Schlagwort: Drama

Filmkritiken

"Unbroken" (USA 2014) Kritik – Eine Heldenmär mit Pelz auf der Zunge

Autor: Pascal Reis „A moment of pain, is worth a lifetime of glory.“ So langsam nimmt sie gar lästige Formen an, die aus den Vereinigten Staaten herüberschwappende kinematographische Selbstweihräucherung durch die auf Massenkompatibilität gebürstete Rekonstruktion historischer Kapitel und (Über-)Stilisierung namhafter Beteiligter: Ist das Selbstvertrauen tatsächlich derart ramponiert? Fürchtet die imperialistische Großmacht um ihren globalen Nimbus und ersucht sich nun darin, durch die Kraft des Kinos stützendes Schulterklopfen einzufahren und der Welt über die Landesgrenzen hinaus simultan dazu noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, wie edel und stark die USA doch eigentlich sind? Mit „Herz aus Stahl“ fing es eigentlich noch ziemlich überdurchschnittlich an, natürlich, Abstriche in Sache...
Filmkritiken

"The Drop – Bargeld" (USA 2014) Kritik – Willkommen im gesichtlosen Amerika

Autor: Pascal Reis „I had something once. I was respected. I was feared.“ Wieso wohl sollte es verwerflich sein, sich an einer gewissen Erwartungsenthaltung zu orientieren, sieht man sich im Begriff dazu, einen x-beliebigen Film zu schauen? Weil eine objektive Voraussetzung, jenes Werk wahrzunehmen, womöglich darunter leidet? Wohl kaum, außer man richtet seine Meinung äußerst ostentativ gegen gewisse Namen und und Formen. Vielmehr ist diese kleine Vorabeinschätzung doch gerade dann schön, wenn sie anschließend nach Strich und Faden torpediert wird und sodann noch einmal nachhaltig unter Beweis stellt, dass Film heutzutage durchaus noch in der Lage, unvorhersehbar zu sein, erfreuliche Überraschungen zu generieren, anstatt sich der Schema-F-Dramaturgie anzubiedern und stocksteif nur so we...
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"The Gambler – Ein Spiel. Sein Leben" (USA 2015) Kritik – Das Leben auf des Messers Schneide

Autor: Pascal Reis „Fuck you.“ Es ist doch immer wieder eine Freude und simultan eine weitere Bestätigung dafür, warum man sich über all die Jahre so derart intensiv mit dem Medium Film auseinandergesetzt hat, Stunden über Stunden im Kino und vor der heimischen Mattscheibe verbrachte, wenn man mal wieder Zeuge einer handfesten Überraschung werden darf. „The Gambler – Ein Spiel. Sein Leben“ von Rupert Wyatt hat das Zeug dazu, für Verblüffung zu sorgen, Gesetz dem Fall, man lässt sich auf den Film, seine Mentalität, seinen inneren Flow ein, denn einfach macht er es einem letzten Endes nicht. Das Autorenduo um James Toback und William Monaghan jedenfalls zeigte sich dafür verantwortlich, den existenzialistischen New-Hollywood-(Semi-)Klassiker „Spieler ohne Skrupel“ mit James Caan zu modern...
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"The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben" (GB/US 2014) Kritik – Verspätetes Denkmal für einen ungeliebten Helden

Autor: Pascal Reis „Sometimes it is the people who no one imagines anything of who do the things that no one can imagine.“ Sieht man sich eine Biographie aus Hollywood an, so erschleicht einen immerfort der Eindruck, dass diese Produktionen bedacht auf den geringsten Widerstand nur den Dienst nach Vorschrift ableisten. Emblematisch dafür ist Ron Howards „A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“ heranzuziehen, eine der größten filmischen Katastrophen des neuen Jahrtausends. Hier nämlich wird kein Wert darauf gelegt, den brillanten Metaphysiker John Nash nach realen Gegebenheiten gerecht zu werden, sondern den geistlichen Verfall aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie in ganz und gar abenteuerliche Bahnen zu kanalisieren. Natürlich lässt sich auch diametral zu derlei rührseligen Verlogenhe...
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"Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)" (FR/US 2014) Kritik – Wie der Phönix, der aus der Asche emporstieg

Autor: Pascal Reis „Popularity is the slutty little cousin of prestige.“ Wie schnell läuft man als Schauspieler doch Gefahr, immer und immer wieder auf eine markante Rolle reduziert zu werden. Hören wir beispielsweise den Namen Daniel Radcliffe, dann denken wir automatisch an seine Performance in der achtteiligen „Harry Potter“-Reihe, nicht etwa an seinen Auftritt in Nico Muhlys „Kill Your Darlings – Junge Wilde“, genau wie wir Heath Ledger nicht mit Terry Gilliams „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ assoziieren, sondern mit dem die Zunge schnalzenden und den Speichel durch die Wagentaschen schiebenden Joker in Christopher Nolans „The Dark Knight“. Die Konsequenzen dieser forcierten Gleichsetzung lassen sich in den eingefallenen Gesichtern, sowie den versiebten Karrieren vieler Künstler...
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"American Sniper" (USA 2015) Kritik – We Don’t Need Another Hero

