aber das lockere Dasein hat schnell ein Ende gefunden, als seine Freundin ihm mitteilt, dass er bald Vater wird. Jerome ist ein flotter Musikproduzent, der sich vor Frauen gar nicht retten kann, bis er den ziemlich eigenwilligen Schlagersänger Bruce Berger am Hals hat und ihn produzieren soll. Der etwas verklemmte Beamte Günther lernt nach Ewigkeiten mal wieder eine Frau kennen, aber Susanne steckt mitten in einer Scheidung mit dem choleri...
Kritiken

"Unthinkable" (USA 2009) Kritik – Wie weit darf ein Mensch gehen?

"Der Mann hat 53 Menschen auf dem Gewissen, darunter Frauen und Kinder, und ich bin jetzt der Böse?" Bei dem Wort „Terrorismus“ dürften inzwischen überall die Alarmglocken klingeln, denn Osama Bin Laden und die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2011 sind jedem Menschen ein Begriff. Taliban, Spekulationen und nukleare Gefahr. Hier lassen sich viele Bereiche verknüpfen, denn all die Spekulationen beziehen sich auf die möglichen Anschlagsziele der arabischen Miliz, die auf der ganzen Welt ausgeübt werden können. Verbunden mit diesem aktuellen und ebenso brisanten Thema, ist allerdings auch ein ganz anderer Bereich, der nicht weniger diskutabel und heikel ist: Die Anwendung von Foltermethoden. Natürlich fallen die ersten Gedanken nun auf die üblichen Torture-Pornos, die...
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"Dead Snow" (NO 2009) Kritik – Die uniformierten Zombies greifen an

"Lasst euch bloß nicht beißen!" Die geliebten Zombies sind für viele nicht mehr aus dem Horror-Genre wegzudenken. Vollkommen berechtigt, denn schreitet man durch die Filmgeschichte, dann sind es doch viele Zombie-Filme, die das Genre und die Filmwelt maßgeblich beeinflusst und ebenso vorangetrieben haben, Stichwort Romero. Aber wenn man ehrlich ist, dann haben die schlurfenden Untoten schon etwas von ihrem einstigen Reiz verloren, denn wenn man heutzutage durch die Horrorecke schlendert, dann wird doch schnell deutlich, dass die Zombies der bitteren Eintönigkeit verfallen sind und gegen den tragischen Staub der Vergänglichkeit ankämpfen müssen. Auch die Erneuerung, die Zombies nun sprintend auf Menschenfleischjagd zu schicken, erwies sich einzig als kurzes Vergnügen. Jedoch gibt es imme...
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"District 9" (NZ/USA 2009) Kritik – Auf der Flucht vor Veränderungen

"Was ist dein Geheimnis?" Aliens, Raumschiffe und fremde Planeten. All diese Dinge zählen zum Genre der Science-Fiction, einem der beliebtesten Themen der Filmgeschichte, das jährlich unzählige neue Vertreter bekommt, zuletzt erst mit Ridley Scotts "Prometheus", in dem der Regisseur auf die Frage nach dem Ursprung des Menschen einging. Aber wenn man sich das Sci-Fi-Genre etwas genauer anguckt, dann vermisst man doch irgendwie die richtigen Klassiker und Meilensteine, die sich nicht nur als laues Lüftchen erweisen, sondern sich in den Köpfen der Zuschauer verankern und irgendwann einen unantastbaren Status in der Filmwelt genießen dürfen. Filme von einem Kaliber wie "Krieg der Sterne", "Blade Runner", "Alien" und "Planet der Affen" werden schmerzlich vermisst, auch wenn sich die goldenen...
Kritiken

"Brothers" (USA 2009) Kritik – Wenn der Abschied zum Neuanfang wird

"Ich fühle nichts." Krieg kann sich an den verschiedensten Orten abspielen und doch lassen sich diese Orte in jedem einzelnen Krieg wiederfinden. Es gibt den Krieg im Kopf, der die Gedanken vergiftet und immer wieder an sich reißt, und den Krieg an der Front, mitten im Geschehen, dort wo du dem „Feind“ direkt in die Augen blicken kannst und mit ansehen musst, wie das letzte bisschen Menschlichkeit aus ihm getrieben wird. Jeder dieser Kriege spielt sich, egal wo man ist, immer in der Seele des Menschen ab und diesen Krieg wird der Mensch nie wieder aus der Seele vertreiben können, genau wie man die Narben dieser Zeit nie verdecken wird und immer sichtbar trägt, bedeutender als jede Medaille und schwerer als jeder Felsen. Doch diese Tatsachen sind uns nicht mehr neu und als Zuschauer, in ...
Kritik: Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte (DE/AU 2009)
Drama, Kritiken

Kritik: Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte (DE/AU 2009)

Ich habe das Gefühl ihr verschweigt etwas. Es ist nicht Michael Hanekes erster Ensemblefilm, Code:unbekannt sowie 71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls waren schon Gesellschaftsporträts. Während 71 Fragmente... von Vereinsamung und emotionaler Kälte handelte, beleuchtete Code:unbekannt den Kommunikationsverlust und die zunehmende Anonymisierung der Gesellschaft. Dieser Film litt aber unter einer erkennbaren Strukturlosigkeit, das Ensemble sowie der ganze Film wollten sich nicht zu einem ganzen zusammen fügen. 71 Fragmente... dagegen hatte ein reales Ereignis als Ausschlag und als Endstation, ein umfassendes Ereignis, welches die Figuren näher zueinander rückte. Ähnlich verhält es sich bei Das weiße Band, wobei man sagen kann, der Film sei Haneke-typisch und untypisch zugleich. ...
Kritik: Hangover (USA 2009) – Las Vegas und die Nacht des Vergessens
Filme, Komödie, Kritiken

Kritik: Hangover (USA 2009) – Las Vegas und die Nacht des Vergessens

Woher weißt du, dass Tiger Pfeffer mögen? - Tiger lieben Pfeffer, aber sie hassen Zimt! Heutzutage scheinen nur noch drei Arten von Komödien angesagt oder gefragt zu sein. Das wären zum einen die typischen Liebes-Komödien, die immer den gleichen Handlungsablauf besitzen und Charaktere vorweisen, die sich mit Glück auch nur minimal Unterscheiden. Wie diese Filme ausgehen werden, sollte bereits nach wenigen Minuten klar, oder absehbar sein. Auf der anderen Seite sind es die Teenie-Komödie, einst mit 'American Pie' losgetreten worden und zuletzt mit dem offiziellen vierten Teil 'American Pie - Klassentreffen' hoffentlich endgültig begraben. Was anzieht ist nackte Haut, pubertärer und niveauloser Fäkal- und Proletenhumor, der in seiner Dummheit wohl nur noch die rotwerdenden Siebtklässl...