Schlagwort: Drama

Filmkritiken

"Trust" (USA 2010) Kritik – Clive Owen und tiefe familiäre Narben

Autor: Pascal Reis "People get hurt. There's only so much we can do to protect ourselves, our children. The only thing we can do is be there for each other when we do fall down to pick each other up." Was bedeutet schon „Internetbekanntschaft“? Dahinter versteckt sich ein Mensch, der die volle Anonymität seiner Person ausnutzen kann. Er hat die uneingeschränkte Möglichkeit, sich vom Namen bis zur Altersangabe und dem Aussehen vollkommen zu verändern und neuaufzubauen. Und so kann er die naiven Gesprächspartner am anderen Ende des Chatfensters gnadenlos in sein perfides Netz locken. Aus herkömmlichem Smalltalk wird intensiver, zwischenmenschlicher Kontakt. Man plaudert über alltägliche Dinge, sucht nach Antworten auf persönliche Probleme und teilt sogar gemeinsame Interesse. Wer sich in...
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"Dogville" (SE/NL/IT/FR/DE/US/NO/JP/GB/FI/DK 2003) Kritik – Willkommen im Dorf der Hunde

"All I see is a beautiful little town in the midst of magnificent mountains. A place where people have hopes and dreams even under the hardest conditions." Lars von Trier empfängt den Zuschauer mit einer mehr als kargen und ungewöhnlichen Theaterkulisse, die sich lediglich durch Kreidestriche als Trennlinien auf dem Boden, einigen Einrichtungsgegenständen und den Türen zusammensetzt. Das wir es hier mit einem ganz besonderen Film zu tun bekommen, der mit exzellenter Konsequenz und ohne jede Scheu die verstaubten Sehgewohnheiten auf interessante Weise zerbricht, ist für jeden Betrachter schnell klar. Was Regisseur von Trier dem Zuschauer dann in den folgenden 180 Minuten serviert, ist eine Geschichte über den Menschen und über sein Benehmen und die charakterliche Verwandlung. Im Fokus s...
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Regisseure im Fokus: Verführung, Politik, Freiheit, Rise & Fall – Vier Werke des Stanley Kubrick

Autoren: Sebastian Groß, Pascal Reis "Spartacus" (USA 1960) "And maybe there's no peace in this world, for us or for anyone else, I don't know. But I do know that, as long as we live, we must remain true to ourselves." „Spartacus“ – Die einzige Auftragsarbeit des legendären Visionärs Stanley Kubrick. Mit gebundenen Händen und den wachsamen Augen von Kirk Douglas im Nacken, der „Spartacus“ produzierte, musste sich Kubrick am Drehbuch von Dalton Trumbos entlanghangeln und gleichzeitig auf die künstlerischen Freiheiten verzichten, die ihn in seiner späteren Laufbahn zu der unantastbaren Koryphäe machten, die er heute für die Filmwelt darstellt. Geschadet haben ihm diese Beschränkungen letzten Endes nicht, hat er doch zum einen im Jahre 1975 mit „Barry Lyndon“ sein ganz eigenes Epos inszeni...
Filmkritiken

"Wege zum Ruhm" (USA 1957) Kritik – Stanley Kubricks Plädoyer für die Menschlichkeit

"Gentlemen of the court, there are times that I'm ashamed to be a member of the human race and this is one such occasion." „Wege zum Ruhm“ steht für Stanley Kubricks belangvolles Plädoyer für die in Kriegstagen vergrabene Menschlichkeit. Eine ganz bestimme Szene ist signifikant für das rangorientierte „Miteinander“ innerhalb des 701. Regiments: Der widerwärtige General Paul Mireau durchquert die Schützengräben auf der Suche nach dem Gefühl des Sieges, nahezu verschlossen vor der Realität stolziert er an den verwundeten und ausgelaugten Soldaten vorbei, um ihnen dann mit einem mehr als deplatzierten Antreibungsspruch den letzten Willen für das Vaterland zu kämpfen endgültig zu nehmen. Die Uniform des Generals ist geschniegelt, kein Spritzer Dreck haftet an ihr, sein Gesicht zeigt Frohmut...
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"Mann unter Feuer" (USA 2004) Kritik – Denzel Washington sinnt auf Rache

"Creasey's art is death. He's about to paint his masterpiece." Tony Scott und Denzel Washington. Das beudetet „Crimson Tide“, „Déjà Vu“, „Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3“ und „Unstoppable“. Begeisterung flammt bei dieser Aufzählung nicht gerade auf, wirklich schlecht war aber auch keiner der genannten Filme. Wenn Scott und Washington sich für eine Zusammenarbeit getroffen haben, dann konnte man sich am Ende immer ziemlich sicher sein, das man kein Weltbewegendes Kino serviert bekommt, Scott seine unverkennbare Handschrift aber immer wieder konsequent vertreten wird, aber letztlich im Bereich der bedeutungslosen Durchschnittlichkeit oder knapp darüber landet. Die Action an und für sich war zwar in den meisten Fällen keinesfalls schlecht inszeniert, doch oft genug haperte es an den...
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Kritik: Secretary (USA 2002) – Bei Maggie Gyllenhaal darf Liebe schmerzen