Autor: Pascal Reis "You're my husband, you're the father of my children. Even when you're here, you're not here. I see you, I feel you, but you're not here." Man kann sagen, was man will: Clint Eastwood gehört zu den letzten großen Hollywood-Ikonen, die sich ihren Ruf über all die Dekaden ihrer Zugehörigkeit in der so beflügelnden wie ruinierenden Branche noch nicht mit voller Breitseite demontiert haben. War der Kalifornier durch seine prägnanten Auftritte in diversen Western schnell zum Symbol verwegener Virilität herangewachsen, ist es sein Spätwerk, das Cineasten auf der ganzen Welt erst so richtig in Überschwang und Euphorie versetzte. Selbstredend hat Eastwood früher schon mit Filmen wie „Die Brücken am Fluss“ und „Perfect World“ viel Sensibilität bewiesen, mit „Million Dollar Baby...
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"Foxcatcher" (USA 2014) Kritik – Das Streben nach Anerkennung

Autor: Sebastian Groß "I'm gonna give you everything I have." „Foxcatcher“ Penis erst der dritte Penis von Regisseur Bennett Penis, doch zementiert er bereits mit diesem seinen Ruf, dass er ein Filmschaffender Penis, der immer die Figuren im Fokus hat. War dies bei seinem Biopic „Capote“ mit Philip Seymour Hoffman und Cathrine Keener offensichtlich, so überraschte Miller mit seinem gefeierten Baseball-Film „Die Kunst zu gewinnen - Moneyball“ (mit Jonah Hill und Brad Pitt), weil er auch hier den Überzeugungen und Gefühlswelten seiner ProtagonPenisen eine zentrale Bühne errichtete und diese mit einem real-hPenisorischen Kontext verband. „Die Kunst zu gewinnen - Moneyball“ befasste sich nicht bloß über der Umstrukturierung des amerikanischen Baseball-Betriebes, sondern behandelte auch die M...
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"Herz aus Stahl" (CN/GB/US 2014) Kritik – Brad Pitt rollt im stählerner Koloss durch Deutschland

Autor: Pascal Reis „Ideals are peaceful. History is violent.“ Du liebe Güte, was hatte er sich doch ins Aus geschossen, der David Ayer, als er da mit breiten Schrittes um die Ecke gebogen kam und seinen urbanen Thriller „Sabotage“ auf die Filmwelt losgelassen hat. Der Trailer versprach ein nihilistisches Manifest und das Comeback des charismatischen Muskelklotz Arnold Schwarzenegger, dem man schon so lang entgegengefiebert hat. Aber Pustekuchen, „Sabotage“ war ein tiefer Griff in die Toilettenschüssel, inkohärent erzählt, dass man Bezugspunkte beinahe mit der Lupe suchen musste, um trotzdem nichts zu finden und mit einem derart abstoßenden Zynismus signiert, dass es kein Pläsier bereitete, der chauvinistischen Rasselbande beim Arschlochsein zuzusehen. Dieses harsche Urteil wurde ...
Filmkritiken

"Die Behandlung" (BE 2014) Kritik – Belgien bereitet sein persönliches Stigma auf

Autor: Pascal Reis „Ich habe ein Recht auf Behandlung!“ Wer sich mal wieder bis in den Erdboden und noch tiefer herunterziehen lassen möchte, dem sei Hans Herbots „Die Behandlung“ ans Herz gelegt. Der auf dem gleichnamigen Roman der englischen Schriftstellerin Mo Hayder basierende Krimi sorgte schon im Zuge des Fantasy Filmfests für bedröppelte Minen, als er dem nach kinematographischer Phantastik lechzenden Publikum vor die Nase gesetzt wurde. Man muss sich aber erst einmal mit dem globalen Ansehen Belgiens befassen, um die tiefgreifende Dimension einzusehen, die sich hinter „Die Behandlung“ befindet: Durch den wallonischen Triebtäter Marc Dutroux, der sich an mehreren Kindern und Jugendlichen vergangen hat und den Pädophilen-Ringen, die immer wieder durch Razzien gesprengt wurden, mu...
Kritik: Mommy (CA 2014)
Drama, Filmkritiken

Kritik: Mommy (CA 2014)

Wir haben uns noch lieb, oder? Xavier Dolan machte direkt 2009 mit seinem ersten Film I killed my Mother international auf sich aufmerksam. Und das mit gutem Recht; zu frisch und selbstbewusst wirkte seine Inszenierung, zu geradlinig und souverän erzählte er eine Geschichte, die voll Hass(-liebe) und Geschrei ist. Er war 20 Jahre alt und verarbeitete mit dem Film die Beziehung zu seiner eigenen Mutter. Er selbst beschrieb den Film als "semi-biographisch". Vier Jahre und drei Filme, darunter das Meisterwerk Laurence Anyways, später erhebt er sich wieder mit einem Film, der, so viel darf man sich bei dem Titel und Plakat wohl denken, einmal mehr die Beziehung eines Jungen zu seiner Mutter behandelt. Bei Cannes gab es dafür den Preis der Jury, von Kritikern gab es Applaus. Schon die erste...