"Who's to say that love needs to be soft and gentle?" Der Sadomasochismus wird aus dem gesellschaftlichen Blickwinkel nur zu gern als reine Devianz bezeichnet, als abartig, abstoßend, abnormal und vor allem als vollkommen unverständliches Unterfangen. Wieso fügen sich Menschen gegenseitig Schmerzen zu? Wo liegt der eigentliche Verhaltensursprung bei solchen Handlungen? Wieso führt Erniedrigung zur explosiven Ekstase, zu immer weiterem Verlangen? Welchen Hintergrund besitzen die ganzen Befriedigungen rundum Devotion und Dominanz? Dabei muss sich der passive wie aktive Sadismus/Masochismus nicht immer auf der sexuellen Ebene abspielen, sondern kann ganz andere ausschlaggebende Punkte besitzen. Doch wie soll man das einer Person beibringen, die schon bei Gesprächsthemen wie dem vore...
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"Zeiten des Aufruhrs" (USA/GB 2008) Kritik – Leonardo DiCaprio und Kate Winslet wieder vereint

"How do I know you didn't try to flush our entire fucking family down the toilet?" Sam Mendes kehrt neun Jahre nach seinem Debüt und Geniestreich „American Beauty“ zurück an die alte Wirkungsstätte: Der illusionären Vorstadtidylle. Nach außen fehlerfrei, lückenlos und bis in den kleinsten Winkel akkurat gepflegt. Doch hinter dieser Fassade befinden sich menschliche Abgründe, ein reibungsloses Miteinander ist pures Wunschdenken, aber hinter welcher Haustür, in welcher Ehe und in welcher Familie gibt es diese Probleme nicht? Keine Zweifel und (zumeist) verbale Gefechte? In dieser Erkenntnis liegt keinesfalls die Genialität von „Zeiten des Aufruhrs“. Mendes' unheimlich stilsicher aufgearbeitetes Melodrama punktet durch seine Authentizität, durch die fühlbare Nähe in seiner Inszenierung, di...
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"Der Biber" (USA 2011) Kritik – Mel Gibson und seine plüschige Handpuppe

"We reach a point where, in order to go on, we have to wipe the slate clean. We start to see ourselves as a box that we're trapped inside and no matter how we try and escape, self-help, therapy, drugs, we just sink further and further down." Walter Black (Mel Gibson) hat Probleme. Und damit sind nicht diese Larifari Alltagsprobleme gemeint. Walter Black hat schwere Probleme. Sein Beruf als Leiter einer Spielzeugfabrik steht auf der Kippe, die Aktien sinken in den Keller, sein ältester Sohn Porter (Anton Yelchin) hält ihn für einen Vollversager und notiert sich jede charakterliche Gemeinsamkeit, um sie bloß nicht zu wiederholen und seine Frau Meredith (Jodie Foster) hat kein Interesse mehr an einer weiteren Bindung und setzt Walter schließlich vor die Tür. Der unter schweren Depressionen...
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Regisseure im Fokus: Entfremdung, Liebe und die (Schein)Realität – Drei Werke des Michelangelo Antonioni

"Die Nacht" (IT 1961) Ein Jahr bevor Michelangelo Antonioni mit „L'eclisse“ die Liebe als unerreichbare Begierde darstellte, als unstillbare Sehnsucht, sklavisch schweifend zwischen Hingabe und Pein, knöpfte sich der prägende Filmemacher mit „La Notte“ eine zerbrochene Ehe vor. Giovanni (Marcello Mastroianni) und Lidia (Jeanne Moreau) haben sich nichts mehr zu sagen – die Kommunikation, die soziale Interaktion der einstigen Liebenden, der wichtigste Aspekt in einer fundamentierten Beziehung, ist auf dem Nullpunkt angekommen. Antonioni komprimiert sich dabei vollständig auf die Entfremdung von Giovanni und Lidia. In Lidias Augen spiegelt sich die tiefe Trauer, die ganze Enttäuschung, während Giovanni Anteilnahme heuchelt und sich in Wahrheit als verständnisloser, längst mit der Ehe abges...
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"Das Leben nach dem Tod in Denver" (USA 1995) Kritik – Andy Garcia wird zum heiligen Jimmy

"The blood runs when the time comes." Man könnte „Das Leben nach dem Tod in Denver“ so einige Dinge problemlos vorhalten: Seien es die Klischees, die sich jetzt schon seit Ewigkeiten durch dieses Genre schlängeln, die etwas unausgegorene Liebesgeschichte, die die Handlung zu keinem Zeitpunkt weiterbringt und auch allgemein haben Regisseur Gary Fleder und Drehbuchautor Scott Rosenberg nicht selten bei den großen Vorbildern abgeschaut. Wenn wir uns aber von dieser, in diesem Fall, unnötigen Engstirnigkeit distanzieren, dann lässt sich „Das Leben nach dem Tod in Denver“ mit ganz anderen Augen betrachten. Gary Fleder plagiiert hier nämlich keinesfalls die maßgebenden und erfolgreichen Glanzlichter des Gangster-Genres, sondern seine Inszenierung ist vielmehr eine Aufarbeitung, eine eigenstän...